Orion: vom Gilgamesch zum griechischen Helden mit vielen Geschichten (Teil 1)

 

„Eine Frau nimmt sich einen Tapir zum Geliebten. Dieser verspricht, sie mit in den Osten zu nehmen, wo der Himmel auf die Erde trifft. Die Frau wartet auf eine Gelegenheit, als ihr Ehemann auf einen Baum steigt, um ihm die Beine abzuhacken. Jedoch wird der Bedauernswerte von seiner Mutter geheilt. Mit Hilfe einer Krücke macht er sich daran, die Liebenden zu verfolgen, und holt sie ein. Er hackt dem Tapir den Kopf ab. Die Frau fliegt zusammen mit dem Geist des Tiers in den Himmel, verfolgt von ihrem Ehemann.“
(Entnommen aus Spektrum der Wissenschaft, Ausgabe Dezember 2015, Die Urahnen der großen Mythen, Julien d’Huy, Seite 69)

Wer bei dieser Geschichte die Stirn runzelt, was sie nun mit dem Sternbild Orion und seiner Geschichte zu tun hat, dem sei gesagt, dass auch ich mich erst einmal gewundert habe. Der besagte Artikel aus der Spektrum Ausgabe vom Dezember 2015 passte aber irgendwie in meine Arbeiten zu diesem Blogartikel. Die oben zitierte Sage stellt eine Version der sogenannten Geschichte zur kosmischen Jagd dar. Dem Artikel nach haben sich bestimmte Themen mit den verschiedenen Ausbreitungswellen über die Erde auch entsprechend geteilt und wurden je nach Kultur variiert. D.h. die heutigen Sagen lassen sich auf sogenannte Ur-Mythen vor tausenden von Jahren oder länger zurückführen.

In der Geschichte oben entspricht das Sternbild Orion dem Ehemann, welcher die untreue Frau (= Plejaden) und ihren neuen Liebhaber (= Hyaden, die den Kopf des Tapirs formen) verfolgt. Diese Geschichte wird als sogenannte Version 4 der „Kosmischen Jagd“ im Sprachraum Akawaio bezeichnet. Die Methode der sprachlichen Auswertung der Mythen und die ermittelten zeitlichen Verknüpfungen, wie sie in der Spektrum der Wissenschaft beschrieben werden, sind allerdings nicht unumstritten. So werden die zahlenmäßig geringe und geografisch einseitige Auswahl und die auf Wortbasis durchgerechnete „Evolution“ verschiedener Mythen kritisch hinterfragt. Aber unabhängig von der in der Spektrum der Wissenschaft beschriebenen Entwicklung der Mythen muss man sich in Erinnerung rufen, dass verschiedene Kulturen in allen Teilen der Welt voneinander abweichende Sternbilder konstruierten bzw. verschiedene Geschichten zu ihnen erzählten. In meiner Blogartikelserie beschränke ich mich meist auf die griechische Deutung. Diese ist die Grundlage für den Großteil der offiziell festgelegten Sternbilder der nördlichen Hemisphäre.


Ich möchte auf die auch heute noch prominentesten zwei Figuren eingehen, die mit dem Sternbild des Orion in Verbindung gebracht werden:

  • den mesopotamischen Mythos des Gilgamesch und
  • die griechische Sage des Jägers Orion.

Es wird angenommen, dass die Sumerer und Babylonier in dem Sternbild Orion den König Gilgamesch sagen und dass die Griechen Anleihen von davon in ihre Sagenwelt übernahmen. Die Deutung als Gilgamesch basiert meinen Recherchen zufolge aber eher auf Indizien und Interpretationen als wirklichen Quellenbeweisen. Da Gilgamesch mit seiner Frage nach Leben, Tod und Unsterblichkeit bis heute Philosophie und Kultur beeinflusst, werde ich seine Geschichte dennoch in diesem Blogartikel erzählen.

Das Sternbild Orion am nächtlichen Winterhimmel

Das Sternbild Orion ist das wahrscheinlich bekannteste Sternbild am Himmel nördlich des Äquators. Es ist nur im Winter vollständig sichtbar und von der Flächengröße her noch nicht einmal das größte Sternbild. Aber der Anblick des Sternbilds ist spektakulär und beinhaltet auch einige der bekanntesten Beobachtungsobjekte.

Die nachfolgenden Bilder zeigen den Orion am Sternenhimmel beim Sternbild Stier. Die gängige Illustration zeigt den Orion einem Angriff des Stiers ausgesetzt:

Der griechische Mythos des Orion erzählt aber nichts über einen Stier. Hier wird in der Forschung der Bogen zu den Sumerern gezogen, die das Sternbild ebenfalls kannten und in ihm wahrscheinlich den großen Helden Gilgamesch sahen, welcher gegen den auf ihn angesetzten „Himmelsstier“ kämpfen musste.

Wie man sieht, steht Orion auch in räumlicher Nähe zu den Hyaden und den Plejaden. In der oben zitierten Geschichte der Akawaio stehen sie zusammen mit dem Sternbild des Orion für die Hauptpersonen der „Kosmischen Jagd“.

Der folgende Film zeigt den Anblick des Sternbildes im Jahresverlauf:

Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass man die Chance nutzen sollte, sich Orion anzuschauen. In spätestens 14.000 Jahren wird Orion auf unseren Breiten nicht mehr zu sehen sein. Das Sternbild wird sich bis zu diesem Zeitpunkt in ein Sommersternbild entwickelt haben und immer mehr unter dem Horizont verschwinden. Die folgende Abbildung zeigt das Sternbild zu seinem höchsten Jahresstand im Mai des Jahres 14.000:

Sternbild Orion im Jahr 14.000
Sternbild Orion im Jahr 14.000

Der Blogartikel zum Sternbild Orion ist zweiteilig:

Gilgamesch-Epos und der Bezug zum Sternbild Orion

Nach meinen Recherchen besteht kein zwingender Beweis, dass in dem Sternbild, welches heute den Namen Orion trägt, zu babylonischen Zeiten auch tatsächlich der König und Halbgott Gilgamesch gesehen wurde. Es wird aber als wahrscheinlich angesehen, dass die griechische Orion Sage Anleihen vom ihm nimmt bzw. ihren Ursprung in dem sumerisch-babylonischen Gilgamesch-Epos hat (englischsprachiges Wikipedia, Kapitel „Modern“, Stand 18.12.15). Eine mögliche Verbindung wird hier zum sogenannten Himmelsstier gesehen (siehe Wikipedia zu „Himmelstier“, Stand 18.12.15 und Wikipedia zum Sternbild Stier, Stand 18.12.15), welches durch das Sternbild Stier (Taurus) repräsentiert wird. Eine Heldentat von Gilgamesch ist, den auf ihn gehetzten Himmelsstier zu besiegen. Dieser Zusammenhang wird aber in der Forschung kontrovers diskutiert und ist ggf. nur eine moderne Interpretation antiker Mythen.

Auch wenn der Zusammenhang zwischen dem Gilgamesch Epos zur Orion Saga, und somit zum Sternbild Orion nicht zweifelsfrei gesichert ist, möchte ich die Sage mit in diese Artikelserie aufnehmen. Die Sage vom Gilgamesch ist eine der ältesten überlieferten Geschichten. Sie hat bis heute einen erheblichen Einfluss auf andere Kulturen. Die Frage nach der eigenen Sterblichkeit ist ein herausragendes Thema dieses Mythos, die auch heute nichts an Anziehungskraft und Aktualität verloren hat. Auch der Bezug zur Sintflut und Noahs Geschichte im Alten Testament wird in der Forschung diskutiert. Im Gilgamesch Epos ist von einer Weltenflut die Rede und einem unsterblichen Weisen, der eine Arche baute, um die Tiere und seine Familie zu retten.

Historischer Kontext des Gilgamesch-Epos

Gilgamesch war nach der sumerischen Königsliste Anfang des 3. Jahrtausends v. Chr. ein König der Stadt Uruk. Insofern wird heute angenommen, dass es sich bei ihm um eine reale Person handelt. Allerdings wurden den in der Königsliste aufgeführten Herrschern extrem lange Regierungszeiten zugesprochen. So sollen vor der Sintflut, in der eine Person wie Noah ein rettendes Schiff gebaut hat, 8 Könige insgesamt 241.000 Jahre regiert haben. Nach der Flut sollen 23 Könige in der sumerischen Stadt Kisch 24.510 Jahre das Zepter in der Hand gehalten haben, bevor die Herrschaft auf die Stadt Urik überging. Als fünfter König der ersten nachsintflutlichen Dynastie von Uruk soll Gilgamesch 126 Jahre lang regiert haben, bevor im sein Sohn folgte.

Aus Sicht der Historiker am Ende des 3. Jahrtausends vor Christus soll nach Gilgamesch über einen Zeitraum von mehr als 6.500 Jahren die Herrschaft noch 17 mal von einer Stadt auf die andere übergegangen sein, bevor sie zu deren Zeit wieder von einer Uruk stammenden Dynastie (residierend in Ur) übernommen wurde. Anhand dieser zeitlichen Einbettung kann man erkennen, dass die Geschichten um Gilgamesch schon damals sehr alt gewesen sein mussten. Insofern könnte man Gilgamesch und seine Geschichten komplett in das Reich der Sagen verbannten. Dennoch geht man nach aktuellem Kenntnisstand davon aus, dass es sich bei Gilgamesch um eine historische Persönlichkeit des frühen 3. Jahrtausends vor Christus handelt. Denn es existieren Keilschriften von diesem Fürsten. Es gibt auch Indizien, dass ein König mit dem Namen Gilgamesch in Uruk regierte. Die eindrucksvolle Mauer um die Stadt könnte durchaus von ihm errichtet worden sein. Auch spielte Uruk in der Frühgeschichte Mesopotamiens wohl eine führende Rolle.

Die gegenwärtige Version des Gilgamesch-Epos ist von 12 unvollständigen Tontafeln überliefert. Ende 1872 wurde kurz nach der Entzifferung der mesopotamischen Keilschrift aus Fragmenten eine Geschichte veröffentlicht, die von einer Sintflut und einem Über-Weisen erzählt, der mit einer Arche sich und Tiere gerettet hat. Man erkannte dann, dass diese Geschichte in eine weitaus größere Erzählung eingebettet war. Diese erzählt von einem sagenhaften König Gilgamesch und seinen Abenteuern.

Leider sind die Tontafeln nicht vollständig erhalten. Sie wurden an ihrem Ursprungsfundort Ninive zerstört über ein größeres Areal verteilt gefunden. Es stellte sich aber heraus, dass die ursprünglich gefundenen Tafeln nummeriert und die letzte (12.) Tafel als Ende markiert waren. Dies half bei der Rekonstruktion. Über die Jahre wurden Fragmente des Gilgamesch-Epos auch an anderen Orten gefunden und in die Geschichte der Tafeln aus Ninive hinzugefügt.

Die Geschichte des Gilgamesch

Tafel 1

Die erste Tafel beginnt mit den Lobpreisungen des Königs Gilgamesch in der Stadt Uruk. Sie vermittelt dabei den Eindruck eines Tatsachenberichts.

Gilgamesch wird beschrieben als zu zwei Dritteln Gott und einem Drittel Mensch. Er ist von vollkommender Schönheit (1. Tafel, 48-62):

Zwei Drittel an ihm sind Gott, doch sein (drittes) Drittel, das ist Mensch.

Das Bild seines Leibes entwarf Belet-ili,
Nudimmud vollendete meisterhaft seine Gestalt.
Jener ist strotzend an Kraft und von strahlender Schönheit,
stattlich ist seine Statur, elf Ellen hoch ist er gewachsen.
Zwei Ellen beträgt die Breite seiner Lenden.
Sechs Ellen sind seine Schulter breit,
der erste seiner Finger ist eine halbe Elle lang,

Bartwachsen seine Wangen, wie Lapislazuli schimmernd sein Bart,
seiner Haarmähne Locken sprießen so üppig hervor wie Nissaba selbst.
Als er heranwuchs, ward er in seiner Lebensfülle vollkommen.
Wunderschön war er gebaut, wie es der Erde angemessen.

So schön und überwältigend der Gilgamesch in seiner Statur, so rundweg schlecht ist er in seinem Verhalten. Der junge König kommt seiner Aufgabe nicht nach, sich als „guter Hirte“ um sein Volk zu kümmern. Im Gegenteil, er zwingt die jungen Männer mit Waffengewalt, ihm zum Ballspiel jederzeit als Spielgefährte bereitstehen. Außerdem hurt sich Gilgamesch durch die Stadt und macht sogar vor verheirateten Frauen nicht halt.

Die Frauen der Stadt klagen so laut, dass Ischtar, die Göttin der Liebe und Patronin der Stadt Uruk, sehr verärgert ist. Zusammen mit dem Himmelsgott Anum und Götterkönig Enlil will sie dem Treiben von Gilgamesch ein Ende setzen. Die Muttergöttin Aruru soll ein Wesen erschaffen, dass dem König Uruk Einhalt gebietet.

Aruru erschafft daraufhin den Ur-Menschen Enkidu. Dieser wird von den Wildtieren großgezogen. Enkidu gelingt es, die Tiere vor dem Fallensteller zu beschützen. Dieser wird es leid, dass er keine Tiere mehr fängt und greift zu einer List, um Enkidu von den Tieren wegzulocken. Er nimmt die Dirne Schamchat, ihres Zeichens Dienerin der Göttin Ischtar, mit zur nächsten Jagd. Und sobald Enkidu mit der Herde auftaucht, entblößt sie sich und verführt ihn 7 Tage lang. Dadurch erhält er den Verstand der Menschen und spricht deren Sprache, verliert aber die Fähigkeit, mit den den Tieren zu leben. Enkidu folgt Schamchat in die Stadt. Er will den großen Gilgamesch im Kampf besiegen, da er sich für mächtiger hält. Schamchat bekräftig Enkidu in seinem Wunsch nach Uruk zu gehen, rät ihm aber vom Kampf ab. Sie erzählt ihm von den Träumen Gilgamesch. In ihnen sieht der König die Ankunft von Enkidu und erkennt, dass er ihn nicht besiegen kann und Enkidu als Freund und Bruder bei sich haben möchte.

Tafel 2

Enkidu vollzieht vollständig seine Menschwerdung. Hier kann man die altorientalische Vorstellung der Urgeschichte der Menschheit nachvollziehen. Schamchat begleitet Enkidu auf seiner Entwicklung vom wilden Ur-Menschen zum Kultur-Menschen. Dieser setzt seine Fähigkeiten nun für die Menschen ein und wird zum Hirten.

Eines Tages erfährt Enkidu von einem Fremden, dass Gilgamesch sich das Recht der ersten Nacht nimmt. Enkidu ist darüber empört und reist nach Uruk, um Gilgamesch herauszufordern. Beide kämpfen gegeneinander. Sie müssen aber erkennen, dass sie einander nicht besiegen können. Schließlich werden sie Freunde.

Um Ruhm zu erlagen, beschließt Gilgamesch gegen Humbaba zu ziehen, den Wächter des Zedernwalds im Libanon. Enkidu soll ihn begleiten. Er will die Bäume des Waldes für sich, um damit Gebäude zu errichten, die ihm als König zur Ehre gereichen. Enkidu rät ihm ab, aber Gilgamesch hört nicht auf ihn. Er lacht über die Bedenken, die sowohl von Enkidu als auch dem dem Rat der jungen wehrfähigen Männer sowie vom Ältestenrat geäußert werden. So rüsten sie sich mit Waffen aus, um gegen Humbaba kämpfen zu können.

Tafel 3

Der Wille Gilgameschs, gegen Humbaba zu ziehen, versetzt auch die Götter in Aufruhr. Gilgamesch und Enkidu erbitten den Segen der Göttin Ninsun, die Mutter von Gilgamesch. Sie kann Träume deuten und kennt die Zukunft. In ihrer Sorge bittet sie den Sonnengott Schamasch, ihren Sohn gegen Humbaba zu beschützen. Da trifft es sich gut, dass Gilgamesch der Liebling des Sonnengottes ist. Dieser soll dafür sorgen, dass auch die Nacht Gilgamesch beschützen soll. Und schließlich soll der Sonnengott die „dreizehn Winde“ gegen Humbaba loslassen, damit der Wächter des Zedernwalds wehrlos gegen die Angriffe von Gilgamesch und Enkidu ist. Denn Ninsun kennt die Bestimmung von Gilgamesch. Dieser darf erst sterben und zu einem Gott erhoben werden, wenn er am Ende aller Abenteuer endlich zu Weisheit und Umsicht gelangt ist. Außerdem macht Nisnun Enkidu zum Bruder von Gilgamesch. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass sowohl Gilgamesch als auch Enkidu Findelkinder sind und Ninsun beide adoptierte.

Gilgamesch und Enkidu verlassen die Stadt Uruk. Der König übergibt die Regierungsverantwortung seinen Stellvertretern. Und nebenbei ist die Bevölkerung Uruks befreit von den Drangsalierungen Gilgameschs.

Tafel 4

Die beiden Gefährten sind nun auf dem Weg zu Humbaba. Wie es für solche urgewaltigen Helden üblich ist, bewältigen sie die Strecke in nur 3 Tagen, anstatt in den normal üblichen 1 1/2 Monaten. Gilgamesch will auf der Reise im Voraus wissen, was ihm beim Kampf erwartet. Dazu bringt er auf einem Berg Opfergaben dar, damit dieser ihm entsprechende Traumbotschaften bringt. Dies geschieht auch. Allerdings ist ist Gilgamesch ziemlich erschrocken von den Bildern, die ihm gezeigt werden. Enkidu interpretiert für seinen Freund diese Träume. Er überzeugt Gilgamesch letztendlich, dass sie zwar größten Gefahren entgegensehen, den Kampf gegen Humbaba aber siegreich überstehen werden. Auch der Sonnengott selbst gibt Gilgamesch den Rat, den Wächter des Zedernwaldes sofort in den Kampf zu verstricken, wenn sie auf ihn stoßen. Denn dann trägt er nur eine seiner sieben Strahlenauren bei sich. Bei Auren handelt es sich um schreckliche Waffen.

Um sich Mut zu machen brüllt Gilgamesch wie ein Stier. Er übertönt damit aber nur seine Angst. Außerdem schafft es Gilgamesch mit seinem Verhalten, Humbaba auf die beiden Helden aufmerksam zu machen. Da auch Enkidu noch vor dem Erreichen des Zedernwaldes plötzlich von dessen Zaubermacht eingeschüchtert wird, rät Gilgamesch ihm, die Angst durch lautes Gebrüll zu vertreiben. So Krach machend erreichen beide Gefährten den Zedernwald.

Tafel 5

Die Beschreibung vom ersten Zusammentreffen des Gilgamesch und Enkidu mit Humbaba fehlt bislang in den gefundenen Bruchstücken der Tontafeln. Im weiteren Text ist aber herauszulesen, dass Humbaba und Enkidu einander aus Zeiten der von Menschen unberührten Natur kennen und durchaus befreundet waren. Im Verlaufe des Gesprächs mit Enkidu erkennt Humbaba, das dieser ihn anlügt und gerät so sehr in Wut, dass er beide töten will. Enkidu muss einem eingeschüchterten Freund Gilgamesch hingegen erst Mut zu sprechen, damit er aus seiner Verzagtheit erwacht. Gilgamesch erinnert sich an seine Träume und entkommt so einer Falle, in der ein gewaltiger Felsbrocken auf ihn herabstürzt. Doch trotz des Überraschungseffekts, dass sie durch den Felsbrocken nicht getötet wurden, kommen sie gegen die Kraft Humbabas nicht an. Dieser will mit seiner ungeheuren Kraft den Erdboden zerschmettern, so dass Gilgamesch und Enkidu in eine tiefen Erdspalte fallen. Doch mit dem Schlag trifft Humbaba nur den Felsbrocken, der darauf hin in zwei Teile gespalten wird. Sie stellen heute die Gebirgszüge des Libanon und des Antilibanon dar.

Just in diesem Augenblick sendet Schamasch, der Sonnengott, die „dreizehn Winde“ gegen den Wächter des Zedernwaldes aus. Der so geschwächte Humbaba wird jetzt von Gilgamesch niedergeschlagen. Humbaba versucht nun sein Leben zu retten, indem er seinen Zedernwald anbietet. Auf Anraten Enkidus lehnt Gilgamesch ab. Auch der Versuch Humbabas, Enkidu gegen Gilgamesch aufzuhetzen, misslingt. Als Humbaba beginnt, die beiden zu verfluchen, tötet Gilgamesch den Wächter mit seiner Waffe.

Gilgamesch und Enkidu fällen dann die Bäume des Zedernwaldes. Aus der höchsten Zeder fertigt Enkidu eine 30 Meter hohe Tür an, um sie dem Götterkönig in Nippur zu stiften. Damit soll der Gott für den Mord an Humbaba besänftigt werden. Mit der Tür und dem Kopf Humbabas als Trophäe kehren Gilgamesch und Enkidu nach Uruk zurück.

Tafel 6

Zu Hause angekommen verliebt sich die Liebesgöttin Ischtar in den Helden, nachdem er sich vom Schmutz der Reise und des Kampfes gereinigt hatte. Sie fordert Gilgamesch auf, ihr Ehemann zu werden und lockt mit Ruhm, Macht und Reichtum. Gilgamesch lehnt aber ab. Dies tut er sogar recht nachdrücklich mit wüsten Beschimpfungen und Beleidigungen. Er wirft der Göttin vor, dass es allen ihren Liebhabern zuvor schlecht ergangen sei.

Ischtar war natürlich nicht angetan von dieser Zurückweisung. Sie beklagt sich bei ihrem Vater darüber, dem Himmelsgott Anum. Dieser meint aber nur, dass sie diesen Streit selbst provoziert hat. Die Liebesgöttin hingegen ist weiterhin rasend vor Wut und fordert von Anum den Himmelsstier, mit dem sie Gilgamesch töten will. Der Himmelsgott weigert sich zuerst, muss aber nachgeben, als Ischtar damit droht, die Erde aufzureißen, damit die Totengeister aus der Unterwelt alles Leben vernichten.

Nun lässt Ischtar den Himmelsstier auf die Erde los. Dieser richtet viel Schaden an. Er säuft alles Wasser, so dass die Erde vertrocknet, und reißt die Erde auf, so dass viele junge Männer ihr Leben verlieren. Gilgamesch und Enkidu stellen sich dem Himmelsstier schließlich entgegen. Während Enkidu den Stier in die Knie zwingt, rammt ihm Gilgamesch einen Dolch in den Nacken.

Die Liebesgöttin Ischtar ist natürlich extrem erbost und verflucht die beiden Gefährten. Enkidu aber verhöhnt die Göttin nur. Er und Gilgamesch prahlen mit ihrem Sieg und lassen sich feiern. Beide glauben, dass sich ihnen niemand mehr entgegenstellen kann. Während Gilgamesch und Enkidu noch ihren Sieg feiern, fängt der Fluch der Ischtar an zu wirken.

Tafel 7

In der Nacht nach der Siegesfeier träumt Enkidu, dass die Götter zusammenkommen, um über eine Strafe für Gilgamesch und Enkidu zu beraten, da sie sowohl den Wächter des Zedernwaldes also auch den Himmelsstier getötet haben. Schließlich entscheiden sie, dass einer von beiden sterben soll. Die Wahl fällt auf Enkidu.

Gilgamesch bietet den Göttern ein Ebenbild von Enkidu aus Gold, Silber und Edelsteinen an, damit sie seinen Freund verschonen. Doch Enkidu weiß, dass sein Schicksal besiegt ist. Er verflucht den Fallensteller und die Dirne, die aus ihm einen Menschen gemacht hat. Doch sein Schutzgott, der Sonnengott Schamasch, mäßigt ihn und verweist darauf, dass Enkidu selbst in der Unterwelt wie in König empfangen wird. Enkidu findet dadurch seine innere Ruhe, spricht einen Segen für den Fallensteller und die Dirne aus und stirbt schließlich.

Tafel 8

Gilgamesch ist vom Tod seines Freundes tief getroffen und stimmt ein Klagelied an. Er rauft sich sein prächtiges Haar aus und wirft seinen königlichen Schmuck weg. Die Lust an Vergnügen, Kampf und Spiel ist wie weggeblasen.

Gilgamesch bereitet die Beerdigung von Enkidu vor. Sie soll unvergesslich sein und das Grab mit den kostbarsten Gaben ausgestattet werden. Außerdem sollen die Unterweltsgötter mit zahlreichen Opfern und zahlreichen Geschenken dazu gebracht werden, Enkidu mit Freude aufzunehmen.

Tafel 9

Krank vor Trauer um seinen Freund verliert Gilgamesch jeden Mut und verlässt seine Stadt Uruk und sein Volk. Er ist kein König mehr und irrt in der Steppe umher. Er sucht nach Uta-napischti, dem einzigen menschlichen Wesen, das je unsterblich wurde. Von ihm will Gilgamesch wissen, wie man die Unsterblichkeit erlangt. So groß ist die Angst von Gilgamesch vor dem eigenen Tod.

Bei Uta-napischti handelt es sich um einen Mann, der wie Noah in seiner Arche eine Sintflut überlebt hat und unsterblich wurde. Die Parallelen zwischen dem Sintflut Mythos der Babylonier und der hebräischen Bibel sind verblüffend. Die aktuelle Forschung geht von einem starken Einfluss auf die jüngere biblische Erzählung aus.

Schließlich erreicht Gilgamesch am östlichen Ende der Welt den Eingang zur Sonnenbahn um die Erde und zur jenseitigen Welt. Der wird von Wesen bewacht, auf deren skorpionartigen Unterleib ein menschlicher Oberkörper sitzt. Die Frau des Skorpionmanns hat Bedenken, Gilgamesch einzulassen. Doch der Skorpionmann sieht in Gilgamesch eher einen Gott – man erinnere sich, dass Gilgamesch zu 2/3 ein Gott und zu 1/3 ein Mensch ist. Die Tontafel ist leider nur teilweise erhalten. Daher ist nicht bekannt, wie Gilgamesch die Skorpionmenschen dazu brachte, die jenseitige Welt betreten zu dürfen.

Zwölf Doppelstunden lang durchmisst Gilgamesch die um die Erde laufende Bahn der Sonne. Gerade noch rechtzeitig erreicht er vor der Sonne das Ende der Bahn und betritt die Welt der Unsterblichen, die als bezaubernder Edelsteingarten bezeichnet wird.

Tafel 10

In der jenseitigen Welt sieht Ischtar, die ja die Stadtgöttin von Uruk ist, den nahenden Gilgamesch. Sie gibt sich ihm gegenüber aber als Siduri, die Wirtin aus. In Vortäuschung der Angst vor Fremden verrammelt sie das Haus und steigt auf das Dach. Gilgamesch verlangt Einlass, allerdings ohne Gewalt anzudrohen. Die Göttin verneint und verwickelt ihn in ein Gespräch über seine Vergangenheit und wonach er strebt.

Gilgamesch gibt sich aber keineswegs demütig, wie aufgrund der vergangenen Ereignisse zu vermuten wäre. Vielmehr prahlt er mit seinen Heldentaten. Ischtar fragt daraufhin Gilgamesch spöttisch, warum er denn so heruntergekommen hier vor ihr steht, wenn er doch der große Held ist. Da erst gibt sich Gilgamesch zu erkennen und gesteht, dass ihn die Angst vor seinem eigenen Tod hierhergeführt hat. Er fragt die Göttin, wie er Uta-napischti finden kann. Ischtar beschreibt ihm den Weg, lässt aber keine Zweifel daran, dass der Weg für menschliche Wesen unüberwindbar ist. Die „Wasser des Todes“ versperren den Zugang zur mesopotamischen Variante des Noah.

Am Ufer des Meeres ist aber Ur-schanabi zu finden, der Fährmann des Uta-napischti. Zusammen mit den „Steineren Wesen“ ist er in der Lage, die Wasser des Todes zu überwinden. Dazu müssen die Steinernen Wesen hohe Zedern fällen, die als Stocherstangen für die Fahrt durch die Wasser des Todes dienen. Diese sind so lebensfeindlich, dass jede Stange nur einmal verwendet werden kann. Doch mit der Kraft der Steinernen Wesen ist es für den Fährmann kein Problem.

In seiner immer noch ungestümen und selbstsüchtigen Art stürzt sich Gilgamesch auf den Fährmann Ur-schanabi und bringt ihn in seine Gewalt. Die Steinernen Wesen sichern darauf hin die Fähre. Sogar das Meer selbst greift in den Kampf ein, so dass sich Gilgamesch plötzlich von Wasser umgeben sieht und die Fähre sich vom Ufer entfernt. Gilgamesch zerschlägt die Eisernen Wesen und sichert die Fähre. Schließlich aber wird Gilgamesch von Ur-schanabi mit erhobener Axt bedroht.

In dieser Situation setzt eine Wandlung bei Gilgamesch ein. Zum ersten Mal verzichtet er auf den rücksichtslosen Kampf. Aufgrund dieser Zurückhaltung beendet Ur-schanabi den Kampf und stimmt zu, Gilgamesch zu Uta-napischti zu bringen. Da Gilgamesch die Steinernen Wesen zerstört hat, muss er die Zedern nun selbst fällen und zu Stangen verarbeiten, 300 Stück an der Zahl. Die Überfahrt wird trotzdem zu einem Problem. Gilgamesch ist bei weitem nicht so stark wie die Steinernen Wesen. Daher kann er die Fähre nicht mit der Kraft voranbringen, wie es notwendig wäre. So sind die Stocherstangen verbraucht, als sich die Fähre noch mitten in den Wassern des Todes befindet. Doch in ihrer Verzweiflung erfinden Gilgamesch und der Fährmann das Segel. Mit Hilfe des Winds erreichen sie nun das Ufer des Uta-napischti.

Sobald Gilgamesch das Ufer betritt, bestürmt er Uta-napischti mit seinen Fragen über die Sintflut und die Unsterblichkeit. Dieser aber reagiert nur mit Unverständnis über das Verhalten und die Fragen. Er fragt Gilgamesch, warum er so selbstsüchtig ist und „der Trübsal ständig hinterher jagt“. Als König muss er für sein Volk da sein. Außerdem sei Gilgamesch doch von den Göttern reich beschenkt worden. Die ihm gegebenen Gaben solle er gefälligst für seine Schutzbefohlenen einsetzen. Außerdem hat Gilgamesch dafür zu sorgen, dass die alten, seit der Sintflut vergessenen Kult- und Opferregeln wiederhergestellt werden. Nur so kann es zur alten Ordnung zwischen den Göttern und Menschen kommen, in der ein ausgewogenes Geben und Nehmen lag. Die Erfüllung all dieser Aufgaben bringt den eigentlichen Sinn in das Lebens, so Uta-napischti. Doch Gilgamesch ist noch nicht bereit, dies hören zu wollen.

Tafel 11

Uta-napischti erscheint gegenüber Gilgamesch wie ein normaler Mensch. Und doch ist er ein Unsterblicher. Gilgamesch will nun unbedingt das Geheimnis der Unsterblichkeit erfahren und möchte es aus Weisen herausprügeln. Aber sein Körper versagt. Da muss Gilgamesch erkennen, dass Gewalt ihn nicht zum Ziel bringt. Aus diesem Grund fragt er Uta-napischti, wie ihm es gelang, die Unsterblichkeit von der Götterversammlung zu erhalten. Diesem Beispiel würde Gilgamesch dann folgen.

Es stellt sich aber heraus, dass schon die Frage falsch gestellt ist. Denn Uta-napischti ist nur aus dem Grund unsterblich, um Autorität des Götterkönigs Enlil zu gewährleisten. Und das kam so: die Götter beschlossen, alle Menschen zu vernichten. Dieser Beschluss kam von Enlil, der sich aufgrund der schieren Menge an Menschen in seiner göttlichen Ruhe gestört fühlte. Die Götter schickten eine Weltenflut, die alles hinfortspülen sollte. Doch Ea, der Gott der Weisheit und Schutzgott von Uta-panischti schickte diesem einen Traum, in dem er die Anweisung gab, dass Uta-panischti eine Arche bauen soll. In ihr sollten die Tiere, Uta-panischtis Familie und Vertreter aller Künste gerettet werden.

Als die Flut wieder zurückging, brachte Uta-napischti ein Opfer dar. Die Götter wurden von diesem Opfer angezogen. Denn sie bereuten schon ihr Vernichtungswerk und standen nun ohne die Opfer da, die vorher von den Menschen dargebracht wurden. Eigentlich war es nur der Götterkönig, der verärgert darüber war, noch Menschen vorzufinden. Der machte dem Weisheitsgott Ea große Vorwürfe, seine Autorität untergraben zu haben. Da Ea die Menschen aber nicht direkt warnte, hatte der Götterkönig keine Handhabe gegen ihn. Um dieses Dilemma zu lösen, musste Enlil dem Uta-napischti und dessen Frau die Unsterblichkeit gewähren. Nur so konnte er seinen unabänderlichen Entschluss verwirklicht sehen, die gesamte sterbliche Menschheit durch die Flut auszulöschen. Außerdem konnte verhindert werden, dass sich der Weisheitsgott Ea gegenüber der Göttergemeinschaft als abtrünniger und gegenüber seinem Schutzbefohlenen (Uta-panischti) als wortbrüchiger Gott verantworten musste. Schließlich beschlossen die Götter, zukünftig nur diejenigen Menschen zu bestrafen, die sich eines Vergehens schuldig gemacht haben. Diese sollen den Tod durch Raubtiere, Hungersnot oder Seuchen ereilen.

Nun muss Gilgamesch erkennen, dass der babylonischen Noah die Unsterblichkeit nur deswegen erhalten hat, um die aus den Fugen geratene Menschen- und Götterwelt wiederherzustellen. Niemand wird aus selbstsüchtiger Angst vor dem Tod die Göttergemeinschaft dazu bringen, die Unsterblichkeit an einen Menschen zu geben.

Uta-napischti erteilt dem Gilgamesch eine weitere Lehre: Derjenige, der nicht einmal den Schlaf besiegen kann, darf nicht erhoffen, den Tod zu überwinden. Die Probe, sechs Tage und sieben Nächte nicht zu schlafen, kann Gilgamesch nicht bestehen. Er muss einsehen, dass er dem Schicksal seines Todes nicht entkommen kann.

Die Geschichte geht aber noch weiter. Uta-napischti belegt den Fährmann Ur-schanabi mit einem Bann, da dieser einem Sterblichen den Zutritt zu der Welt der Unsterblichen gewährt hat. Ur-schanabi und Gilgamesch müssen dieses Land verlassen und dürfen nie wieder zurückkehren. Gilgamesch soll nun wieder zu seinem Volk in der Stadt Uruk zurückkehren und seinen Pflichten als König nachkommen.

Der babylonische Noah erteilt Gilgamesch noch eine weitere Lehre: Er erzählt dem König von einer Pflanze, die zwar nicht das ewige Leben, immerhin aber die dahingegangene Jugend gewährt. Gilgamesch gräbt tief nach der Pflanze bis in die „Unterirdischen Wasser“, die Quellen, Flüsse und Grundwasser speisen. Dort findet er die Pflanze und nimmt sie mit auf seine Rückkehr nach Uruk. Unterwegs wird ihm die Pflanze allerdings von der Schlange entwendet und von dieser gegessen. Sogleich wirft sie ihre Haut ab und verjüngst sich so.

Gilgamesch, zuerst der Hoffnung auf das ewige Leben beraubt, verliert nun auch die Möglichkeit der zweiten Jugend. Als er merkt, dass ihm sowohl die Rückkehr zum Standort der Pflanze als auch die Wiederkehr in das jenseitige Reich der Unsterblichen verwehrt sind, erkennt Gilgamesch, dass er einfach nur im Land des Uta-napischti hätte bleiben müssen, um in den Genuss der Unsterblichkeit zu gelangen. Doch Gier und menschliche Verblendung haben dies verhindert. Die fehlende Möglichkeit der Rückkehr eines Menschen zu den Unsterblichen steht als Sinnbild dafür, dass die letzte Brücke zwischen dem Lebensbereich der Menschen und dem Land der Unsterblichen gekappt wurde.

Nachdem Gilgamesch nun glaubt, alles wofür er gekämpft hat verloren zu haben, ist er frei, sich auf die Ratschläge und Lehren des Uta-napischti zu besinnen. Zusammen mit dem Fährmann kehrt er nach Uruk zurück. Gilgamesch zeigt ihm die gewaltigen Mauern der Stadt, die es der Menschheit erst ermöglichen, geschützt zu leben und Kultur zu entwickeln. Gilgamesch gelangt nun zur Weisheit, sich als „Guter Hirte“ um sein Volk zu kümmern. So wird er sich ewigen Ruhm erwerben. Er baut die von Sintflut zerstörten Tempel und Heiligtümer wieder auf und führt die vergessenen Kultordnungen und Riten wieder ein.

Auch wenn Gilgamesch von den Göttern die Unsterblichkeit verweigert wurde, nahmen sie ihn nach seinem Tode in ihre Reihen auf.

Tafel 12

Die Erzählung des Gilgamesch beginnt in Tafel 1 und endet in Tafel 11. Die 12. Tafel ist als Anhang zu sehen. In diesem findet sich die babylonische Übersetzung einer sehr viel älteren Fassung des Gilgamesch Epos, die ursprünglich in sumerischer Sprache verfasst war. Sie weicht von der oben dargestellten Geschichte z.T. erheblich ab. So stirbt dort Enkidu nicht aufgrund eines Fluchs der Stadtgöttin Ischtar, sondern, weil er sich in die Unterwelt begibt, um das „Spielzeug“ von Gilgamesch wiederzuholen. Der Gott der Weisheit, Ea, hat dieses nämlich in einer Erdspalte verschwinden lassen, weil sich die Menschen Uruks über das Verhalten von Gilgamesch laut beschwerten. In dieser Version wird auch sehr ausführlich über die Daseinsform des Menschen nach seinem Tode geschrieben. Darin wird auch gemahnt, dass nur derjenige ewige Ruhe finden kann, den die Angehörigen den alten Riten nach bestatten und mit Totenopfern regelmäßig versorgen.

(1) Entnommen aus „Das Gilgamesch-Epos“, Neu übersetzt und kommentiert von Stefan M. Maul., C.h. Beck.

Fortsetzung mit der Sage des Orion im 2. Teil.

2 Gedanken zu “Orion: vom Gilgamesch zum griechischen Helden mit vielen Geschichten (Teil 1)

  1. Eckehart Herklotz

    „Eine Frau nimmt sich einen Tapir zum Geliebten“
    Tapire gibt es meines Wissens nur in der neuen Welt. Ist das ein Übersetzungsfehler oder verbirgt sich dahinter etwas, was noch zu deuten wäre?
    Eckehart

    1. Diese Geschichte kommt aus dem Sprachraum Akawaio. Es es eine karibische Sprache und wird noch in Südamerika gesprochen. Es passt also. Man sieht hier, welche geographische Strecke Mythen z.T. zurücklegen können.

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