Von Sternbildern, Tierkreiszeichen und Asterismen

In der Öffentlichkeit wird viel mit den Begriffen Sternbild und Tierkreiszeichen (Sternzeichen) gearbeitet. Der Begriff Asterismus dagegen ist außerhalb der Fachwelt nicht so geläufig. Allgemein gesagt, bezeichnen Sternbilder und Asterismen Gruppen von (hellen) Sternen, die gedanklich mit Verbindungslinien in einen bildlichen Zusammenhang gebracht werden. Tierkreiszeichen haben mit Sternbildern insoweit nur soviel gemeinsam, als dass sie sich aus diesen ableiten, aber heute mit den Sternen nichts mehr gemeinsam haben. Wann man von Sternbildern, Asterismen und Tierkreiszeichen spricht, versuche ich in diesem Blogartikel zu erläutern. Dafür diskutiere ich die folgenden Beispiele Beispiele:

  • Großer Bär (Sternbild)
  • Großer Wagen (Asterismus)
  • Hyaden und Pleyaden (Asterismen)
  • Home Plate (Asterismus)
  • Widder (Tierkreiszeichen und Sternbild)

Sternbilder

Der Große Bär ist ein offizielles Sternbild. Offiziell bedeutet, dass die IAU (Union astronomique internationale) den Großen Bären in den offiziell verabschiedeten Katalog der Sternbilder aufgenommen hat. Die Auswahl der Sternbilder basiert auf einen Vorschlag von Henry Norris Russel aus dem Jahre 1922, siehe Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Sternbild#Heutige_Sternbilder.

Die folgenden zwei Abbildungen zeigen das Sternbild Großer Bär. Die linke Abbildung zeigt anhand von gedachtenVerbindungslinien, welche Sternengruppe die Figur des Bären ausmachen. Die rechte Abbildung zeigt zur Verdeutlichung eine künstlerische Abbildung des Bären, die über die Sterne gelegt ist.

Zusätzlich zu den Sternengruppen wurden von der IAU die exakten Grenzen am Himmel festgelegt, die jeden Punkt (Koordinate) des Himmels einem Sternbild zuordnen. Aus diesem Grund sagt man auch für jeden Stern am Himmel, er befindet sich im Sternbild xy.

Die nachfolgenden Abbildungen zeigen links, per Hand nachgezeichnet, die Grenze für den Bereich des Sternbild Großer Bär. Das rechte Bild zeigt einen Stern, der diesem Sternbild zugeordnet ist. Eine Bezeichnung dieses Sterns lautet daher auch d Ursa Majoris. Je nach Sternkatalog hat er allerdings auch weitere Bezeichnungen, z.B. SAO 6897 oder HD 82210.

Asterismus

Als Asterismen werden auffällige Sternenkonstellationen bezeichnet, die nicht offiziell von der IAU als Sternbild klassifiziert wurden. Ein Beispiel ist Der Große Wagen. Er ist ein Asterismus und gehört damit nicht zu den offiziell definierten Sternbildern. Dies überrascht erst einmal, da der Große Wagen in der öffentlichen Wahrnehmung doch recht populär ist. Auch viele in der Antike und jüngeren Vergangenheit festgelegten Sternbilder gelten heute als Asterismen. Die Sterne des Großen Wagen (in der nachfolgenden Abbildung links als „Big Digger gekennzeichnet“ sind Bestandteil des Sternbilds Großer Bär (rechte Abbildung):

 

Weitere Beispiele für Asterismen sind die Plejaden und Hyaden:

Asterism - Hyaden und Plejaden
Asterism – Hyaden und Plejaden

Die Hyaden sind ein Sternhaufen im Sternbild Stier.  Sie bilden dort eine V-förmige Anordnung. Dieser Asterismus geht auf die Antike zurück. Sie sollen die Töchter von Atlas und Aithra symbolisieren:

Asterismus - Hyaden
Asterismus – Hyaden

Die Plejaden sind ebenfalls ein Sternhaufen, bestehend aus 7 Sternen. Sie werden daher auch das Siebengestirn genannt. Die Plejaden sind vielfach auch in der Antike bekannt und von Bedeutung:

Asterismus - Plejaden
Asterismus – Plejaden

Während die oben genannten Asterismen schon seit der Antike weltweit in irgendeiner Form bekannt waren, gibt es recht unbekannte Asterismen, Im Prinzip kann sich jeder von uns bestimmte Sternenkonstellationen am Himmel zu einem bestimmten Bild und damit einem Asterismus „zusammenfügen“. Ein Beispiel dafür ist die Sternenkonstellation Home Plate (= Schlagmal beim Baseball), welcher im Sternbild Andromeda liegt. Diesen Asterismus habe ich im Buch Deep-Sky Wonders: A Tour of the Universe with Sky and Telescope’s Sue French (Nov. 2011), Seite 268f gefunden:

Asterismus - Home Plate
Asterismus – Home Plate

Home Plate wurde vom Amateurastronomen Pat Thibault eingeführt. Die 5 Sterne repräsentieren die entsprechenden Ecken des fünfeckigen Schlagmals eines Baseball Spielfelds.

Tierkreiszeichen

Tierkreiszeichen sind Symbolbilder, die einem bestimmten Bereich des Himmels zugeordnet. Es handelt sich dabei also nicht um Sternbilder. Die Symbolbilder haben zwar die entsprechenden Sternbilder zum Vorbild bzw. leiten sich von ihnen ab. Allerdings muss man hier aufpassen. In diesem Zusammenhang werden astronomische / naturwissenschaftliche und astrologische / esoterische Aspekte leicht durcheinandergebracht.

Gleich vorweg Astrologie und Astronomie sind nicht das Gleiche! Grundlage der Astronomie ist das naturwissenschaftliche Prinzip der Beobachtung und Falsifikation. D.h. Theorien müssen so formuliert sein, dass sie als Falsch nachgewiesen werden können. Die Beobachtung ist wesentlich, um nachzuvollziehen, ob sich eine Theorie im Rahmen ihrer Annahmen bestätigt oder verworfen werden muss. Die (heutige!?) Astrologie schert sich nicht um Falsifikation. Alles was in ihr als Behauptung aufgestellt ist, gilt als unumstößlich und wahr. Argumente und Ergebnisse aus Beobachtungen prallen an ihr ab. Dass beide Begriffe auch in der heutigen, angeblich aufgeklärten Gesellschaft immer noch in einen Topf geworfen werden, hat seinen Ursprung wohl auch in der Tatsache, dass in der Antike Astrologie und Astronomie Hand in Hand gingen. Astrologie in den damaligen Zeiten muss aber in einem anderen Kontext gesehen werden (philosophische & religiöse Interpretationen, Stützung des Staatssystems) als die heutige Astrologie. Des weiteren wird Astronomie in der schulischen Bildung als nicht weiter relevant erachtet … mit dem bekannten Ergebnis, dass immer noch Riesenumsätze mit Astrologie gemacht werden können.

So, nun zurück zum Begriff der Tierkreiszeichen. Der Tierkreis, auch Zodiak (lat./gr. von Zodiakos, ζῳδιακός, „Lebewesenkreis“) genannt, ist eine etwa 20 Grad breite Zone um die Ekliptik, innerhalb derer die scheinbaren Bahnen von Sonne, Mond und Planeten verlaufen. Die Ekliptik ist die scheinbare Bahn der Sonne vor dem Sternhimmel im Laufe  des Jahres (siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Ekliptik). Der Tierkreis wurde in der europäischen bzw. (heute) westlichen Astrologie in 12 Abschnitte unterteilt. Jedem dieser Abschnitte ist ein Tierkreiszeichen zugeordnet. Die Tierkreiszeichen leiten sich aus den korrespondierenden Sternbildern ab.

Es muss allerdings beachtet werden, dass die Tierkreiszeichen nach europäischer Definition nicht mit der Position der Sternbilder übereinstimmen. Während z. B. für das Tierkreiszeichen Stier der Datumsbereich 21.04. – 21.05 gilt, gilt für das Sternbild Stier der Datumsbereich 14.05. – 21.06. Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht die Datumsunterschiede:

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Sternbilder+Tierkreiszeichen,linear,2001“ von Alsterblick – own work. Lizenziert unter Bild-frei über Wikipedia

Der Grund für diese Abweichung liegt darin, dass für die westliche Astrologie die Ausrichtung des Tierkreises an den vier Wendepunkten im Jahreskreis erfolgt:

  • Frühlingstagundnachtgleiche
  • Sommersonnenwende
  • Herbsttagundnachtgleiche
  • Wintersonnenwende

Diese Ausrichtung gab diesem Tierkreis seinen Namen: Tropischer Tierkreis. Er wurde vom griechischen τρόποι, trópoi abgeleitet, was „Wendungen, Wendepunkte“ bedeutet. Die Positionen der Tierkreiszeichen am Himmel bleibt immer gleich. Anhand dieser Wendepunkte wird die Ekliptik in 12 fix positionierte, gleich große Abschnitte zu 30° unterteilt, die Tierkreiszeichen. Sie beginnen mit dem Tierkreiszeichen Widder. Dieses ist nach dem gleichnamigen Sternbild benannt. Der Start des Tierkreises im Widder wird auch der Widderpunkt genannt. Er bezeichnet die Frühlingstagundnachgleiche.

Erde,Tierkreis,Guertel2.PNG
Erde,Tierkreis,Guertel2“ von Alsterblick – own work. Lizenziert unter Bild-frei über Wikipedia.

Vor vielen Tausend Jahren entsprach die Position der Tierkreiszeichen ungefähr der Position ihrer korrespondierenden Sternbilder. Die Erde bewegt sich allerdings wie ein Kreisel um die Erde. D.h. die für die Jahreszeiten maßgebliche Erdachse torkelt eine Runde in ca. 25.800 Jahren, ähnlich wie ein Spielzeugkreisel. Einen ausführlichen Artikel darüber finden Sie bei Astronomie.de. Dieses Torkeln wird Präzession genannt. Hierdurch haben sich die tatsächlichen Sternbilder in Bezug auf die feststehenden Positionen der Tierkreiszeichen seit der Antike um ca. 30° verschoben zueinander. Mit einer Geschwindigkeit von 1° in rund 72 Jahren wandert dabei aus Sicht der Erde der Frühlings- oder Widderpunkt im Uhrzeigersinn durch die unterschiedlich großen Sternbilder.

Nehmen wir als Beispiel den 30. April eines Jahres. Die nachfolgende linke Abbildung zeigt die Position der Sonne zum 30. April vor 5.000 Jahren um 12 Uhr mittags. Dort steht die Sonne im Sternbild Stier. Wer also an diesem Tag geboren wurde, wurde sowohl im Sternbild als auch im Tierkreiszeichen Stier geboren. Die rechte Abbildung gibt ihre Position für den 30.04.2014 wieder. Dort steht sie nun im Sternbild Widder. Wurde jemand am 30. April 2014 geboren, so geschah dies demnach im Sternbild Widder und Tierkreiszeichen Stier:

Sollten Sie also nach ihrem Sternbild gefragt werden, so antworten Sie bei einem Geburtsdatum 30. April getrost mit Widder. Etwaige Kommentare wie „Hää“, „Klugscheißer“ o.ä. kontern Sie einfach damit, dass der Fragesteller sowohl die astronomische Definition als auch die sidirische Astrologie außer Acht gelassen hat. Letztere arbeitet mit den sogenannten sidirischen Sternbildern. Das lateinische Wort „sidus“ bedeutet Gestirn. D.h. der sidirische Tierkreis besteht aus den Sterngruppen im Band um die Ekliptik, welche die gemeinhin bekannten Sternbilder darstellen. Somit wandert das Datum dieser Tierkreiszeichen mit den astronomischen Sternbildern mit. Es muss aber beachtet werden, dass sich die Bereichsgrößen am Himmel um die Sternbilder nach IAU Definition von denen der sidirischen Tierkreiszeichen unterscheiden.

 Abschließende Bemerkungen und Fazit

Bei den Sternbildern und Asterismen handelt es sich um die konkreten Sternengruppen, wie sie am Himmel beobachtet werden können. Die IAU hat zu jedem Sternbild einen bestimmten Bereich am Himmel definiert, der zu diesem Sternbild dazugehört. Die Sternengruppen wandern aufgrund der Präzession der Erdachse einmal in ca. 25.000, bis sie ihre ursprüngliche Position am Himmel wieder einnehmen. Wobei „ursprüngliche Position“ falsch ist. Diese Sterne stehen in keinem Verhältnis zueinander. Die Sterne eines Sternbilds können tausende von Lichtjahren auseinanderliegen. Außerdem sind ihre Bewegungen, was Richtung und Geschwindigkeit angeht, völlig unterschiedlich. D.h. nach 25.000 Jahren werden sich einige Sterne sichtbar weiterbewegt haben. Die Formen der Sternbilder, so wie wir sie derzeit kennen, werden dann nicht mehr vorkommen.

Tierkreiszeichen sind Symbole, die bestimmten Himmelsbereichen in einem 20° Bereich um die Ekliptik herum zugeordnet wurden. Sie leiten sich von ihrer Herkunft zwar aus den astronomischen Sternbildern ab. Insbesondere beim tropischen Tierkreis haben sie mit den am Himmel beobachtbaren Sternengruppen nichts zu tun. Aufgrund der Präzession der Erdachse haben sich die Positionen der Tierkreiszeichen von denen der astronomischen Sternbilder um ca 30° entfernt, weil sie sich an den feststehenden Positionen der Wendepunkte im Jahr orientieren. Der  sidirischen Tierkreis orientiert sich an der tatsächlichen Position der astronomischen Sternbilder.

Sternbilder und Asterismen sind Festlegungen der Astronomie, d.h. hier befindet man sich im Gebiet der Naturwissenschaft mit ihrer Methode der Falsifikation. Tierkreiszeichen sind Symbole der Astrologie und damit der Esoterik zuzuordnen. Sollten Sie jemals den Begriff des „seriösen Astrologen“ hören, sollten Sie sich vor Augen führen, dass damit nur jemand gemeint ist, der gut im Zeichnen und der Mathematik ist. Dazu gehört auch eine gute Portion von Menschenkenntnis bzw. Kenntnis der Psychologie. Die von ihm getroffen Aussagen sind weder nachvollziehbar, wiederholbar noch irgendwie eine Form von allgemeingültiger Theorie, die überprüfbar und widerlegbar wäre (Kriterium der Falsifizierbarkeit).

 

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