Dieser Blockartikel reit sich in meine Reihe „Geklemmte Astronomie mit der alpinen Sternwarte“ ein. Die alpine Sternwarte ist ein Klemmbaustein-Set der Firma Lumibricks mit vielen Bauelementen, die astronomische Themen repräsentieren. Ich möchte daher Informationen zu diesen Themen mit der Erfahrungsbericht für dieses Set verknüpfen. Die bisherigen Beiträge sind:
- Startartikel: Klemmst Du noch oder astronomisierst Du schon?
- Thema 1: Licht in der Astronomie
- Thema 2: Voyager Raumsonden – Alles V’ger oder was?
- Thema 3: Beobachtungsnächte, Hobby-Astrofotografie und heiße Getränke
- Thema 4: Urknall und Entwicklung des Universums
- Thema 5: Dieser Artikel
Heute steht das Thema „Gravitationswellen“ im Fokus. Den nachfolgenden Baustein mit dem Aufdruck interpretiere ich mal als abstrahierte Darstellung der Gravitationswellen:

Es handelt sich noch um den gleichen Bauabschnitt vom vorigen Artikel “Urknall und Entwicklung des Universums“. Aus diesem Grund verweise ich auf meine Anmerkungen zur Bauerfahrung und den sogenannten „honorable Mentions“ dort.
Ich zeige hier noch einmal zwei Bilder vom fertig gestellten Stockwerk:


Gravitationswellen
Übersicht
Was sind Gravitationswellen?
- Kräuselungen der Raumzeit, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten
- Entstehen durch beschleunigte Massen, vor allem bei extremen kosmischen Ereignissen.
- Aber: Nicht jede beschleunigte Masse erzeugt messbare Gravitationswellen – im Alltag sind die Effekte extrem winzig.
- Vergleich: wie Wellen auf einer Wasseroberfläche – nur eben im Raum selbst.
- Transportieren Energie, aber keine Materie.
Warum sind Gravitationswellen so wichtig?
- Völlig neuer Zugang zum Universum („Hören“ statt nur „Sehen“)
- Beobachtung von Objekten, die kein Licht aussenden
- Tests der Allgemeinen Relativitätstheorie unter Extrembedingungen
- Einblicke in:
- Entstehung Schwarzer Löcher
- Zustand von Materie bei extremen Dichten
- Perspektivisch, derzeit nur theoretisch: Frühphase des Universums
Historischer Hintergrund: Von der Theorie zur Beobachtung
- Vorhersage durch Albert Einstein im Jahr 1916
- Lange Zeit rein theoretisches Konzept
- Indirekte Hinweise ab den 1970er-Jahren (z. B. Doppelsternsysteme)
- Direkter experimenteller Nachweis erst im 21. Jahrhundert möglich
Wie entstehen Gravitationswellen?
- Beschleunigte, asymmetrische Massenbewegungen notwendig. Also Bewegungen, die nicht perfekt gleichmäßig oder kugelsymmetrisch sind.
- Typische kosmische Quellen:
- Zwei Schwarze Löcher, die sich spiralförmig umkreisen und schließlich verschmelzen.
- Neutronensterne, die sich gegenseitig verzerren, bevor sie kollidieren
- Theoretisch möglich, bisher aber noch nicht eindeutig beobachtet: Supernova-Explosionen, bei denen riesige Sternmassen plötzlich umverteilt werden.
- Je massereicher und schneller die Bewegung, desto stärker das Signal
- Es gehören gewaltige Massen dazu, Gravitationswellen zu erzeugen, die auch wirklich gemessen werden können
Wie kann man Gravitationswellen messen?
- Messung winziger Längenänderungen (kleiner als ein Atomkern)
- Einsatz von Laserinterferometern
- Prinzip:
- Ein Laserstrahl wird aufgeteilt und durch zwei senkrechte, kilometerlange Tunnel geschickt
- Die Strahlen werden reflektiert und wieder zusammengeführt
- Eine vorbeiziehende Gravitationswelle verändert minimal die Länge der Tunnel in unterschiedlicher Weise
- Dadurch verschiebt sich das das charakteristisches Hell-Dunkel-Muster des Lichts (Inferenzmuster) auf der Fläche, auf der beide Laserstrahlen auftreffen.
- Wichtig: Abschirmung von Erdbeben, Verkehr, Temperaturschwankungen
Die ersten Entdeckungen
- Erster direkter Nachweis im Jahr 2015
- Messung durch das Observatorium LIGO
- Signal stammte von der Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher
- Bestätigung einer zentralen Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie
- Siehe: „Die Entdeckung des ersten Gravitationswellen-Signals“ vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik, Teilinstitut Hannover
Weitere Detektoren und internationale Zusammenarbeit
- Europäischer Detektor Virgo ergänzt die Messungen
- Mehrere Detektoren erlauben:
- genauere Ortsbestimmung der Quelle
- höhere Messsicherheit
- Globale Kooperation von hunderten Forschenden
Gravitationswellen-Astronomie: Ein neues Fenster zum Kosmos
- Ergänzt klassische Astronomie (Licht, Radio, Röntgenstrahlung)
- Kombination mehrerer „Boten“: Licht + Gravitationswellen
- Ermöglicht ein vollständigeres Bild kosmischer Ereignisse
Blick in die Zukunft
- Geplante weltraumgestützte Detektoren wie LISA
- Messung niederfrequenter Gravitationswellen
- Beobachtung supermassereicher Schwarzer Löcher
- Möglichkeit, Signale aus der Frühzeit des Universums zu erfassen
Auswahl an weiterführenden Artikeln und Podcasts
Online Artikel
- „Gravitationswellen“ – Welt der Physik
- Überblick über Gravitationswellen, ihre Entdeckung und Bedeutung in der modernen Physik, mit verständlicher Sprache für Laien.
- „Was sind Gravitationswellen?“ – Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
- Erklärung mit eingängigen Bildern (z. B. Matratzen-Metapher), ideal für Einsteiger.
- Gravitationswellen – Lexikonartikel (Spektrum.de)
- Kürzere wissenschaftliche Erklärung der Grundidee und der Ursache von Gravitationswellen, gut als ergänzende Referenz geeignet.
Podcast Episoden
- „Folge 360 – Gravitationswellen“ (Podcast „Welt der Physik“)
- Einführung in Gravitationswellen, wie sie entdeckt wurden und was sie über das Universum verraten. Von Frank Ohme vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik.
- „CL055 Gravitationswellen: Erschütterungen der Raumzeit“ (Podcast Cosmic Latte)
- Erklärung der Grundlagen: Was sind Gravitationswellen, wie entstehen sie und warum dauerte der Nachweis so lange?
- „RES078 Gravitationswellen“ (Resonator-Podcast)
- Gut verständliche Diskussion über Gravitation, Gravitationswellen, Schwarze Löcher und Neutronensterne.
- Gut verständliche Diskussion über Gravitation, Gravitationswellen, Schwarze Löcher und Neutronensterne.
Weitere Elemente mit Astronomiebezug (honorable Mentions) und Bauerfahrung
Wie anfangs erwähnt, können diese Informationen im vorigen Blogartikel Urknall und Entwicklung des Universums nachgelesen werden, da es sich um den gleichen Bauabschnitt handelt. Da mir die ausgewählten Themen wichtig waren, habe ich sie in zwei Artikel aufgespalten.
