Herkules – Schwerstarbeiter und tragischer Held

Der Herkules ist das fünftgrößte Sternbild am Himmel. Da nur drei seiner Sterne heller als die 3. Größenklasse sind, ist er allerdings nicht sehr auffällig. Man findet ihn zwischen dem Sternbild der Leier mit dem hellen Stern Wega, der einprägsamen Nördlichen Krone und dem Drachen.

Sternbild Herkules
Sternbild Herkules
Sternbild Herkules Illustration
Sternbild Herkules Illustration

Hier noch eine Abbildung mit den Sternnamen. Einige werden im Verlaufe des Blogartikels noch relevant:

Sternbild Herkules Sternnamen
Sternbild Herkules Sternnamen

Aufgrund seiner Himmelsbewegung kann das Sternbild in unseren Breiten am Besten im Frühsommer beobachtet werden. Es steht dann am höchsten am Himmel.

Herkunft und Mythologie

Der Ursprung dieses Sternbilds ist unklar. Bei den Griechen hieß er anfangs einfach nur „Der Kniende“ (Engonasin). Beim griechischen Dichter ARATOS heißt es, dass dieser von schweren Strapazen erschöpft ist, dass er seine Hände erhoben, ein Knie gebeugt und einen Fuß auf den Kopf des Drachen gesetzt hat

Ein Jahrhundert später schreibt ERASTOSTHENES dieses Sternbild dem Helden Herakles zu. Herakles ist der griechische Ausdruck für Herkules. Er beschreibt die Form des Sternbilds als Triumpf über den Drachen, der die goldenen Äpfel der Hesperiden bewachte (siehe unten). Dem griechischen Tragödiendichter AISCHYLOS zufolge handelt es sich um den im Kampf mit den Lugriern erschöpften und verwundeten Herakles, der niederkniet (auch hier, siehe unten).

Ich gebe hier kurz einen Abriss über die Geschichte von Herakles. Er war der uneheliche Sohn des Gottes Zeus und der Alkmene. Dieser erschien Zeus in Gestalt ihres Gatten Amphitryon. Der Sohn war zuerst unter den Namen Alides, Alkaios oder auch Palaimon bekannt. Den Namen Herakles bekam er erst später.

Die Gattin von Zeus, Hera, war selbstverständlicherweise sehr zornig über den Ehebruch ihres Gatten. Doch dieser wollte Besseres für seinen unehelichen Sohn. Als Hera schlief, legte Zeus den kleinen Herakles an ihre Brust. Er trank ihre Milch und wurde dadurch unsterblich.

Nun konnte Herakles von Hera nicht mehr getötet werden. Sie tat aber alles in ihrer Macht stehende, um diesem sein Leben so schwer wie möglich zu machen. Das ging soweit, dass Hera den Herakles mit einem bösen Zauber belegte. Unter diesem wurde Herakles wahnsinnig und tötete seine eigenen Kinder. Als er wieder zu sich kam, wandthe er sich an das delphische Orakel, um herauszufinden, wie er seine schreckliche Tat sühnen kann. Das Orakel befahl ihm, zwölf Jahre in die Dienste des Eurystheus zu treten. Dieser war seines Zeichens König von Mykene. Vom Orakel erhielt Herakles dann auch seinen Namen, der „Ruhm der Hera“ bedeutete.

In den Diensten von Eurystheus erhielt Herakles seine berühmten 10 Aufgaben, die ihn zum Helden machten. Die Aufgaben löste er mit Ausdauer und Intelligenz:

  • Das Land um die Stadt Nemea von einem Löwen befreien, der die Gegend verwüstete. Dieser Löwe hatte ein Fell, durch das keine Waffen drangen. Aber Herakles besiegte ihn, indem der den Löwen erwürgte. Das Fell trennte er mit den Krallen des Löwen ab und benutzte es als Umhang mit dem aufgerissenen Rachen als Helm. Dieser Löwe ist in dem gleichnamigen Sternbild verewigt.
  • Das vielköpfige Ungeheuer Hydra töten, das in einem Sumpf in der Nähe der Stadt Lerna hauste. Die Hydra war bisher nicht besiegt worden, weil für jeden Kopf, den man ihr abschlug, zwei neue Köpfe nachwuchsen. Herkules besiegte das Untier, indem er seinen Wagenlenker Iolaos anwies, die Halsstümpfe der Hydra auszubrennen, damit keine neuen Köpfte nachwachsen. Zu allem Überfluss wurde Herakles während des Kampfes von einem riesigen Krebs aus dem Sumpf in die Ferse gebissen. Den Krebs zertrat Herakles. Dieser und die Hydra finden sich ebenfalls als Sternbilder am Himmel. Zur Hydra, siehe meinen Blogartikel. Herakles benetzte seine Pfeile mit dem giftigen Blut der Hydra. Wie sich später herausstellte, hätte er dies nicht tun sollen.
  • Fangen der Hirschkuh mit den goldenen Hörnern.
  • Fangen eines wilden Ebers.
  • Ausmisten der Sälle des Königs Augeias von Elis. Herakles versprach Augeias, dies an einem Tag zu erledigen. Er forderte dafür aber ein Zehntel der Viehherden vom König. Natürlich schaffte Herakles dieses Aufgabe. Dafür leitete er zwei Flüsse durch die Ställe. Augeias weigerte sich, der Vereinbarung nachzukommen, weil er sich getäuscht fühlte und verbannte Herakles aus Elis.
  • Vertreibung einer Schar von Vögeln, die plündernd und Federn schießend die Stadt Stymphalos terrorisierten.
  • Fangen des feuerschnaubenden Stiers, der Kreta verwüstete. Dieser Stier wird auch mit dem gleichnamigen Sternbild in Verbindung gebracht.
  • Raub der fleischfressenden Stuten des Königs Diomedes von Thrakien.
  • Raub des Gürtels der Hippolyte, der Königin der Amazonen.
  • Stehlen des Viehs von Geryon, dem Herrscher über die Insel Erytheia. Geryon war ein Ungeheuer mit drei Leibern. Um zur Insel zu gelangen, musste Herakles durch die Meerenge Gibraltar. An deren beiden Seiten stellte er die sogenannten Säulen des Herkules auf. Herakles tötete Geryon mit einem Pfeil, den er von der Seite gleichzeitig durch die drei Leiber schoss. Er trieb dann die Viehherde nach Griechenland. Der Rückweg führte ihn durch Ligurien in Südfrankreich. Dort wurde er von einer Übermacht attackiert, so dass ihm die Pfeile ausgingen. Herakles sank auf die Knie und betete zu seinem Vater Zeus. Dieser ließ Felden auf die Ebene niederregnen. Herakles schleuderte diese Felsen auf seine Gegner und vernichtete sie dabei. Es ist wohl dieses Ereignis, dass AISCHYLOS zufolge dem Sternbild Engonasin (später Herkules) zugrunde liegt.

Wie es der Mythos so will, weigerte sich der König Eurystheus nach Herkules’ Rückkehr, diesen aus seinen Diensten zu entlassen. Als Begründung gab er an, dass Herkules Hilfe beim Kampf gegen die Hydra hatte und dass er für die Reinigung des Augias-Stalls Bezahlung gefordert hatte. Also stellte Euystheus Herakles zwei weitere Aufgaben von immenser Schwierigkeit:

  • Stehlen der goldenen Äpfel vom Garten der Hera an den Hängen des Atlas. Die Äpfel waren ein Hochzeitsgeschenk von Mutter Erde (Gaia) an Hera, als sie Zeus heiratete. Die Äpfel wurden vom Drachen Ladon bewacht, der sich um den Baum ringelte. Herakles tötete Ladon per Pfeil und Bogen, erntete die Äpfel aufgrund eines Tipps, den er erhalten hatte, aber nicht selbst. Er bat Atlas, sie für ihn zu holen, während er selbst vorübergehend den Himmel stützte. Dieses Ereignis liegt übrigens der obigen Illustration zugrunde. Ich habe sie dem Programm „Starry Night Pro Plus 7“ entnommen.
  • Herausholen des Höllenhundes Kerberos aus der Unterwelt. Kerberos hatte den Schwanz eines Drachen. Auf seinem Rücken ringelten sich Schlangen. Durch das Löwenfell geschützt, bezwang Herakles den Höllenhund und brachte ihn zu Eurystheus. Dieser entlies endlich Herakles aus seinen Diensten.

Danach heiratete Herakles Deianeirea, die Tochter des Königs Oineos. Hier nahm das Unheil dann seinen Lauf. Auf ihrer gemeinsamen Fahrt kamen Herakles und Deianeira an dem Fluss Euenos. Hier arbeitete der Kentaur Nessos als Fährmann. Herakles schwamm über den Fluss und ließ seine Frau vom Kentaur übersetzen. Dieser aber versuchte Deianeira zu vergewaltigen. Herakles erschoss diesen mit seinen vom Blut der Hydra vergifteten Pfeilen.

Der sterbende Kentauer bot Deianeira etwas von seinem Blut an, welches angeblich als Liebeszauber wirken sollte. Naiv wie sie war, nahm Deianeira das Blut an und bewahrte es auf. Eines Tages hatte sie den Verdacht, das Herakles sich einer anderen Frau zuwenden wollte. Um seine Zuneigung wiederzugewinnen, gab sie Herakles ein Hemd, welches sie mit dem Blut des sterbenden Nessos bestrichen hatte. Herakles zog es an und mit der Erwärmung des Bluts begann das Gift der Hydra zu wirken. Es zerfraß sein Fleisch bis auf die Knochen.Herakles litt Todespain. Weil er wusste, dass ihn nichts von den Schmerzen erlösen konnte, errichtete er auf dem Gipfel des Berges Oita einen Scheiterhaufen, breitete sein Löwenfell darüber und legte sich darauf. Die Flammen verzehrten sein sterbliche Hülle und sein unsterblicher Teil stieg zu den Göttern am Olymp auf. Sein Vater Zeus verwandelte ihn in das gleichnamige Sternbild.

Literatur:
Ian Ridpath, Die großen Sternbilder, 88 Konstellationen und ihre Geschichten, S. 94 ff.

Das Ende von Herakles’ irdischem Leben leben wird am vollständigsten von Apollodoros 2,5,11,1 – 2,8,5,6, „Die Sagen um Herakles nach der Erfüllung seiner zwölf Arbeiten“ zusammengefasst. Den folgenden Text habe ich von gottwein.de entnommen

(2,156) Jetzt kam er nach Trachis zurück und sammelte ein Heer gegen Oichalia, um sich an Eurytos zu rächen. Mit ihm zogen auch Arkader und Melier von Trachis, und epiknemidische Lokrer. Er tötete den Eurytos mit seinem Söhnen und nahm die Stadt ein. Er begrub die Gefallenen seines Bundesheeres, den Hippasos, den Sohn des Keyx, den Argeios und Melas, die Söhne des Likymnios. Er plünderte die Stadt und führte Iole als Gefangene mit sich fort.

(2,157) Bei Kenaion auf Euboia landete er und errichtete auf einem Vorgebirge dem Kenaiischen Zeus einen Altar. Weil er opfern wollte, schickte er Lichas nach Trachis, um sich dort ein weißes Kleid holen zu lassen. Von diesem erfuhr Deianeira, was mit Iole vorgegangen war. Aus Sorge, er könne diese mehr lieben, und in der Überzeugung, das vergossene Blut des Nessos sei wirklich ein Liebesmittel, bestrich sie mit ihm das Kleid.

(2,158) Herakles zog es an und opferte. Als nun das Kleid warm wurde und dadurch das Gift der Hydra die Haut faulen ließ, hob er zuerst den Lichas an beiden Füßen in die Höhe und schleuderte ihn ins Meer. Dann riss er das Kleid herunter, das ihm schon wie angewachsen am Leib klebte, so dass ihm Stücke Fleisch mit abgerissen wurden. Von solchem Missgeschick ergriffen ließe er sich zu Schiff nach Trachis bringen.

(2,159) Deianeira erhängte sich selbst, als sie merkte, was passiert war. Herakles aber gab Hyllos, seinem ältesten Sohn von Deianeira, den Befehl, Iole zu heiraten, sobald zum Mann gereift sei. Dann begab er sich auf den Berg Oita (der zum trachinischen Gebiet gehrt), errichtete dort einen Scheiterhaufen bestieg ihn und befahl, ihn von unten her anzuzünden

(2,160) Weil dies niemand machen wollte, zündete ihn Poias an, der auf der Suche nach seinen verlorenen Schafen gerade vorbeikam. Diesem schenkte Herakles dann auch seine Pfeile. Als der Holzstoß brannte, nahm ihn, wie die Sage erzählt, eine Wolke auf und trug ihn unter Donnerschlägen zum Himmel empor. Von da an erlangte er die Unsterblichkeit. Er versöhnte sich mit Hera und heiratete deren Tochter Hebe, die ihm die Söhne Alexiares und Aniketos gebar.

Das Sternbild

Der Herkules enthält zwei interessante Kugelsternhaufen, die bereits mit einem Fernglas beobachtet werden können. In Richtung Herkules befindet sich der Apex unseres Sonnensystems. Die Sonne mit ihren Planeten bewegt sich, relativ zu ihren Nachbarsternen, mit 20 km/s auf diesen „Zielpunkt“ zu.

Highlights für die Hobby- und Amateurastronomen im Sternbild.

Doppelsterne:

  • Ras Algethi (Alpha Herculis) ist der dritthellste Stern im Herkules und ist 430 Lichtjahre von der Erde entfernt. Der Hauptstern ist ein Roter Riese der Spektralklasse M5, mit dem 500fachen Durchmesser und der 830fachen Leuchtkraft unserer Sonne. Das Doppelsternsystem kann bereits in kleineren Teleskop getrennt werden. Sie zeigen einen sehr schönen Farbkontrast mit dem orangeroten Hauptstern und dem grünlichen Begleitstern. Der Name Ras Algethi ist arabischen Ursprungs und bedeutet so viel wie „der Kopf des Knienden
  • Kappa Herculis
  • 95 Herculis
  • 100 Herculis
  • Rho Herculis

Messier Objekte:

  • M13 ist ein Kugelsternhaufen, der auch als Herkuleshaufen bekannt ist. Er ist ein Paradeobjekt für die Himmelsbeobachtung. Bereits in einem Prismenfernglas erscheint er als nebliges Fleckchen. Im Teleskop kann er in Einzelsterne aufgelöst werden. Insgesamt ist er einer der beeindruckensten Kugelsternhaufen am Himmel.
  • M92 ist ebenfalls ein Kugelsternhaufen. Er ist zwar nicht so beeindruckend wie M13, aber immerhin doch beobachtenswert.
  • NGC 6210 ist ein planetarer Nebel. Im Fernglas wirkt er wie ein Stern. Erst ab einem 12 Zoll Teleskop werden ein kleines Scheibchen mit Zentralstern sichtbar.

Abschließend noch der Hinweis auf ein Asterism (siehe meinen Blogartikel „Von Sternbildern, Tierkreiszeichen und Asterismen“). Beim Stern Ras Algethi findet sich das Asterism „Sudor Ophiuchi. Es wird im Band „Deep-Sky Wonders, A Tour of the Universe, Sue French, Seite 166“ beschrieben. Es hat einerseits die Form eines Integrals. Im südlichen Teil des Asterism findet sich der Doppelstern Sigma I 33 mit einer weißen und einer goldenen Komponente. Der nördliche Abschluss des Asterism bildet ein Kasten, ähnlich wie beim kleinen / großen Wagen.

Asterism Sudor Ophiuchi
Asterism Sudor Ophiuchi

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