Die Waage – Sinnbild für Gerechtigkeit und die Prüfung für das Paradies

Heute möchte ich im Rahmen der Artikelserie zu den Sternbildern auf die Waage eingehen. Die Waage gehört zu den Tierkreiszeichen – siehe Abgrenzung zwischen Tierkreiszeichen und Sternbildern in meinem Blogartikel „Von Sternbildern, Tierkreiszeichen und Asterism“ – und hat daher schon aus diesem Grund seine Wurzeln in der Antike. Das Besondere an Sternbild Waage ist, dass als Tierkreiszeichen das einzige unbelebte Objekt im Tierkreis darstellt. Die übrigen elf Tierkreiszeichen stellen Tiere oder Menschen dar.

Die Waage ist nur für kurze Zeit im Jahr am nächtlichen Sternenhimmel zu sehen. Daher bietet sich ein Blogartikel zum Zeitpunkt ihrer besten Sichtbarkeit im Juni an.

Die nachfolgenden Bilder zeigen die Waage am Sternenhimmel zwischen Skorpion und Jungfrau. Unter Herkunft und Mythologie wird erläutert, was die Waage mit diesen beiden Sternbildern zu tun hat.

Herkunft und Mythologie

Der Ursprung für die Benennung dieses Sternbildes ist unklar. Dieser Bereich soll schon 2.000 Jahre v. Chr. bei den Sumerern Zib-Ba Anna, die Waage des Himmels geheißen haben. Es wird angenommen, dass die Figure der Waage deshalb gewählt wurde, weil die Sonne vor 4000 Jahren zur Zeit der Tagundnachtgleichen dort stand, vielleicht aber auch, weil zu dieser Zeit des Jahres die Steuern eingetrieben wurden. Die Steuereintreiber wogen die fälligen Getreidemengen mit Balkenwaagen ab.

Bei den Babyloniern und antiken Griechen wurden die Sterne des heutigen Sternbilds Waage dagegen dem Skorpion zugerechnet und stellten dessen Scheren dar. Aus diesem Grund hieß die Konstellation bei den Griechen „Chelai“ (die Klauen). Auch die arabischen Astronomen sahen in dem Sternbild einen Teil des Skorpions. Der Stern Zubeneschamali gehörte zur nördlichen Schere während Zubenelgenubi der südlichen Schere des Skorpions zugeordnet wurde.

Nach heutigem Kenntnisstand übernahmen noch vor den Griechen die Ägypter den Tierkreis aus dem mesopotanischen Raum. Verbürgt ist die Benennung des Sternbilds Waage in den Tierkreisen von Dendera aus dem Jahre 51 vor Christus.
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Dendera“. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

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Das Tierkreiszeichen der Waage wird in demotischen Texten als „Horizont“ bezeichnet. Als Begründung dafür wird die Tatsachen angesehen, dass zu dem Zeitpunkt des Bekanntwerdens des Tierkreiszeichens in Ägypten der Frühjahrspunkt der Sonne in diesem Himmelsbereich lag. Da der Frühjahrspunkt aufgrund der Präzession der Erde langsam durch den Tierkreis wandert, wird daraus das dritte Jahrhundert v. Chr. als Zeitraum für die Einführung des Tierkreises in Ägypten angesehen.

Gemäß der ägyptischen Mythologie wurde die kosmische Waage von dem ägyptischen Gott Anubis eingesetzt, indem er in eine der Waagschalen das Herz eines kürzlich Verstorbenen legte und in die andere eine Pfauenfeder. Aus dem Messvorgang ergab sich, ob das Herz die Prüfung bestand und der Verstorbene in ein höhere Lebensstufe aufgenommen werden konnte.

Heute wird davon ausgegangen, dass das ägyptische-astrologische Konzept mit seinen Begriffen die Grundlage für die hellenistische Astrologie ist. Wie schon oben gesagt, waren die Sterne der Waage dort lange Zeit Bestandteil des Skorpions. Im 1. Jahrhundert vor Christus wurden die Sterne vom Skorpion „abgetrennt“ und als eigenes Sternbild (die Waage) betrachtet.

Belegt ist, dass der Himmelsbereich bei den Römern als Waage bezeichnet wurde. Sie belebten das Sternbild wahrscheinlich aber nur wieder von den Sumerern bzw. Ägyptern. Für die Römer war das Sternbild etwas Besonderes, denn der Mond soll bei der Gründung Roms in diesem Tierkreiszeichen gestanden haben. Der Text vom römischen Schriftsteller Manilius lautet:

Italien gehört zur Waage, ihrem rechtmäßigen Zeichen. Unter ihm wurden Rom und seiner Oberherrschaft über die Welt begründet.

Die Römer verehrten eine Göttin mit Namen Astraea oder Justitia. Es war die Göttin der Gerechtigkeit. Bis heute gilt die Waage als Symbol des Ausgleichs. So wird Justitia noch heute dargestellt mit verbundenen Augen, in der Hand eine Waage. Sie soll unbeeinflusst von der Person nur nach den verschiedenen Argumenten, die auf je eine Waagschale gelegt werden, entscheiden.

Die Göttin Astreae (Astraia) ist eine Gestalt sowohl der griechischen als auch römischen Mythologie. Sie wird auch mit dem Sternbild der Jungfrau in Verbindung gebracht. Vermutlich lässt sich daraus auch die Nähe der Sternbilder Waage und Jungfrau am Himmel ableiten. Näheres dazu in einem weiteren Blogartikel.

Literatur:
Ian Ridpath, Die großen Sternbilder, 88 Konstellationen und ihre Geschichten, S. 108 ff.

Friedhelm Hoffmann, Ägypten, Kultur und Lebenswelt in griechisch-römischer Zeit, Eine Darstellung nach den demotischen Quellen, Berlin 2000, S. 121

Wikipedia: Astronomie im Alten Ägypten, Einführung des Babylonischen Zodiaks (Stand 09.06.15)

Wikipedia: Tierkreise von Dendera (Stand 09.06.15)

Das Sternbild

Wie schon am Anfang dieses Artikel dargestellt, ist die Waage nur die kurze Zeit im Frühjahr zu sehen. Dies ist in folgender Simulation mit demm Astronomieprogramm Starry Night Pro Plus 7 zu sehen:

Das Sternbild recht unscheinbar und enthält für den Amateur- bzw. Hobbyastronomen im Gegensatz zu anderen Sternbildern wenig Highlights.

Doppelsterne:

  • Alpha Librae (Zubenelgenubi) ist ein Doppelsternsystem in 77 Lichtjahren Entfernung. Aufgrund des weiten Winkelabstandes von 231 Bogensekunden können sie bereits mit einem Prismenfernglas beobachtet werden. Das System liegt fast genau auf der Ekliptik, daher wird es regelmäßig vom Mond bedeckt.
  • Das Doppelsternsystem Iota Librae ist etwa 250 Lichtjahre entfernt. Zur Beobachtung benötigt man ein Teleskop ab 6 cm Öffnung.
  • Die Komponenten von Mu Librae sind weiße Sterne, die aussehen wie zwei in Kontakt stehende Scheiben. Bei guten Sichtbedingungen man man sie voneinander getrennt sehen.

Ansonsten ist nur ein Sternhaufen im Sternbild erwähnenswert:

  • Der Kugelsternhaufen NGC 5897 ist ca. 40.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Er ist recht locker aufgebaut, d.h. auch sein Zentrum weist eine geringe Sterndichte auf. Lt Sue French, Deep-Sky Wonders, Firefly Books Ltd. 2011, Seite 149 f. bietet der Sternhaufen eine ab einer 112-fachen Vergrößerung einen schönen Anblick. Eine Karte als Aufsuchhilfe bietet übrigens die kostenlos angebotene Seite 57 aus dem Sky & Teleskope’s Pocket Sky Atlas.

Mehr bietet das Sternbild hinsichtlich Begegnungen mit dem Mond und den Planeten. Das liegt daran, dass die Waage als Mitglied des Tierkreises auf der Ekliptik liegt. Vom 27. Juni bis 29. Juni 2015 zieht z.B. der Mond durch das Sternbild, nahe am Saturn vorbei, der sich derzeit auch im Himmelsbereich der Waage aufhält:

Ein Gedanke zu “Die Waage – Sinnbild für Gerechtigkeit und die Prüfung für das Paradies

  1. Eckehart Herklotz

    Sehr interessant und lesens- bzw. anschaungswert. Man beschäftigt sich ja sonst nicht mit diesen Themen.

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