Astronomie ohne Teleskop: Vorschau für Juli 2018

In dieser Blogartikelserie gebe ich eine Vorschau von astronomischen Ereignissen und Konstellationen, die ohne Teleskop betrachtet werden können. D.h. es werden nur das bloße Auge oder ein Fernglas benötigt.

Zu beachten:

Die Zeiten werden in mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) angegeben.

Verlinkung innerhalb dieser Serie:

Sonnenaufgang und -untergang, Mondsichtbarkeiten

Die Sonnenaufgangs- und untergangszeiten sind für Berlin:

  • 01.07.18: Aufgang: 04:47, Untergang: 21:32
  • 16.07.18: Aufgang: 05:02, Untergang: 21:21
  • 31.07.18: Aufgang: 05:24, Untergang: 21:00

Die folgende Tabelle der Monddaten wurde mit calsky.com erstellt. Sie gelten für Berlin:

Mondphasen im Juli 2018

Der Sternenhimmel im Juli 2018

Sternhimmel am 15. Juli 2018, 23 Uhr

Sternhimmel am 15. Juli 2018, 23 Uhr

 

Sternhimmel am 15. Juli 2018, 4 Uhr morgens

Sternhimmel am 15. Juli 2018, 4 Uhr morgens

Die erste Abbildung zeigt den Sternenhimmel am 15. Juli um 23 Uhr. Die zweite Abbildung stellt den Morgen des gleichen Tages um 4 Uhr dar. Hier habe ich den Horizontschein in der Darstellung eingeschaltet, denn die Aufhellung soll uns daran erinnern, dass wir uns im Hochsommer befinden. Beide Darstellungen sind auf den Standort Berlin ausgerichtet. Die nachfolgenden Erläuterungen beziehen sich auf den Nachthimmel der ersten Abbildung.

Das markante Sommerdreieck mit seinen hellen Sternen Deneb (Schwan), Vega (Leier) und Altair (Adler) steht prominent am Nachthimmel. Es befindet sich gegen Mitternacht im Meridian. Das Sommerdreieck ist eine großräumige, markante Konstellation heller Sterne am nördlichen Sternenhimmel. Auch bei schlechteren Sichtbedingungen durch Atmosphäre und Lichtverschmutzung ist es oft noch gut zu erkennen. Diese Konstellation ist kein offizielles Sternbild, sondern ein sogenannter Asterismus.

Neu auftauchende Sternbilder

Die neu hinzukommenden Sternbilder sind

Wesentliche am Himmel stehende Sternbilder und Konstellationen

Die Protagonisten der Perseus Saga komplettieren sich langsam. Mit Ausnahme des Seemonsters Cetus (Walfisch) sind sie jetzt zu sehen: Kepheus, Kassiopeia, Andromeda und Perseus. Auf das Seemonster Cetus (Walfisch) müssen wir uns noch bis September gedulden. Informationen zur Sage habe ich in einer vierteiligen Blogartikelserie aufbereitet.

Weitere sichtbare Sternbilder, über deren mythologischen Hintergrund ich geschrieben habe, sind:

Als weiteres Sternbild ist der Bärenhüter (Bootes) zu erwähnen. Es ist weiterhin gut sichtbar am Nachthimmel. Der Bärenhüter enthält Arktur, welcher der hellste Stern am Nordhimmel und der dritthellste Stern insgesamt ist. Und wir haben mit Giraffe (Camelopardais), Jagdhunden (Canes Venatici), der Eidechse (Lacerta), dem Füllen (Equuleus), und dem Fuchs (Vulpecula) noch einen kleinen Zoo, welcher derzeit am Nachthimmel steht.

Das Sternbild Schild (Scutum) leitet sich übrigens nicht aus der Antike ab. Es wurde erstmals 1690 von Johannes Hevelius aufgeführt. Es ist dem polnischen König Jan III. Sobieski gewidmet, der 1683 bei der Schlacht am Kahlenberg gegen die Türkische Armee kämpfte. Es symbolisiert den Schild, den der König in der Schlacht trug. Die ursprüngliche Bezeichnung ist Scutum Sobiescianum („Schild des Sobieski“).

Leider muss man die Lichtverschmutzung in Betracht ziehen, so dass sich einige Sternbilder in der Stadt schlecht auffinden lassen. Der Drache (Draco) gehört dazu. Es nimmt zwar einen großen Himmelsbereich ein, ist aber schon unter guten Sichtbedingungen nicht leicht zu erkennen. Er wird nämlich von seinen prominenten Nachbarn wie der Großen Bärin, dem Kleinen Bären und dem Schwan dominiert.

Das Sternbild Schütze (Sagittarius) ist ebenfalls ein Opfer der Lichtverschmutzung. Der Schütze erreicht im Sommer zwar seine höchste Position, ist in unseren Breitengraden aber nicht vollständig sichtbar. Aufgrund der horizontnahen Stellung geht der eigentlich für uns sichtbare Teil in der Lichtverschmutzung zum Teil unter.

Auch der Skorpion (Scorpion) kann in unseren Breiten nie vollständig über dem Horizont beobachtet werden. Die Monate Juni & Juli bieten die beste Sichtbarkeit für dieses Sternbild, insbesondere für den sehr hellen Stern Antares.

Sich verabschiedende Sternbilder

Das Sternbild Löwe (Leo) verlässt immer früher die Himmelsbühne und verabschiedet sich somit für die kommenden Monate. Die Zwillinge (Gemini) verschwinden ganz. Der Fuhrmann erreicht im Juli seinen tiefsten Stand am Nachthimmel. Ebenso verabschieden sich die Waage (Libra), die Jungfrau (Virgo), der Kleine Löwe (Leo Minor) und der Luchs (Lynx).

Asterismen

In der Abbildung des Sternhimmels oben habe ich neben dem Frühlingsdreieck weitere Asterismen in Gelb eingezeichnet. Als Asterismen werden diejenigen Sternkonstellationen bezeichnet, denen ein Bild oder eine Bedeutung zugeordnet wurde, welche aber nicht offiziell von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) definiert wurden. Näheres dazu ist in meinem Blogartikel „Von Sternbildern, Tierkreiszeichen und Asterismen“ beschrieben:

  • Der Große Wagen dürfte der bekannteste Asterismus sein. Er ist der Kernbestandteil vom Sternbild Der Große Bär / Die große Bärin Ein mehr im englischen Sprachraum bekannter Asterismus ist der Schöpflöffel (Big Dipper). Dieser entspricht fast dem Großen Wagen, wenn man von der oberen Verbindungslinie des Kastens absieht. Auch in China ist diese Sternkonstellation als „Nördlicher Schöpflöffel“ bekannt.
  • Der Kleine Wagen (Little Dipper) ist die kleinere Version des Schöpflöffels bzw. Großen Wagens.
  • Das Sternbild Kassiopeia kann zu Asterismus Kassiopeias Stuhl vervollständigt werden. Dies passt zum mythologischen Hintergrund der Figur. Denn Poseidon bestrafte die Eitelkeit der Kassiopeia, nachdem Perseus ihm die ursprüngliche Strafe vereitelt hatte, die Tochter Andromeda vom Meerungeheuer fressen zu lassen.  Kassiopeia muss im Himmel kopfüber auf ihrem Stuhl / Thron sitzen, was im Altertum als Gottestrafe angesehen wurde.
  • Das Kreuz des Nordens: es bildet wesentliche Teile des Sternbilds Schwan ab. Und im Gegensatz zum berühmten Kreuz des Südens ist es groß und sehr gut zu erkennen. Der sehr auffällige Stern Deneb steht am Kopfende des Kreuzes und Sternbilds. Die Längsachse stellt den langen Hals und den Rücken des Schwans dar. Die Flügel sind der Querbalken.
  • Job’s Coffin: Obwohl weithin bekannt, ist die Namensherkunft dieses Asterismus ungeklärt. Eine Möglichkeit wäre der Bezug zum alten Testament und dem Propheten Jona bzw. Jonas. Dieser flieht vor der Berufung durch Gott, wobei er auf der Flucht per Schiff bei einem von Gott verursachten Sturm in das Meer springen muss. Dort wird er von einem großen Fisch verschluckt. Nach drei Tagen und Nächten des Betens wird Jona wieder ausgespuckt. Dieser Zusammenhang zum Asterismus ist aber nicht belegt. Der Begriff Coffein (Sarg) kommt wahrscheinlich von der rautenförmigen Anordnung der Sterne.
  • Im Sternbild Herkules findet sich der Asterismus Schmetterling (Butterfly).
  • Das Sternbild Bootes sieht aus wie ein großer Papierdrachen (Kite), den Kinder bei Wind steigen lassen.
  • Das Sternbild Jungfrau beinhaltet den Diamanten.
  • Der Kopf und Hals des Sternbild „Löwe“ wird auch Sichel angesehen.

Der folgende Film zeigt die Sternbilder am 1. Juli, den Verlauf des Sternhimmels über den Monatszeitraum und welche Sternbilder neu hinzukommen bzw. sich vom Nachthimmel verabschieden:

Die Planeten

Die Positionen der Planeten im Sonnensystem am 01.07.18

Die Positionen der inneren Planeten am 01.07.18

Die Positionen der inneren Planeten am 01.07.18

 

Die Positionen der äußeren Planeten am 01.07.18

 

Planeten am Abend

Merkur

Der Merkur kann noch ungefähr bis zur Mitte des Monats am Abendhimmel aufgesucht werden. Seine Auf- und Untergangszeiten für Berlin sind:

  • 01.07.18: Aufgang: 06:48, Untergang: 22:52
  • 16.07.18: Aufgang: 07:37, Untergang: 22:12
  • 31.07.18: Aufgang: 07:05, Untergang: 20:58

Venus

Die Venus ist zwar immer noch am Abendhimmel zu sehen. Sie verliert allerdings schon ein bisschen an Höhe. Ihre Auf- und Untergangszeiten für Berlin sind:

  • 01.07.18: Aufgang: 08:25, Untergang: 23:34
  • 16.07.18: Aufgang: 09:07, Untergang: 23:01
  • 31.07.18: Aufgang: 09:46, Untergang: 22:21

Mars

Der Mars wird ein Planet der ganzen Nacht. Er steht am 27. Juli in Opposition und wird dort seine größte Helligkeit für dieses Jahr mit -2,8 mag erreichen. Die Auf- und Untergangszeiten des Mars für Berlin sind:

  • 01.07.18: Aufgang: 23:29, Untergang: 07:12
  • 11.07.18: Aufgang: 22:53, Untergang: 06:22
  • 31.07.18: Aufgang: 21:31, Untergang: 04:28

Jupiter

Der Jupiter ist im Juli nur noch ein Objekt der ersten Nachthälfte. Seine Auf- und Untergangszeiten für Berlin sind:

  • 01.07.18: Aufgang: 16:28, Untergang: 01:54
  • 11.07.18: Aufgang: 15:48, Untergang: 01:15
  • 31.07.18: Aufgang: 14:33, Untergang: 23:57

Saturn

Der Saturn ist die gesamte Nacht zu beobachten. Seine Auf- und Untergangszeiten für Berlin sind:

  • 01.07.18: Aufgang: 20:59, Untergang: 04:48
  • 11.07.18: Aufgang: 20:17, Untergang: 04:05
  • 31.07.18: Aufgang: 18:49, Untergang: 02:36

 

Spezielle Ereignisse

01.07.18 Morgenhimmel – Mond nahe Mars

Ab der zweiten Nachthälfte zeigt sich der Mond nahe des Mars. Aufgrund der niedrigen Position beider Himmelskörper wird diese Konstellation recht spät zu sehen sein, zumindest wenn man über keine freie Horizontsicht verfügt. Mit einem nicht zu stark vergrößernden Fernglas lassen sich Mond und Mars sogar zusammen beobachten. In der folgenden Illustration ist dies mit einer Umrandung für das Sichtfeld eines Suchers mit 10-facher Vergrößerung und 50 mm Objektiv angedeutet:

Mond nahe Saturn

Mond nahe Saturn

 

10.07.18, Morgenhimmel – Mond nahe Aldebaran

Kurz vor dem Sonnenaufgang lässt sich der Mond in der Nähe es Aldebaran blicken. Das folgende Bild zeigt in immerhin schon so nahe, dass Aldebaran und Mond zusammen in einem Fernglas (Kreis des Sichtfeldes: 10-fache Vergrößerung, 50 mm Objektiv) zu bewundern sind. Der extrem nahe Vorbeigang findet allerdings bei Tageslicht statt.

Mond nahe Aldebaran

Mond nahe Aldebaran

 

10.07.18, Abendhimmel – Venus nahe Regulus

Die Venus steht heute sehr nach am Stern Regulus (Alpha Leo) vom Sternbild Löwe. Zum Sonnenuntergang dürften beide zu sehen sein. Aber schön früh in der Nacht gehen beide unter. Regulus ist einer der Sterne des Frühlingsdreiecks. Sein Verschwinden und auch der Untergang des gesamten Sternbilds unter den Horizont bekräftigt, dass die Frühlingssternbilder verschwinden und sich die Sommersternbilder am Nachthimmel durchsetzen.

Der Kreis im nachfolgenden Bild zeigt das Sichtfeld eines Suchers mit 10-facher Vergrößerung mit 50 mm Objektiv:

Venus nahe Regulus

Venus nahe Regulus

 

11.07.18, ca. 04:15 Uhr – Letzte Morgensichtbarkeit der abnehmenden Mondsichel

An diesem Morgen ist die schmale Mondsichel das letzte Mal vor dem Neumond knapp über dem östlichen Horizont sichtbar. Dafür muss aber ein kurzer Zeitraum kurz vor Sonnenaufgang abgepasst werden:

Schmale Mondsiche vor Neumond

Schmale Mondsiche vor Neumond

 

13.07.18, 04:48 Uhr – Neumond

Am 13. Juli um 04:48 Uhr tritt der Neumond ein. Die Sonnen- und Mondstellung ist wie folgt:

Neumond am 13.07.18

Neumond am 13.07.18

 

15.07.18, ab 22:30 Uhr – Erste Abendsichtbarkeit der Mondsichel nach dem Neumond

Am Abend des 15. Juli besteht die Möglichkeit, zum ersten Mal die Mondsichel nach dem Neumond zu erblicken. Die Sichel, sichtbar in Richtung WNW kurz über dem Horizont, ist allerdings noch extrem schmal. Der Mond hat heute aber genügend Abstand zur Sonne, welche gegen 22:30 Uhr tief genug unter dem Horizont steht.

Die Venus steht übrigens nahe beim Mond. Mit einem nicht zu stark vergrößerndem Fernglas lassen sich Mond und Venus gemeinsam betrachten. Der Kreis entspricht einem Sucher mit einer 10-fachen Vergrößerung mit einem 50 mm Objektiv:

Mondsichel bei Venus

Mondsichel bei Venus

 

20.07.18 Abendhimmel – Mond bei Jupiter

An diesem Abend trifft der Mond auf den Jupiter. In einem Fernglas, welches nicht zu stark vergrößert, können beide Himmelskörper gemeinsam angeschaut werden. Der Kreis entspricht einem Sucher mit einer 10-fachen Vergrößerung mit einem 50 mm Objektiv:

Mond bei Jupiter

Mond bei Jupiter

 

21.07.18 – Sonne tritt in das Sternbild Krebs ein

Am 21.07.18 tritt die Sonne in den Himmelsbereich ein, der von der Internationalen Astronomischen Union als zum Sternbild Krebs zugehörig definiert wurde.

Eintritt der Sonne in das Sternbild Krebs

Eintritt der Sonne in das Sternbild Krebs

Der Begriff Sternbild ist hier bitte nicht mit dem Begriff Sternzeichen / Tierkreiszeichen zu verwechseln. Sternbild ist ein astronomischer Begriff, der sich auf tatsächlich beobachtbare Phänomene am Himmel bzw. im Weltraum bezieht. Sternzeichen / Tierkreiszeichen sind esoterische Begriffe. Näheres zur Unterscheidung dieser Begriffe ist in meinem Blogartikel „Von Sternbildern, Tierkreiszeichen und Asterismen“.

 

24.07.18 Abendhimmel – Mond nahe Saturn

Am Abend des 24.07.18 zieht der Mond am Saturn vorbei. Allerdings ist diese Begegnung nicht so eng, wie bei den vorigen Planetenbegegnungen in diesem Monat.

Mond nahe Saturn

Mond nahe Saturn

 

27.07.18 – Vollmond, totale Mondfinsternis, Mars in Opposition, Mond in der Nähe vom Mars

An diesem Tag kommt einiges zusammen. Dass Vollmond und Mondfinsternis immer zusammenkommen, ist ja klar. Aber heute steht der Mars auch noch in Opposition und der Mond steht einigermaßen nahe beim Planeten.

Totale Mondfinsternisse sind in Deutschland derzeit rar gesät. Erst Ende 2029 werden wir hier in den Genuss kommen, eine totale Mondfinsternis komplett hoch am Himmel beobachten zu können. Daher kommt diese Finsternis uns sehr gelegen. Allerdings beginnt die Totalität noch vor dem Mondaufgang. Die Zeiten wie folgt:

  • 19:31 Eintritt in den Halbschatten (unsichtbar, da unter dem Horizont)
  • 20:24 Eintritt in den Kernschatten
  • 20:56 Mondaufgang (Berlin)
  • 21:30 Beginn der Totalität
  • 22:20 Vollmond
  • 22:21 Mitte der Finsternis
  • 23:13 Ende der Totalität
  • 00:19 Austritt aus dem Kernschatten
  • 01:30 Austritt aus dem Halbschatten

Die totale Finsternis dauert mit 1:43 Std. sehr lange. Daher werden wir trotz spätem Aufgang bei gutem Wetter und freier Horizontsicht in jedem Fall etwas mitbekommen. Hier noch ein Film aus Sky Safari, um einen Eindruck zur Mondbahn flach über dem Horizont zu bekommen:

 

 

 

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