Die Trophäen des Herakles – Teil 2: Sternbild Krebs (Cancer)

Dies ist der zweite Teil meiner Sternbild-Serie „Die Trophäen des Herakles“. Darin gehe ich auf mythologische Figuren der griechischen Antike ein, die schlechte Erfahrungen mit dem griechischen Helden Herakles (Herkules) gemacht haben.

Wir erinnern uns: Herakles musste eine Reihe von Aufgaben bestehen und reiste dafür in der (damals in Griechenland bekannten) Welt herum. Siehe dazu meinen Blogartikel „Herkules – Schwerstarbeiter und tragischer Held“. Dazu musste er zwölf Aufgaben erfüllen, in deren Verlauf er etliche Tiere und Monster besiegen musste. Einige davon finden sich als Sternbild wieder und werden in dieser Serie behandelt:

  • Hydra bzw. Wasserschlange
  • Krebs (dieser Blogartikel)
  • Löwe (Artikel noch nicht erschienen)
  • Drache (Artikel noch nicht erschienen)

Des weiteren werden die Stymphalischen Vögel von Herkules besiegt. Diese sind allerdings heute kein offizielles Sternbild. Die sie betreffenden Sterne finden sich im Adler, dem Schwan und der Leier. Siehe dazu meinen Blogartikel „Sternbilder Adler, Schwan und Leier: 2 Vögel, 1 Musikinstrument und diverse Todesfälle

Einleitung und Position am Sternenhimmel

Das Sternbild Krebs ist ein recht unauffälliges Sternbild. Der hellste Stern hat gerade mal die 3. Größenklasse. In einer Stadt mit hoher Lichtverschmutzung kann das Finden aller Sterne zu einer Herausforderung werden. Der Krebs befindet sich zwischen den gut sichtbaren Sternbildern Löwe und Zwillinge:

Sternbild Krebs
Sternbild Krebs
Sternbild Krebs - Illustration
Sternbild Krebs – Illustration

Das Sternbild Krebs im Jahresverlauf am Himmel:

Herkunft und Mythologie des Sternbilds Kreb

Der Krebs taucht als Nebenfigur in mehreren griechischen Sagen und Dichtungen auf. In seiner bekanntesten Geschichte taucht er in der Sage des Herakles auf. Dieser musste in einer seiner zwölf Aufgaben gegen die vielköpfige Hydra antreten. Hier die Erzählung aus dem Werke Apollodorus, Bibliothek, Buch 2, 77-80:

77 Als zweite Arbeit bekam Herakles den Auftrag, die Lernaiïsche Hydra (Wasserschlange) zu töten. Diese war im See von Lerna aufgewachsen, kam immer wieder in die Ebene heraus und verheerte die Herden ebenso wie das Ackerland. Die Hydra hatte einen übergroßen Leib mit neuen Köpfen, acht davon sterblich, der eine in der Mitte unsterblich.

78 Herakles bestieg einen Wagen mit Iolaos als Lenker und kam so nach Lerna, ließ die Pferde haltmachen und fand die Hydra bei einem Hügel an den Quellen der Amymone, wo ihr Lager war. Er warf brennende Pfeile hinein und zwang sie so, herauszukommen. Als sie draußen war, ergriff er sie und hielt sie fest. Sie aber wand sich um einen seiner Füße und hielt sich daran fest.

79 Mit der Keule schlug er ihr nun die Köpfe ab, konnte sie aber nicht besiegen, denn für einen abgeschlagenen Kopf wuchsen ihr zwei neue. Außerdem kam der Hydra noch ein übergroßer Krebs zur Hilfe und biss ihm in den Fuß. Nachdem er diesen getötet hatte, rief er seinerseits Iolaos zu Hilfe, der ein Stück des nahen Waldes anzündete und mit den brennenden Holzscheiten die nachwachsenden Köpfe ausbrannte, so dass sie am Herauskommen gehindert waren.

80 Auf diese Weise mit dem Nachwachsen der Köpfe fertig geworden, schlug er auch den unsterblichen Kopf ab, den er vergrub und mit einem schweren Felsblock zudeckte, und zwar an dem Weg, der durch Lerna nach Elaius führt. Den Leib der Hydra schlitzte er auf und tauchte seine Pfeile in die Galle. Eurystheus aber sagte, er dürfe diese Tat nicht unter die zehn Arbeiten rechnen, denn nicht allein, sondern nur mit Unterstützung des Iolaos habe der die Hydra überwunden.

Zum Dank für seine mutige Tat wurde der Krebs von Hera, der Gattin des Zeus, an den Himmel versetzt. Hera hasste Herakles, weil dieser ein unehelicher Sohn des Zeus war.

Zwei der Sterne heißen „Nördlicher und südlicher Esel“, siehe nachfolgendes Kapitel „Das Sternbild und dessen Sterne“. Dies deutet darauf hin, dass hier noch ein anderer Mythos am Himmel dargestellt wurde. In diesem spielte aber keine Krebse, sondern Esel eine Rolle. Demnach repräsentieren die beiden Sterne zwei Lasttiere, die den Gott Dionysos trugen. Er soll sogar mit Eseln in eine Schlacht zwischen Göttern und Giganten geritten sein. Den Giganten waren Esel unbekannt. Daher gerieten sie durch das Geschrei dieser Tiere derart in Panik, dass Giganten den Kampf verloren. Zur Belohnung versetzte Dionysos beide Esel als Sterne an den Himmel, in der Nähe des Sternhaufens M44, siehe auch weiter unten das Kapitel „Beobachtungsobjekte im Sternbild Krebs“. Dieser Sternhaufen war schon in der Antike bekannt und hieß bei ihnen „Krippe, an der die Esel fressen“.

(1) Ian Ridpath, Die großen Sternbilder, 88 Konstellationen und ihre Geschichten, S. 53 f.

(2) Apollodoros, Götter und Helden der Griechen; eingeleitet, herausgegeben und übersetzt von Kai Brodersen, 2012 WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), Darmstadt.

Das Sternbild Hydra in der Hobbyastronomie

Das Sternbild und dessen Sterne

Sternbild Krebs und seine Sterne

Der hellste Stern im Sternbild hat nicht die Bezeichnung Alpha, sondern Beta Cancri. Sein Eigenname lautet Altarf. Er stammt aus dem arabischen und heißt „Auge“.

Bei Alpha Cancri handelt es sich sogar erst um den vierthellsten Stern im zugeordneten Himmelsbereich des Sternbilds. Sein arabischer Eigenname lautet Acubens, „die Scheren (des Krebses)“.

Der Stern Gamma Cancri heißt mit lateinischen Namen „Asellus Borealis“, während Gamma Cancri den Namen „Asellus Australis“ hat. Übersetzt heißen sie „Nördlicher und südlicher Esel“. Gamma Cancri liegt in unmittelbarer Nähe der Ekliptik und wird daher gelegentlich vom Mond oder von den Planeten bedeckt.

Iota Cancri (ι Cnc) ist ein Doppelsternsystem, welches sich schon mit kleinen Teleskopen auflösen lässt.

Beobachtungsobjekte im Sternbild des Krebs

Sternbild Krebs – Beobachtungsobjekte

Übersicht:

  • M44 (NGC 2632): 3,5 mag, Offener Sternhaufen
    (Praesepe, Beehive Cluster)
  • M67 (NGC 2682): 7,0 mag, Offener Sternhaufen
  • NGC 2775: 10,1 mag, Galaxie

M44 – Offener Sternhaufen

Der Sternhaufen Messier 44 ist auch bekannt als Praesepe (Krippe) oder Beehive (Bienenstock) Cluster. Er ist schon seit der Antike bekannt, da er schon mit bloßem Auge gut erkannt werden kann. Aufgrund ihres Alters und ihrer Eigenbewegungen wird angenommen, dass M44 und der Sternhaufen der Hyaden gleichen Ursprungs sind. M44 liegt nahe der Ekliptik, so dass immer wieder Planeten nahe an ihm vorbeiziehen.

Bild in Wikipedia:

Messier 044 2MASS.jpg
Von Two Micron All Sky Survey (2MASS), a joint project of the University of Massachusetts and the Infrared Processing and Analysis Center/California Institute of Technology, funded by the National Aeronautics and Space Administration and the National Science Foundation. – 2MASS Atlas Image Gallery: The Messier Catalog, Gemeinfrei, Link

Bild aus dem Programm SkySafari Pro:

Der Sternhaufen ist recht nah und groß, so dass er im im Teleskop einen größeren Himmelsbereich einnimmt. Der türkisfarbene Kreis mit der Bezeichnung „36mm Baader Hyperion“ deutet die Sicht durch ein Okular mit 72° Gesichtsfeld und 56-facher Vergrößerung an. Der Sternhaufen füllt hier das Gesichtsfeld aus. Die roten konzentrischen Kreise bilden den Blick durch einen Telrad-Sucher ab.

M44 mit Gesichtsfeld 36mm Baader Hyperion Okular und Telradkreisen

Position in der Milchstraße:

M44 – Position in der Milchstraße

M67 – Offener Sternhaufen

Selbst in kleineren Teleskopen oder Ferngläsern lässt sich Messier 67 gut beobachten. Obwohl er nicht die gleiche Fläche wie M44 (siehe oben) einnimmt, entspricht er in seinen Dimensionen immer noch dem Vollmond.

Der Sternhaufen zählt zu einem der am gründlichsten untersuchten Sternhaufen. Der Grund dafür liegt in seinem ungewöhnlich hohen Alter, das auf 3,5 bis 5 Milliarden Jahren geschätzt wird.

Bild in Wikipedia:

GALEX-Aufnahme von Messier 67
Von GALEX is a NASA mission managed by the Jet Propulsion Laboratory. – http://server3.wikisky.org/snapshot?img_size=&img_res=&ra=8.859427823825548&de=11.799969596254293&angle=0.6&projection=tan&rotation=0.0&survey=GALEX&img_id=all&width=1200&height=1200&img_borders=&interpolation=bicubic&jpeg_quality=0.8&max_preview_size=667&show_params=1&mouse_action=move, Gemeinfrei, Link

Bild aus dem Programm SkySafari Pro:

Der türkisfarbene Kreis mit der Bezeichnung „24mm Baader Hyperion“ deutet die Sicht durch ein Okular mit 72° Gesichtsfeld und 85-facher Vergrößerung an.

M67 mit Gesichtsfeld 24mm Baader Hyperion Okular

Position in der Milchstraße:

M67 – Position in der Milchstraße

NGC 2775 – Galaxie

Bei NGC 2775 handelt es sich um eine Spiralgalaxie. Sie ist das prominente Mitglied der gleichnamigen, kleinen Galaxiegruppe „NGC 2775 Group“, zu der auch NGC 2777 und UGC 4781 gehören.

Bild in Wikipedia:

NGC2775-hst-R814GB450.jpg
By <a href=“//commons.wikimedia.org/wiki/User:FabianRRRR“ title=“User:Fabian RRRR“>Fabian RRRR – Own work, CC BY-SA 3.0, Link

 


3 Gedanken zu “Die Trophäen des Herakles – Teil 2: Sternbild Krebs (Cancer)

  1. Andrea

    Erneut ein sehr interessanter Beitrag! Der Krebs hat wirklich mit den beiden Offenen Sternhaufen und der Galaxie wahre Schätze zu bieten. Hast du eine Erklärung dafür, woher die Bezeichnung Beehive (Bienenstock) für M 44 stammt? Wären das somit drei mythologische Hintergründe (Herakles, Esel, Beehive)? Ich habe mich das schon oft gefragt. Vielen Dank für diesen Artikel!
    Schönen Gruß, Andrea

    1. Vielen Dank für Deine Rückmeldung.

      Woher die Bezeichnung Beehive kommt, kann ich so auf die Schnelle nichts sagen. Ich hatte dazu bei meiner Recherche nichts gefunden. Ob es tatsächlich einen antiken Ursprung für diese Bezeichnung gibt, kann ich mir persönlich nicht vorstellen. Der Sternhaufen war dort zwar schon bekannt, war aber nur als Nebelfleck zu sehen. Ich würde die Herleitung des Begriffs „Bienenstock“ eher aus dem Anblick in einem Teleskop mit den aufgelösten Sterne interpretieren.

      Aber evtl. finde ich noch etwas dazu 😀

  2. Eckehart Herklotz

    Alles sehr interessant und fleißig recherschiert, aber für mich doch sehr speziell. Ich hätte mich eben schon mal früher mit Astronomie beschäftigen müssen, aber trotz einjährigem Schullehrfach hat es der Lehrer nicht verstanden mich für dieses Fach zu begeistern. Ja, wenn ich einen solchen Fachmann wie es Volker ist, gehabt hätte ….

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