Astronomie ohne Teleskop: Vorschau für Januar 2020

In dieser Blogartikelserie gebe ich eine Vorschau auf astronomische Ereignisse und Konstellationen, die mit bloßem Auge oder maximal einem Fernglas beobachtet werden können. Bitte beachten Sie: die Uhrzeiten für den Januar sind in Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) angegeben und entsprechen dem Standort Berlin.

Verlinkung innerhalb dieser Serie:

Sonnenaufgang und -untergang, Mondsichtbarkeiten

Die Sonnenaufgangs- und untergangszeiten im Januar sind wie folgt:

  • 01.01.20: Aufgang: 08:17, Untergang: 16:02
  • 16.01.20: Aufgang: 08:09, Untergang: 16:23
  • 31.01.20: Aufgang: 07:50, Untergang: 16:49

Die folgende Tabelle der Monddaten wurde mit calsky.com erstellt. Sie gelten für Berlin:

Der Sternenhimmel im Januar 2020

Sternhimmel am 15. Januar, 23:00 Uhr
Sternhimmel am 15. Januar, 23:00 Uhr
Sternhimmel am 15. Januar um 04:00 Uhr
Sternhimmel am 15. Januar um 04:00 Uhr

Der folgende Film zeigt im ersten Überblick die Sternbilder und ihren Verlauf im Januar:

Neu auftauchende Sternbilder

Das Sternbild Bärenhüter (Bootes) kehrt jetzt vollständig an den nächtlichen Sternhimmel zurück. Sein hellster Stern Arktur (Arcturus) ist insgesamt der hellste Stern am Nordhimmel und der dritthellste des gesamten Nachthimmels. Die Nördliche Krone (Corona Borealis) und der Becher (Crater) werden im Laufe des Januar ebenfalls vollständig zu sehen sein. Die Sternbilder Jungfrau und Wasserschlange tauchen teilweise auf. Zu ihren mythologischen Geschichten habe ich Blogartikel verfasst.

Wesentliche am Nachtimmel stehende Sternbilder und Konstellationen

Das Wintersechseck ist derzeit die dominierende Sternkonstellation. Es wird aufgespannt von den Zwillingen (Gemini), dem Kleinen und Großen Hund (Canis Minor, Canis Major), dem Orion, Stier und Fuhrmann. Genauer gesagt bilden folgende Sterne diese Konstellation:

  • Pollux im Sternbild Zwillinge
  • Procyon im Sternbild Kleiner Hund
  • Sirius im Sternbild Großer Hund
  • Rigel im Sternbild Orion
  • Aldebaran im Sternbild Stier
  • Capella im Sternbild Fuhrmann

Das Wintersechseck kann auch in lichtverseuchten Städten gut erkannt werden, da es sich aus den hellsten Sternen in diesem Himmelsbereich zusammensetzt. Von Mitteleuropa ist es von September (Morgenhimmel) bis April (Abendhimmel) zu sehen. Mitte Dezember steht es um Mitternacht in Richtung Süden. In der Mitte des Januar steht es bereits gegen 22 Uhr in südlicher Richtung. Das Wintersechseck ist kein (!) offizielles Sternbild, sondern ein sogenannter Asterismus. Mehr dazu weiter unten.

Bis auf Ausnahme des Seemonsters, Walfisch (Cetus) zeigen sich Kepheus, Kassiopeia, Andromeda und Perseus der gleichnamigen Sage. Ihre Geschichte habe ich in meiner vierteiligen Blogartikelserie aufbereitet.

Weitere vollständig sichtbare Sternbilder, über deren mythologischen Hintergründe ich Blogartikel verfasst habe, sind

Das Sternbild Achterdeck (Puppis) wird in unseren Breitengraden nie vollständig sichtbar sein. Es erreicht aber über dem Südhorizont seinen höchsten Stand. Als Bestandteil der Argonautensaga findet sich dazu auch ein Artikel auf meinem Blog.

Sich verabschiedende Sternbilder

Die Sternbilder Pegasus, Fische (Pisces), Walfisch (Cetus) und der Fluss Eridanus tauchen immer mehr unter den Horizont.

Asterismen

In der obigen Abbildung des Abendhimmels habe ich neben dem Wintersechseck weitere Sternenkonstellationen eingezeichnet, die keine offiziell von der IAU definierten Sternbilder sind. Solche Konstellation werden Asterismen genannt. Siehe dazu meinen Blogartikel „Von Sternbildern, Tierkreiszeichen und Asterismen“:

  • Sichel (Sickle) Der Asterismus Sichel ist Teil des Sternbils Löwe (Leo). Im Grunde gleicht die Erscheinung dieser Sternkonstellation einer sich wölbenden Mähne.
  • Gürtel und Schwert des Orion, Schild des Orion Der Orion ist an sich ein sehr beeindruckendes Sternbild. So verwundert es kaum, dass seine vermeintliche Ausrüstung in seine Sterne hinein interpretiert wird. Der Gürtel wird von den Sternen Alnitak, Alnilam und Mintaka gebildet. Das Schwert besteht aus den Sternen 42 Orionis, das sog. Trapez von Theta Orionis und Nair al Saif. Das Trapez lässt sich schon im Fernglas ab ca. 12-facher Vergrößerung in vier Sterne auflösen. Die Sterne Pi 1 bis Pi 6 Orionis stellen je nach Sicht- und Erzählweise den Knüppel oder das Schild des Orion dar.
  • Kassiopeias Stuhl: Warum ist der Stuhl so wichtig, dass er am Nachthimmel mit Kassiopeia dargestellt wird? Nun Poseidon fand, dass Kassiopeia nicht ungestraft mit ihrer Eitelkeit davonkommen sollte. Die hatte je nach Erzählweise sich oder ihre Tochter Andromeda als schönste Frau bezeichnet und damit die Götter vor den Kopf gestoßen. Er verbannte sie in den Himmel, an einen Stuhl gefesselt. So muss sie ewig um den Himmelspol kreisen, die Hälfte des Jahres kopfüber. Aber nicht immer ist Kassiopeia an einen Stuhl gefesselt illustriert worden. In späteren Darstellungen hält sie einen Spiegel und ein Palmblatt in ihren Händen. Ersterer gilt als Zeichen der Eitelkeit. Die Bedeutung des Palmblatts ist allerdings nicht klar.
  • Der Große Wagen dürfte der bekannteste Asterismus sein. Er ist der Kernbestandteil vom Sternbild Der Große Bär / Die große Bärin Ein mehr im englischen Sprachraum bekannter Asterismus ist der Schöpflöffel (Big Dipper). Dieser entspricht fast dem Großen Wagen, wenn man von der oberen Verbindungslinie des Kastens absieht. Auch in China ist diese Sternkonstellation als „Nördlicher Schöpflöffel“ bekannt.
  • Der Kleine Wagen (Little Dipper) ist die kleinere Version des Schöpflöffels bzw. Großen Wagens.
  • Der wesentliche Teil des Sternbilds Bootes bildet den Asterismus Drachen. Damit ist nicht das Ungeheuer gemeint, sondern die Flugdrachen an der Schnur.

Die Planeten

Die Positionen der Planeten im Sonnensystem am 01.01.20:

Die Positionen der inneren Planeten am 01.01.20
Die Positionen der inneren Planeten am 01.01.20
Die Positionen von Jupiter und Saturn am 01.01.20
Die Positionen von Jupiter und Saturn am 01.01.20

Die Bewegung der Planeten im Sonnensystem und am Himmel im Januar 2020:

Planeten am Morgen

Mars

Der Mars ist derzeit ein Objekt der letzten Stunden vor Sonnenaufgang. Er ist in seiner Himmelsbewegung langsamer als die Sonne, so dass diese immer näher an den Planeten herankommt. Demnach nimmt auch die Sichtbarkeitsdauer für den Mars ab. Seine Auf- und Untergangszeiten für Berlin sind:

  • 01.01.20: Aufgang: 04:54, Untergang: 13:23
  • 11.01.20: Aufgang: 04:52, Untergang: 13:02
  • 31.01.20: Aufgang: 04:46, Untergang: 12:27

Jupiter

Der Jupiter bereitet sich im Januar darauf vor, zum Objekt am Morgenhimmel zu werden. Er wird im Januar aber nur recht schlecht in der Morgendämmerung zu beobachten sein. Die Auf- und Untergangszeiten des Jupiter für Berlin sind:

  • 01.01.19: Aufgang: 08:03, Untergang: 15:41
  • 11.01.19: Aufgang: 07:33, Untergang: 15:13
  • 31.01.19: Aufgang: 06:31, Untergang: 14:16

Planeten am Abend

Merkur

Der Merkur kann erst ab Mitte dieses Monats nach Sonnenuntergang beobachtet werden. Seine Auf- und Untergangszeiten für Berlin sind:

  • 01.01.20: Aufgang: 08:07, Untergang: 15:23
  • 16.01.20: Aufgang: 08:37, Untergang: 16:28
  • 31.01.20: Aufgang: 08:30, Untergang: 18:03

Venus

Die Venus fungiert derzeit als Abendstern und ist eines der dominierenden Objekte in den ersten Nachtstunden. Ihre Auf- und Untergangszeiten für Berlin sind:

  • 01.01.20: Aufgang: 10:11, Untergang: 18:59
  • 16.01.20: Aufgang: 09:46, Untergang: 19:48
  • 31.01.20: Aufgang: 09:13, Untergang: 20:36

Nicht sichtbare Planeten

Saturn

Der Saturn ist in diesem Monat unbeobachtbar. Allenfalls kann er gegen Monatsende in der Morgendämmerung ganz kurz vor Sonnenaufgang erspäht werden. Die Auf- und Untergangszeiten des Saturn für Berlin sind:

  • 01.01.19: Aufgang: 08:55, Untergang: 16:55
  • 11.01.19: Aufgang: 08:20, Untergang: 16:22
  • 31.01.19: Aufgang: 07:08, Untergang: 15:16

Spezielle Ereignisse

05.01.20, 18:54 Uhr bis 03:12 Uhr – Goldener Henkel – Mond

In den Nacht vom 05. zum 06. Januar lässt sich der Lichtstrahleffekt Goldener Henkel beobachten. Bei diesem Ereignis sind die Juraberge bereits beleuchtet, während Sinus Iridum noch im Schatten liegt. Somit ergibt sich mit den beleuchteten Bergen der Eindruck eines Henkels von einer Tasse. Im Prinzip tritt der Goldene Henkel jeden Monat ca. 24 Stunden nach Sonnenaufgang über dem Krater Kopernikus auf. Das entspricht einem Mondalter von ca. 10 Tagen. Allerdings ist dieser Effekt nicht immer beobachtbar. Mal steht der Mond unter dem Horizont, mal steht er für uns nicht sichtbar am Tageshimmel. Zur Beobachtung reicht ein Fernglas.

06.01.20, 01:41 Uhr – Mond bildet ein Dreieck mit Plejaden und Hyaden

Der Mond bildet heute für den Anblick mit bloßem Auge eine schöne Konstellation mit den beiden Sternhaufen Plejaden und Hyaden im Sternbild des Stieres. Plejaden und Hyaden bilden das sogenannte Goldene Tor der Ekliptik, durch welches die Planeten und der Mond ab und zu durchschreiten. Für den Mond wird es dieses Mal allerdings nur für einen Pfostenschuss reichen. Morgen wandert er direkt durch den Sternhaufen der Hyaden.

Mond, Pleyaden und Hyaden
Mond, Pleyaden und Hyaden
Dreieck Mond, Plejaden und Hyaden
Dreieck Mond, Plejaden und Hyaden

07.01.20, 22:58 Uhr – Mond 2,6° nördlich Aldebaran und bei den Hyaden

Während der Mond gestern noch ein fast gleichschenklige Dreieckskombination mit Plejaden und Hyaden bildete, zieht er heute durch die Hyaden. Dadurch kommt der dem Hauptstern des Sternbilds Stier recht nahe. Das Ganze lässt sich gut durch das Fernglas betrachten. Wenn dieses nicht zu stark vergrößert (ca. <= 10-fach), so lassen sich Mond, Aldebaran und Hyaden nahezu komplett erfassen.

Mond bei den Hyaden in der Nähe des Aldebaran
Mond bei den Hyaden in der Nähe des Aldebaran
Mond, Aldebaran und Hyaden in der Fernglasansicht (Umfang des Sternhaufens der Hyaden entspricht ungefähr der Fernglasansicht bei 9-10 facher Vergrößerung)
Mond, Aldebaran und Hyaden in der Fernglasansicht (Umfang des Sternhaufens der Hyaden entspricht ungefähr der Fernglasansicht bei 9-10 facher Vergrößerung)
Mond bewegt sich durch die Hyaden
Mond bewegt sich durch die Hyaden

10.01.20, 20:10 Uhr – Vollmond und Halbschatten Mondfinsternis

Der Vollmond tritt am 10. Januar um 20:21 Uhr ein. Der Mond tritt bereits um 18:05 Uhr in den Halbschatten ein, den die Erde wirft. Dies kann mit bloßem Auge allerdings nicht gesehen werden. Allenfalls wird zum Zeitpunkt der maximalen Finsternis eine Abdunklung des Vollmonds im südlichen Gebiet zu bemerken sein.

Verlauf der Mondfinsternis:

  • 18:05 Uhr: Eintritt in den Halbschatten
  • 19:07 Uhr: Halbschatten wird für das bloße Auge sichtbar
  • 20:10 Uhr: Maximale Finsternis (Größe im Halbschatten: 92%)
  • 21:12 Uhr: Halbschatten verblasst für das bloße Auge
  • 22:14 Uhr: Mond ist vollständig aus dem Halbschatten ausgetreten
Vollmond
Vollmond

20.01.20, 06:30 Uhr – Mondsichel in der Nähe vom Mars und Antares

In den frühen Morgenstunden ca. 1 bis 1,5 Stunden vor dem Sonnenaufgang lässt sich die Konstellation Mondsichel, Mars und der auffällige Stern Antares vom Sternbild Skorpion mit bloßem Auge knapp über Horizont betrachten. Mars und Antares könnten sogar gemeinsam im Fernglas sichtbar sein, wenn es nicht mehr als 9-/10-fach vergrößert.

Mond, Mars und Antares
Mond, Mars und Antares

20.01.20, 15:00 Uhr – Sonne tritt in das Sternbild Steinbock ein

Am 20. Januar tritt die Sonne in den Himmelsbereich ein, der von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) als zum Sternbild Steinbock zugehörig definiert wurde.

Sonne betritt Sternbild Steinbock
Sonne betritt Sternbild Steinbock

Der Begriff Sternbild ist hier bitte nicht mit dem Begriff Sternzeichen / Tierkreiszeichen zu verwechseln. Sternbild ist ein astronomischer Begriff, der sich auf tatsächlich beobachtbare Phänomene am Himmel bzw. im Weltraum bezieht. Sternzeichen / Tierkreiszeichen sind esoterische Begriffe. Näheres zur Unterscheidung dieser Begriffe ist in meinem Blogartikel „Von Sternbildern, Tierkreiszeichen und Asterismen“ erläutert.

22.01.20, 07:30 Uhr – Letzte Morgensichtbarkeit der abnehmenden Mondsichel

An diesem Morgen ist die schmale Mondsichel das letzte Mal vor dem Neumond knapp über dem östlichen Horizont zu sehen. Sie steht dabei zwischen Mars und Jupiter dicht am Horizont.

Schmale Mondsichel
Schmale Mondsichel

23.01.20, 07:30 Uhr – Mond zwischen Mars und Jupiter im Morgengrauen

Wer gute Horizontsicht hat, kann ja seinen Blick Richtung SSO lenken. In der Morgendämmerung kann man versuchen, den Jupiter knapp über dem Horizont, die verbleibende schmale Sichel des Mondes und dem Mars in einer Reihe in Augenschein nehmen.

Jupiter, Mondsichel und Mars
Jupiter, Mondsichel und Mars

24.01.20, 22:42 Uhr – Neumond

Am 24. Januar um 22:42 Uhr morgens tritt der Neumond ein. Die Sonnen- und Mondstellung sind wie folgt:

Neumond
Neumond

26.01.20, ca. 17:30 Uhr – Erste Abendsichtbarkeit der Mondsichel nach dem Neumond

Am Abend des 26. Januar besteht die Möglichkeit, zum ersten Mal nach dem Neumond die Mondsichel zu erblicken. Die Sichel, sichtbar in Richtung Westen zwischen Venus und Jupiter, ist allerdings noch extrem schmal. Der Mond hat aber genügend Abstand zur Sonne, welche gegen 17:30 Uhr tief genug unter dem Horizont steht. Die Venus lässt sich in dessen Nachbarschaft auch noch gut erkennen.

Mondsichel am Abend
Mondsichel am Abend

28.01.20, 18:00 Uhr – Mond nahe Venus

Kurz nach dem Neumond ergibt sich die Möglichkeit, die schmale Mondsichel nahe beim Abendstern, der Venus zu sehen. Allerdings ist dies nur für den frühen Abend möglich. Beide gehen recht schnell unter. Es sollte sogar möglich sein, Mond und Venus gemeinsam mit dem Fernglas zu erfassen, wenn es nicht zu stark vergrößert.

Mondsichel bei Venus
Mondsichel bei Venus
Mondsichel und Venus im Fernglas
Mondsichel und Venus im Fernglas

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