Astronomie ohne Teleskop: April 2018

In dieser Blogartikelserie gebe ich eine Vorschau von astronomischen Ereignissen und Konstellationen, die ohne Teleskop betrachtet werden können. D.h. es werden nur das bloße Auge oder ein Fernglas benötigt.

Bitte beachten: die Zeiten werden in mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) angegeben.

Verlinkung innerhalb dieser Serie:

Sonnenaufgang und -untergang, Mondsichtbarkeiten

Die Sonnenaufgangs- und untergangszeiten sind für Berlin:

  • 01.04.18: Aufgang: 06:41, Untergang: 19:40
  • 16.04.18: Aufgang: 06:06, Untergang: 20:06
  • 30.04.18: Aufgang: 05:37, Untergang: 20:31

Die folgende Tabelle der Monddaten wurde mit calsky.com erstellt. Sie gelten für Berlin:

Mondphasen im April 2018 Mondphasen im April 2018

Der Sternenhimmel im April 2018

Sternhimmel am 15.04.18, 23 Uhr

 

Sternhimmel am 15.04.18, 4 Uhr morgens

Die erste Abbildung zeigt den Sternenhimmel am 15. April um 23 Uhr. Die zweite Abbildung stellt den Morgen des gleichen Tages um 4 Uhr morgens dar. Beide sind auf den Standort Berlin ausgerichtet. Die nachfolgenden Erläuterungen beziehen sich auf den Nachthimmel der ersten Abbildung.

Die Konstellation des Frühlingsdreiecks steht gegen Mitternacht optimal sichtbar im Meridian. Es setzt sich aus den hellen Sternen folgender Sternbilder zusammen zusammen:

  • Regulus (Sternbild Löwe)
  • Spika / Spica (Sternbild Jungfrau)
  • Arktur / Arcturus (Sternbild Bootes)

Neu auftauchende Sternbilder

Die Sternbilder Schwan (Cygnus), Schlangenträger (Ophiuchus) und Waage (Libra) werden in den Nächten des April vollständig sichtbar.

Wesentliche am Himmel stehende Sternbilder und Konstellationen

Das Sternbild Andromeda erreicht bald ihren tiefsten Stand im nördlichen Himmelsbereich. Da sich das Sternbild Walfisch (Cetus) komplett unter dem Horizont befindet, steht stehen die Protagonisten der Perseus-Sage nur unvollständig am nächtlichen Himmel, nämlich Kepheus, Kassiopeia und Perseus. Informationen zur Sage habe ich in einer vierteiligen Blogartikelserie aufbereitet.

Das weitläufige Sternbild Hydra kann jetzt gegen Mitternacht vollständig über dem Horizont beobachtet werden. Aufgrund der Horizontnähe und der Lichtverschmutzung in den Städten ist dies allerdings recht schwer, wie mein Blogartikel „Die Hydra – besiegt von Herakles und der Lichtverschmutzung“ beschreibt.

Weitere sichtbare Sternbilder, über deren mythologischen Hintergrund ich geschrieben habe, sind:

Außerdem stehen die Sternbilder Rabe (Corvus), Becher (Crater), Einhorn (Monoceros), Kleiner Löwe (Leo Minor), Giraffe (Camelopardais) und Bärenhüter (Bootes) weiterhin gut sichtbar am Nachthimmel. Das Sternbild Zwillinge (Gemini) verlagert sich in die früheren Nachstunden.

Natürlich muss man die Lichtverschmutzung in Betracht ziehen, so z.B. beim Krebs. Dieses Sternbild ist sowieso schon unauffällig, weil sich in ihm keine hellen Sterne befinden. In Gegenden mit Licht- und Luftverschmutzung ist der Krebs nicht (vollständig) zu sehen.

Der Drache ist ein weiteres Sternbild, welches i.d.R. nicht auf den ersten Blick erkannt wird. Es nimmt zwar einen großen Himmelsbereich ein, wird aber von seinen prominenten Nachbarn wie der Großen Bärin, dem Kleinen Bären und dem Schwan dominiert. Horizontnahe Sternbilder Rabe (Corvus) und Becher (Crater) gehen bei Lichtverschmutzung so gut wie komplett unter.

Der Bärenhüter (Bootes) umfasst den sehr markanten Stern Arktur. Dieser ist der hellste Stern am Nordhimmel und der dritthellste Stern insgesamt.

Sich verabschiedende Sternbilder

Die sich vom Nachthimmel verabschiedenden Sternbilder der Stier (Taurus), der Orion und das Einhorn.

Asterismen

In der Abbildung des Sternhimmels oben habe ich neben dem Frühlingsdreieck weitere Asterismen in Gelb eingezeichnet. Als Asterismen werden diejenigen Sternkonstellationen bezeichnet, die ein Bild oder eine Bedeutung zugeordnet wurde, welche aber nicht offiziell von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) definiert wurden. Näheres dazu ist in meinem Blogartikel „Von Sternbildern, Tierkreiszeichen und Asterismen“ beschrieben:

  • Der Schöpflöffel (Big Dipper) dürfte der bekannteste Asterismus sein. Der ist quasi ein Teilausschnitt des Asterismus „Großer Wagen“ bzw. des Sternbilds „Große Bärin“. Diese Konstellation ist im englischen Sprachraum bekannt. Aber auch in China ist der große Wagen als „Nördlicher Schöpflöffel“ bekannt.
  • Der Kleine Wagen (Little Dipper) ist die kleinere Version des Schöpflöffels bzw. Großen Wagens.
  • Der Kopf und Hals des Sternbild „Löwe“ wird auch als Asterismus Sichel angesehen.
  • Das offizielle Sternbild Kassiopeia kann zu Kassiopeias Stuhl vervollständigt werden. Das passt  zum mythologischen Hintergrund dieser Figur. Denn Poseidon bestrafte die Eitelkeit der Kassiopeia, nachdem Perseus ihm die ursprüngliche Strafe vereitelt hatte, die Tochter Andromeda vom Meerungeheuer fressen zu lassen.  Kassiopeia muss im Himmel kopfüber auf ihrem Stuhl / Thron sitzen, was im Altertum als generell als Gottestrafe angesehen wurde.
  • Das Sternbild Bootes sieht aus wie ein großer Papierdrachen (Kite), den Kinder bei Wind steigen lassen.
  • Im Sternbild Herkules findet sich der Asterismus Schmetterling (Butterfly).
  • Das Sternbild Jungfrau beinhaltet den Asterismus Diamant.
  • Die Sichel (Sickle) bildet des Kopf und Hals vom Sternbild des Löwen.

Der folgende Film zeigt den Verlauf des Sternenhimmels im Februar jeweils zu Mitternacht:

Planeten

Die Positionen der Planeten im Sonnensystem am 15.04.18 sind wie folgt:

Die Stellung der inneren Planeten am 15.04.18

 

Die Stellung der äußeren Planeten am 15.04.18

Morgens

Am 29.04.18 durchläuft der Merkur mit 27° Winkelabstand zur Sonne die größte Elongation des Jahres. Wenn überhaupt kann er höchsten morgens kurz vor dem Sonnenaufgang (mit dem Fernglas) beobachtet werden. Seine Auf- und Untergangszeiten für Berlin sind:

  • 01.04.18: Aufgang: 06:22, Untergang: 19:49
  • 16.04.18: Aufgang: 05:36, Untergang: 17:55
  • 30.04.18: Aufgang: 05:08, Untergang: 17:42

Der Mars geht weiterhin erst weit nach Mitternacht auf. Im Monatsverlauf geht er nur sehr zögerlich früher auf. Die Auf- und Untergangszeiten des Mars für Berlin sind:

  • 01.04.18: Aufgang: 03:16, Untergang: 10:49
  • 11.04.18: Aufgang: 02:59, Untergang: 10:34
  • 30.04.18: Aufgang: 02:21, Untergang: 10:06

Der Saturn geht weiterhin erst nach Mitternacht auf. Er bleibt allerdings recht niedrig über dem Horizont und ist daher ein wenig attraktives Beobachtungsobjekt . Die Auf- und Untergangszeiten des Saturn für Berlin sind:

  • 01.04.18: Aufgang: 03:10, Untergang: 11:01
  • 11.04.18: Aufgang: 02:31, Untergang: 10:23
  • 30.04.18: Aufgang: 01:16, Untergang: 09:08

Abends

Die Venus baut im April 2018 ihre Stelle als Abendstern aus. Sie wird damit bis zum Monatsende zum gut sichtbaren Begleiter der ersten Nachthälfte. Die Auf- und Untergangszeiten der Venus für Berlin sind:

  • 01.04.18: Aufgang: 07:19, Untergang: 21:31
  • 16.04.18: Aufgang: 06:53, Untergang: 22:21
  • 30.04.18: Aufgang: 06:38, Untergang: 23:06

Der Jupiter geht jetzt schon vor Mitternacht auf und wird Ende April schon nach den ersten Abendstunden sichtbar sein. Der Riesenplanet steht prominent im Sternbild Waage. Seine Auf- und Untergangszeiten für Berlin sind:

  • 01.04.18: Aufgang: 23:19, Untergang: 08:18
  • 11.04.18: Aufgang: 22:35, Untergang: 07:37
  • 30.04.18: Aufgang: 21:09, Untergang: 06:17

Spezielle Ereignisse

02.04.18 – Mars nahe Saturn und M22

Am Morgen des Ostermontag bietet sich Frühaufstehern ein Leckerbissen: der Mars zieht eng am Saturn vorbei. Die folgende Abbildung zeigt die Positionen um 5 Uhr in der Frühe:

Mars steht eng beim Saturn – 02.04.18, 5 Uhr

Doch damit nicht genug. Im Fernglas zeigt sich das Planetenduo nahe beim Kugelsternhaufen M22. Wie enge diese Konstellation beinander steht, zeigt sich im folgenden Bild. Dort ist ein teleskopisches Sichtfeld mit ca. 35-facher Vergrößerung eingezeichnet:

Mars und Saturn eng beieinander am Kugelsternhaufen M22

03.04.18 bis 04.04.18 am Morgen – Mond zieht am Jupiter im Sternbild Waage vorbei

Dies ist keine enge Begegnung wie zwischen Mars und Saturn. Sie wird dennoch schön anzuschauen sein, insbesondere da beide Himmelkörper vom Sternbild Waage eingerahmt werden:

Mond bei Venus, 03.04.18, 5 Uhr

Mond beim Jupiter, 03.04.18, 5 Uhr

 

Mond bei Venus, 04.04.18, 5 Uhr

Mond beim Jupiter, 04.04.18, 5 Uhr

07.04.18 bis 08.04.18 am Morgen – Mond nahe Saturn und Mars

Nun ist der Mond bei der noch recht nah beieinander stehenden Planetenkonstellation des Mars und Saturn angekommen. Es könnte allerdings schwierig werden, die drei Objekte zusammen mit dem Fernglas zu erfassen:

Mond bei Mars und Saturn, 07.04.18, 5 Uhr

Mond bei Mars und Saturn, 07.04.18, 5 Uhr

 

Mond bei Mars und Saturn, 08.04.18, 5 Uhr

Mond bei Mars und Saturn, 08.04.18, 5 Uhr

13.04.18, ab 05:10 Uhr – Letzte Morgensichtbarkeit der abnehmenden Mondsichel

An diesem Morgen ist die schmale Mondsichel das letzte Mal vor dem Neumond sichtbar. Hierfür muss aber ein kurzer Zeitraum kurz vor Sonnenaufgang abgepasst werden. Außerdem dürfte die Sichel eher nur mit dem Fernglas zu erkennen sein:

Schmale Mondsichel am 13.03.18, 6 Uhr

16.04.18, 03:57 Uhr – Neumond

Am 16. April um 03:57 Uhr tritt exakt der Neumond ein. Die Sonnen- und Mondstellung ist wie folgt:

Neumond, 16.04.18, 3:57 Uhr

17.04.18, ab 20:20 Uhr – Erste Abendsichtbarkeit der zunehmenden Mondsichel nach dem Neumond und Mond nahe Venus

Am Abend des 17. April besteht die Möglichkeit, zum ersten Mal die Mondsichel nach dem Neumond zu erblicken. Die Sichel ist allerdings noch extrem schmal. Der Mond hat heute genügend Abstand zur Sonne, welche gegen 20:20 Uhr auch tief genug unter dem Horizont steht:

Mondsichel, 17.04.18, 20:20 Uhr

Wie vorstehend schön zu sehen ist, gesellt sich die Venus zur schmalen Mondsichel. Bei nicht zu hoher Vergrößerung können Mond und Venus gemeinsam durch das Fernglas erfasst werden:

Schmale Mondsichel bei Venus, 17.04.18, 20:20 Uhr

Übrigens: Die Suche nach der ersten sichtbaren Mondsichel nach Neumond ist nicht nur von rein ästhetischem Interesse. Sie spielt in etlichen Kulturen eine wesentliche Rolle bei der Bestimmung des Kalenders, siehe z.B. hier.

19.04.18 – Mond nahe Aldebaran im Sternbild Stier

Die heutige Bedeckung des Sterns Aldebaran durch den Mond ist in Deutschland nicht beobachtbar. Abends sehen wir die Mondsichel dann nur noch im Sternbild Stier in der Nähe des Aldebaran:

Mondsichel in der Nähe des Aldebaran, 19.04.18 um 21 Uhr

19.04.18 – Sonne tritt in das Sternbild Widder ein

Dieses Ereignis ist zwar nicht so richtig beobachtbar, da der Widder derzeit nicht am Nachthimmel zu beobachten ist. Ich möchte es dennoch hier gerne erwähnen, insbesondere da meine Antwort auf die Frage „In welchem Sternbild bist Du geboren?“ die Leute doch ziemlich verwirrt 🙂 Bei Ende April denken viele an den Stier. Doch diese Antwort ist nur korrekt in Bezug auf Sternzeichen bzw. Tierkreiszeichen. Näheres zur Unterscheidung dieser Begriffe ist in meinem schon oben erwähnten Blogartikel „Von Sternbildern, Tierkreiszeichen und Asterismen“ dargelegt.

Sonne im Sternbild Widder am 19.04.18, 2 Uhr.

Die Sonne betritt das Sternbild Widder im April 2018

24.04.18 – Mond nahe Regulus im Sternbild des Löwen

Der Mond touchiert einen der drei Sterne des Frühlingsdreieck. Es ist der hellste Stern im Sternbild Löwe, Regulus. Schon um 21 Uhr kurz nach Sonnenuntergang stehen beide gut sichtbar in südlicher Richtung am Himmel. Um 22:53 erreicht die Mondsichel den geringsten Abstand zum Regulus:

Mond eng bei Regulus, 24.04.18, 22:53 Uhr

Beide Himmelskörper sind dann auch im Teleskop gemeinsam zu sehen, wenn die Vergrößerung nicht zu hoch ist. In der folgenden Abbildung gibt der Kreis „Celestron NexStar 8 SE, 36 mm Baader Hyperion“ das Sichtfeld bei einem Okular mit ca. 56-fachen Vergrößerung an:

Mond eng bei Regulus, 24.04.18, 22:53 Uhr

25.04.18 – 27.04.18 – Venus zwischen den Hyaden und Plejaden

In den Tagen vom 25.04.18 bis 28.04.18 läuft die Venus den Sternhaufen der Hyaden und Plejaden im Sternbild Stier hindurch:

Venus zwischen den Plejaden und Hyaden im April 2018

Nachts 26.04.18 zum 27.04.18, 22:30 bis 05:00 Uhr – Goldener Henkel

In der Nacht vom 26. zum 27. April ist die Lichterscheinung „Goldener Henkel“ nachmittags und am frühen Abend mit dem Fernglas auf dem Mond zu beobachten. Hierbei sind die Juraberge bereits beleuchtet, während Sinus Iridum noch im Schatten liegt.

Die beste Zeit für die Beobachtung ist kurz nach Mitternacht am 27.04., 0:30 Uhr:

Mond am 27.04.18, 0:30 Uhr

30.04.18, 02:58 – Vollmond nahe Jupiter

Der Vollmond findet am letzten Tag des April am frühen Morgen statt:

3 Gedanken zu “Astronomie ohne Teleskop: April 2018

  1. Alles höchstinteressant, aber: um alle diese wunderbaren Ereignisse genießen zu können müßte ich tags schlafen, nachts wachen (falls das Wetter günstig ist) und dazu eine kleine Wanderung in ein weniger lichtverschmutztes Areal unternehmen. Ob das der Gesundheit zuträglich ist?
    Trotzdem Dank für die fleißige, gründliche Rechersche, auch im Namen derer, die sich an dieser Stelle leider nicht äußern.
    Eckehart Herklotz

  2. Sehr interessant und spannend. Vor allem auch die Links auf die Mythologie. Da habe ich auch viel davon und es macht mir Freude, das zu lesen. Danke.

  3. Vor wenigen Tagen sah ich zum ersten mal auf meinem Vor-Frühstücks-Walk um den Block (immer so gegen 05:40 Uhr) erstmals am wolkenlosen Himmel 2 sehr helle „Sterne“ nicht allzu weit über dem Süd-Horitzont. Dank der Lektüre dieses Blogs wusste ich sofort: Mars & Saturn!

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