Was hat Pokern mit Aufwandsschätzung für Projekte zu tun?

Böse gesagt: für manche Menschen sind beides Glücksspiele.

Aber Spaß beiseite. Aufwandsschätzungen stellen für Projekte die Grundlage dar, die notwendigen Personen, Einsatz- und Geldmittel zu prognostizieren. Gerade bei Projekten mit erheblichem Personenaufwand, wie z.B. Programmierprojekte, stellt der Arbeitsaufwand der beteiligten Projektmitarbeiter die wesentliche Größe dar. Die Schätzung wird i.d.R. nach Projektphasen oder Teilaufgaben gegliedert.

Für die Aufwandsschätzung haben sich verschiedene Methoden herausgebildet. Eine davon stellt die Schätzklausur dar. In ihr erfolgt in einer strukturierten Abstimmungssitzung mit Fachleuten die Schätzung der einzelnen Arbeitspakete. Diese werden nacheinander durchlaufen. Nach der Vorstellung des Arbeitspakets schreiben die Fachleute ihre Schätzungen anonym auf Karten. Danach werden die Karten aufgedeckt und diskutiert. Insbesondere wenn der kleinste und größte Wert stark voneinander abweichen.

Hier würde nun Poker ins Spiel. Beim Stöbern im Netz bin ich auf den Begriff Planning Poker bei Guerilla Projektmanagement gestoßen. Hier wird das Schreiben des geschätzten Aufwands auf eine Karte durch vorgegebene Spielkarten ersetzt. Die Spielkarten enthalten aber nicht durchgängig beliebige Zahlen. Vielmehr wird eine Fibonacci Sequenz verwendet, z.B. 0, 1,2, 3, 5, 8, 13, … Je nach Kartendeck geht es dann weiter oder es werden dann Sprünge auf glatte 10-er Zahlen genommen, z.B. 13, 20, 40 und 100.

Die Zahlen entsprechen dem Aufwand in Stunden oder Tagen. Eine Null zeigt an, dass für die Realisierung keine Zeit in Anspruch genommen wird. D.h. die Lösung ist in der Regel schon da. Ein Fragezeichen wird benutzt, um anzuzeigen, dass man überhaupt keine Vorstellung über die Höhe des Aufwands hat.

Es gibt mehrere Gründe, keine durchgängige Zahlenreihen zu verwenden. Erstens liegt immer eine Portion Unsicherheit in den Aufwandsschätzungen. Es hat einfach keinen Sinn, eine Scheingenauigkeit vorzugaukeln. Wenn der Schätzer der Meinung ist, dass der Aufwand z.B. 6 Tage betragen soll,  er aber nur die Karten 5 oder 8 ausspielen kann, muss er sich genauer Gedanken machen. Ist er der Meinung, dass die Schätzung für das Arbeitspaket mit größeren Unsicherheiten behaftet ist, muss er die 8 spielen. Ist er sich seiner Sache sehr sicher, wird er eher die 5’er Karte nehmen.

Je größer der Aufwand ist, um so größer sind die Abstände zwischen den einzelnen Zahlen der Kartensequenz. Wenn die Zahlen 13 und 20 im Kartenset vorgegeben sind, erübrigt sich eine „innere“ Diskussion, ob das Arbeitspaket nun 18, 19 oder 21 Tage benötigt. Es ist dann halt die Karte 20 einzusetzen.

Die großen Abstände ab der 20 (20, 40, 100) sollen die Schätzer auch zum Überlegen bringen, ob das gerade betrachtete Arbeitspaket nicht evtl. in kleinere Pakete unterteilt werden sollte.

Ich habe mein Kartendeck übrigens bei Crisp.se gekauft. Es war sehr lustig in der Bestellannahme zu lesen, dass die Lieferung ca. 8 Wochen dauern kann. Es war Sommerzeit in Skandinavien und da werden die Länder halt komplett geschlossen 😉 Die Kartensets kamen dann aber doch nach einer Woche. Ich hatte Glück, die Bestellung am Ende der Ferien aufzugeben.

Im englischsprachigen Wikipedia findet man weitere Informationen zum Planning Poker.

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