First Light meiner ersten (richtigen) Astrokamera am 23.08.19 als Basis für die Verwendung unter Stellarmate

Bisher habe ich Mond, Planeten und Sonne mit dem Smartphone aufgenommen. Das Problem mit den Smartphones ist, dass die Hersteller ihre Produkte mit immer „größerer Intelligenz“ bei der Foto- und Videofunktionalität ausstatten. D.h. die Fotos werden vom Prinzip her immer mehr verfälscht, was für die Astrofotografie ehrlich gesagt ziemlich scheiße ist. So kommt man, ein gewisses finanzielle Polster vorausgesetzt, dann doch nicht um für die Astronomie geeignete Kameras herum, selbst bei reiner Planetenfotografie.

Des Weiteren kann bei den Astrokameras auf Okulare verzichten werden. Somit vermeidet man zusätzliche bildverschlechternde Optikelemente. Dazu kommt, dass ich gerne auch in die Deep Sky Fotografie einsteigen möchte, auch wenn dies in einer extrem lichtverschmutzten Stadt sehr schwierig wird.

Ich entschied ich mich für die ZWO Kamera ASI 385 MC Color. Kurz nach Ankunft der Kamera war der Himmel tatsächlich frei, so dass ich sie gleich ausprobieren konnte. Das Setup war simpel: die Kamera wurde auf dem Zenitspiegel angebracht. Dafür benötigte ich noch den 1,25“ Adapter am Zenitspiegel, da dieser auch für 2“ Okulare geeignet ist. Das Setup war wie folgt:

  • Teleskop: Celestron NexStar 8 SE
  • ASI ZWO Kamera am Zenitspiegel. Dieser ist eigentlich nicht erforderlich. Ich hätte mit meinem derzeitigen Zubehör die Kamera aber nicht direkt hinter dem Okularauszug anbringen können.
  • Verbindung der Kamera per USB-Kabel an unser 7 altes MacBook Pro. Dort habe ich die Software ASICAP installiert, mit der man Fotos und Filme aufnehmen kann. Die USB Verbindung war hierfür schnell genug. Die Kamera läuft auf USB3
  • Kein ADC Prisma. Ich wollte keine Zeit mit dem Einstellen verbringen, weil der Jupiter jetzt doch recht schnell untergeht. Daher sieht man in den Bildern auch recht deutlich die Farbsäume.
  • Für die Bilder wurde jeweils ein 30-Sekunden Video aufgenommen. Dieses wurde mit autostakkert 3 gestackt. Mit Affinity Photo erfolgte eine Nachbearbeitung des Kontrasts. Die Endresultate wurden beschnitten.
Jupiter - gestackt und nachbearbeitet

Jupiter – gestackt und nachbearbeitet

Saturn - gestackt und nachbearbeitet

Saturn – gestackt und nachbearbeitet

Hier einige Eindrücke der Aufnahmequalität während des Livestreaming in Facebook. Die Video wurden von Facebook heruntergeladen und in mein Blog hochgeladen:

Wenn ich dies mit meinen Sommeraufnahmen (z.B. hier) vergleiche, sind es Welten. Die Planeten stehen in unseren Breiten sehr tief. Das verschlechtert die Beobachtungsbedingungen erheblich. Mit der ASI Zwo Astrokamera konnte ich dennoch die Planeten viel besser erkennen, als bei meinen vorigen Beobachtungen und Aufnahmen. Auch wenn das Seeing heute scheinbar besser war, als während der vergangenen Sessions. Im Wesentlichen kommt der Unterschied zwischen den Ansätzen Astrokamera und Smartphone zum Ausdruck. Denn beim Smartphone muss ich immer noch ein Okular hinzunehmen. Dieses beeinträchtigt das Seeing anscheinend signifikant.

Eigentlich wollte ich die Kamera ja gleich mit meiner weiteren Neuerwerbung Stellarmate nutzen. Doch hier ist die Lernkurve sehr steil, was die Nutzung der einzelnen Module angeht. So verzichtete ich erst einmal darauf. Immerhin hatte ich das Software Image (habe nur das Stellarmate OS ohne Minirechner gekauft) auf einem meiner Raspberry Pi erfolgreich aufgespielt und eingerichtet. Und die Kombination Raspberry PI samt Kamera ließ sich mühelos 12-14 Std. am Stück an meinen Akkupacks betreiben. Im folgenden Bild sieht man die Stromversorgung über den Celestron Akkutank. Damit spart man sich das Verlegen von Steckerleisten auf der Balknonterrasse:

Raspberry Pi und ASI Zwo Kamera am Akkutank

Raspberry Pi und ASI Zwo Kamera am Akkutank

Als Nachtrag muss ich folgendes zu dieser Hardwarekonstellation hinzufügen: der Raspberry Pi mit seinen USB2 Anschlüssen ist doch recht schwachbrünstig für diese Kamera. Ich komme nur auf eine Framerate von 7-10 Bildern pro Sekunde, die der Rechner verarbeiten kann. Und bei der Aufnahme stelle ich fest, dass 40-80% der von der Kamera gesendeten Frames verloren gehen, je nach Parametrisierung der USB Schnittstelle in der Stellarmate Software. Ich warte daher gespannt auf meinen bestellten Raspberry Pi 4, der in meiner gewünschten Speicherkonfiguration scheinbar auf Wochen ausverkauft ist.

Weitere Aufgaben in meinem Backlog:

  • Kauf einer Barlowlinse. Denn anders als mit dem afokalen Ansatz mit dem Smartphone kann ich ohne Okular keine Vergrößerung variieren. Für Empfehlungen bin ich dankbar.
  • Warten auf das USB-AUX Kabel für die Goto-Steuerung meines Teleskops über Stellarmate. Damit könnte ich die gewünschten Beobachtungsobjekte mit dem Teleskop bei angeschlossener Kamera supergenau ausrichten, sofern ich die Software dann mal richtig verstanden habe. Stichwort „http://astrometry.net“ 😀
  • Sobald ich die ersten beiden Punkte im Griff habe, geht es natürlich dann darum, die Grenzen der Astrofotografie im lichtverschmutzten Berlin auszustesten.
  • Prüfen, ob ich die Automatisierung per Stellarmate auf die Fokussierung ausweite.
  • Da ich ja schon Raspberrys für astronomische Themen programmiert habe (siehe meinen Twitterbot @RasPiVoNa), überlege ich mir Anwendungsszenarien für eine Art automatisierter Sternwarte. Aber das ist die fernere Zukunft 😉 Der Vorteil dieses auf Ubuntu basierenden Betriebssystems ist, dass ich es als normales Linux System nutzen kann. D.h. ich kann darauf programmieren, Sofware installieren usw. Mit dem Anschluss an ein Akkupack bekomme ich so einen handlichen Rechner an mein Teleskop.

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