Astronomie ohne Teleskop: Vorschau für September 2018

In dieser Blogartikelserie gebe ich eine Vorschau von astronomischen Ereignissen und Konstellationen, die ohne Teleskop betrachtet werden können. D.h. es werden nur das bloße Auge oder ein Fernglas benötigt.

Zu beachten:

Die Zeiten werden in mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) angegeben.

Verlinkung innerhalb dieser Serie:

Sonnenaufgang und -untergang, Mondsichtbarkeiten

Die Sonnenaufgangs- und untergangszeiten sind für Berlin:

  • 01.09.18: Aufgang: 06:16, Untergang: 19:54
  • 16.09.18: Aufgang: 06:41, Untergang: 19:19
  • 30.09.18: Aufgang: 07:05, Untergang: 18:46

Die folgende Tabelle der Monddaten wurde mit calsky.com erstellt. Sie gelten für Berlin:

Mondphasen im September 2018

Der Sternenhimmel im September 2018

Sternhimmel am 15. September 2018, 23 Uhr

Sternhimmel am 15. September 2018, 23 Uhr

Sternhimmel am 15. September 2018, 4 Uhr morgens

Sternhimmel am 15. September 2018, 4 Uhr morgens

Die erste Abbildung zeigt den Sternenhimmel am 15. September um 23 Uhr. Die zweite Abbildung stellt den Morgen des gleichen Tages um 4 Uhr dar. Beide Darstellungen sind auf den Standort Berlin ausgerichtet. Die nachfolgenden Erläuterungen beziehen sich auf den Nachthimmel der ersten Abbildung.

Das Sommerdreieck steht zwar noch mit seinen hellen Sternen Deneb, Vega und Altair in Richtung Süden markant am Himmel. Aber diese Konstellation verschiebt sich gegen Mitternacht immer weiter nach Westen. Und es wird jetzt gut sichtbar vom Herbstviereck verfolgt. Auch das Herbstviereck ist kein eigenständiges Sternbild. Es ist eine auffällige, quadratische Konstellation aus den vier Sternen Algenib, Scheat, Markab und Sirrah. Die ersten drei sind die Hauptsterne des Pegasus sind. Sirrah gehört zum Sternbild Andromeda. Es wird auch das Pegasusquadrat genannt. Diese Sternkonstellation kann schon am spätsommerlichen Nachthimmel beobachtet werden und steigt die nächsten Wochen dann bis Oktober immer höher. Beide Konstellationen sind keine offizielle Sternbilder, sondern sogenannte Asterismen.

Neu auftauchende Sternbilder

Die Sternbilder Fuhrmann(Auriga) und Stier (Taurus) zeigen sich ab September jetzt prominenter am Sternhimmel. Das Seemonster taucht aus den Tiefen des Horizonts auf Cetus (Walfisch), siehe auch die Informationen zur Perseus Sage.

Wesentliche am Himmel stehende Sternbilder und Konstellationen

Die Protagonisten der Perseus Sage sind mit Kepheus, Kassiopeia Perseus und Andromeda fast vollständig. Das Seemonster Cetus (Walfisch) komplettiert die Sage am Nachthimmel. Informationen zu dieser Geschichte habe ich in einer vierteiligen Blogartikelserie aufbereitet.

Weitere sichtbare Sternbilder, über deren mythologischen Hintergrund ich geschrieben habe, sind:

Mit Steinbock (Capricornus), Giraffe (Camelopardais), Jagdhunden (Canes Venatici), der Eidechse (Lacerta), dem Füllen (Equuleus) und dem Fuchs (Vulpecula) steht derzeit noch ein kleiner Zoo am Nachthimmel. Nicht zu vergessen sind die Sternbild Wassermann (Aquarius, Neptun) und Nördliche Krone (Corona Borealis). Die Südlichen Fische (Piscis Austrinus) und das Mikroskop (Microscopium) zeigen sich kurz über dem südlichen Horizont.

Das Sternbild Widder ist auch deswegen bekannt, weil im Zeitraum von ca. 1.800 vor Christus bis ca. 50 vor Christus der sogenannte Frühlingspunkt darin lag. Siehe dazu meinen Blogartikel zum Widder.

Das Sternbild Schild (Scutum) leitet sich übrigens nicht aus der Antike ab. Es wurde erstmals 1690 von Johannes Hevelius aufgeführt. Es ist dem polnischen König Jan III. Sobieski gewidmet, der 1683 bei der Schlacht am Kahlenberg gegen die Türkische Armee kämpfte. Es symbolisiert den Schild, den der König in der Schlacht trug. Die ursprüngliche Bezeichnung ist Scutum Sobiescianum („Schild des Sobieski“).

Leider muss man die Lichtverschmutzung in Betracht ziehen, so dass sich einige Sternbilder in der Stadt schlecht auffinden lassen. Der Drache (Draco) gehört dazu. Es nimmt zwar einen großen Himmelsbereich ein, ist aber schon unter guten Sichtbedingungen nicht leicht zu erkennen. Er wird nämlich von seinen prominenten Nachbarn wie der Großen Bärin, dem Kleinen Bären und dem Schwan dominiert.

Sich verabschiedende Sternbilder

Am westlichen Horizont ziehen sich die Sternbilder Schütze (Sagitarius), Schlangenträger (Orphiuchus) & Schlange (Serpens) und Bärenhüter (Bootes) jetzt so langsam unter den Horizont zurück. Das Haar der Berenike (Coma Berenices) ist in der zweiten Monatshälfte nicht mehr sichtbar.

Asterismen

In der Abbildung des Sternhimmels oben habe ich neben dem Sommerdreieck und Herbstviereck weitere Asterismen in Gelb eingezeichnet. Als Asterismen werden diejenigen Sternkonstellationen bezeichnet, denen ein Bild oder eine Bedeutung zugeordnet wurde, welche aber nicht offiziell von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) definiert wurden. Näheres dazu ist in meinem Blogartikel „Von Sternbildern, Tierkreiszeichen und Asterismen“ beschrieben:

  • Der Große Wagen dürfte der bekannteste Asterismus sein. Er ist der Kernbestandteil vom Sternbild Der Große Bär / Die große Bärin Ein mehr im englischen Sprachraum bekannter Asterismus ist der Schöpflöffel (Big Dipper). Dieser entspricht fast dem Großen Wagen, wenn man von der oberen Verbindungslinie des Kastens absieht. Auch in China ist diese Sternkonstellation als „Nördlicher Schöpflöffel“ bekannt.
  • Der Kleine Wagen (Little Dipper) ist die kleinere Version des Schöpflöffels bzw. Großen Wagens.
  • Das offizielle Sternbild Kassiopeia kann zu Kassiopeias Stuhl vervollständigt werden. Das passt  zum mythologischen Hintergrund dieser Figur. Denn Poseidon bestrafte die Eitelkeit der Kassiopeia, nachdem Perseus ihm die ursprüngliche Strafe vereitelt hatte, die Tochter Andromeda vom Meerungeheuer fressen zu lassen.  Kassiopeia muss im Himmel kopfüber auf ihrem Stuhl / Thron sitzen, was im Altertum als generell als Gottestrafe angesehen wurde.
  • Das Kreuz des Nordens: es bildet wesentliche Teile des Sternbilds Schwan ab. Und im Gegensatz zum berühmten Kreuz des Südens ist es groß und sehr gut zu erkennen. Der sehr auffällige Stern Deneb steht am Kopfende des Kreuzes und Sternbilds. Die Längsachse stellt den langen Hals und den Rücken des Schwans dar. Die Flügel sind der Querbalken.
  • Job’s Coffin: Obwohl weithin bekannt, ist die Namensherkunft dieses Asterismus ungeklärt. Eine Möglichkeit wäre der Bezug zum alten Testament und dem Propheten Jona bzw. Jonas. Dieser flieht vor der Berufung durch Gott, wobei er auf der Flucht per Schiff bei einem von Gott verursachten Sturm in das Meer springen muss. Dort wird er von einem großen Fisch verschluckt. Nach drei Tagen und Nächten des Betens wird Jona wieder ausgespuckt. Dieser Zusammenhang zum Asterismus ist aber nicht belegt. Der Begriff Coffein (Sarg) kommt wahrscheinlich von der rautenförmigen Anordnung der Sterne.
  • Im Sternbild Herkules findet sich der Asterismus Schmetterling (Butterfly).
  • Das Sternbild Bootes sieht aus wie ein großer Papierdrachen (Kite), den Kinder bei Wind steigen lassen.

Der folgende Film zeigt die Sternbilder am 1. September und den Verlauf des Sternhimmels über den Monatszeitraum:

Die Planeten

Die Positionen der Planeten im Sonnensystem am 01.09.18

Die Positionen der inneren Planeten am 01.09.18

Die Positionen der inneren Planeten am 01.09.18

Die Positionen der äußeren Planeten am 01.09.18

Die Positionen der äußeren Planeten am 01.09.18

Planeten am Morgen

Merkur

Der Merkur wird nur noch bis ca. 8. September vor dem Sonnenaufgang beobachtbar sein. Seine Auf- und Untergangszeiten für Berlin sind:

  • 01.09.18: Aufgang: 04:36, Untergang: 19:26
  • 16.09.18: Aufgang: 06:12, Untergang: 19:20
  • 30.09.18: Aufgang: 07:45, Untergang: 18:59
Planeten am Abend

Venus

Die Venus ist jetzt nur noch in der Abenddämmerung sichtbar. Da sie recht hell ist und noch weit entfernt von der Sonne steht, kann sie trotzdem gut erkannt werden. Die Auf- und Untergangszeiten der Venus für Berlin sind:

  • 01.09.18: Aufgang: 10:48, Untergang: 20:43
  • 16.09.18: Aufgang: 11:01, Untergang: 19:49
  • 30.09.18: Aufgang: 10:48, Untergang: 18:53

Mars

Die Untergangszeiten des Mars gehen immer weiter Richtung Mitternacht. Er ist also am Morgenhimmel nicht mehr zu sehen. Die Auf- und Untergangszeiten des Mars für Berlin sind:

  • 01.09.18: Aufgang: 19:02, Untergang: 01:58
  • 11.09.18: Aufgang: 18:21, Untergang: 01:30
  • 30.09.18: Aufgang: 17:11, Untergang: 00:57

Jupiter

Der Jupiter ist nur noch ca. 2 Stunden nach Sonnenuntergang zu sehen. Seine Auf- und Untergangszeiten für Berlin sind:

  • 01.09.18: Aufgang: 12:47, Untergang: 21:57
  • 11.09.18: Aufgang: 12:16, Untergang: 21:21
  • 30.09.18: Aufgang: 11:20, Untergang: 20:14

Saturn

Der Saturn verlagert seine Sichtbarkeiten in die frühen Nachtstunden. Seine Auf- und Untergangszeiten für Berlin sind:

  • 01.09.18: Aufgang: 16:40, Untergang: 00:25
  • 11.09.18: Aufgang: 16:01, Untergang: 23:46
  • 30.09.18: Aufgang: 14:48, Untergang: 22:33

Spezielle Ereignisse

02.09.18, ab 23:30 bis in den Morgen des 03.09.18 – Mond zieht nahe an Aldebaran vorbei

Wer die Geduld hat, kann die Durchquerung des Mondes durch die Hyaden und seinen Vorbeigang beim Stern Aldebaran in der Nacht vom 2. zum 3. September beobachten. Allerdings geht der Mond erst nach 23 Uhr auf. Aus diesem Grund wird die Hyadendurchquerung nicht vollständig zu beobachten sein.

08.09.18, ca. 05:40 Uhr – Letzte Morgensichtbarkeit der abnehmenden Mondsichel

An diesem Morgen ist die schmale Mondsichel das letzte Mal vor dem Neumond knapp über dem östlichen Horizont sichtbar. Dafür muss aber ein kurzer Zeitraum kurz vor Sonnenaufgang abgepasst werden:

Letzte Morgensichtbarkeit vor dem Neumond

Letzte Morgensichtbarkeit vor dem Neumond

09.09.18, 20:01 Uhr – Neumond

Am 09. September um 20:01 Uhr tritt der Neumond ein. Die Sonnen- und Mondstellung sind wie folgt:

Neumond am 09.09.18

Neumond am 09.09.18

11.09.18, ab 20:40 Uhr – Erste Abendsichtbarkeit der Mondsichel nach dem Neumond

Am Abend des 11. September besteht die Möglichkeit, zum ersten Mal die Mondsichel nach dem Neumond zu erblicken. Die Sichel, sichtbar in Richtung Westen knapp über dem Horizont, ist allerdings noch extrem schmal. Der Mond hat heute aber genügend Abstand zur Sonne, welche gegen 20:40 Uhr tief genug unter dem Horizont steht:

Erste Abendsichtbarkeit nach dem Neumond

Erste Abendsichtbarkeit nach dem Neumond

17.09.18, 19:13 Mond nur 1,1° von Saturn entfernt

Der Mond ist am Abend des 17. September nahe am Saturn anzutreffen. Gegen 19:13 Uhr sind sich beide Himmelsobjekte am nächsten. Sie können dann mit einem Fernglas gemeinsam gesehen werden.

Mond nahe Saturn

Mond nahe Saturn

Mond nahe Saturn

Mond nahe Saturn

17.09.18, 02:00 Uhr – Sonne tritt in das Sternbild Jungfrau ein

Am 17. September tritt die Sonne in den Himmelsbereich ein, der von der Internationalen Astronomischen Union als zum Sternbild Jungfrau zugehörig definiert wurde.

Eintritt der Sonne in das Sternbild Jungfrau

Eintritt der Sonne in das Sternbild Jungfrau

Der Begriff Sternbild ist hier bitte nicht mit dem Begriff Sternzeichen / Tierkreiszeichen zu verwechseln. Sternbild ist ein astronomischer Begriff, der sich auf tatsächlich beobachtbare Phänomene am Himmel bzw. im Weltraum bezieht. Sternzeichen / Tierkreiszeichen sind esoterische Begriffe. Näheres zur Unterscheidung dieser Begriffe ist in meinem Blogartikel „Von Sternbildern, Tierkreiszeichen und Asterismen“.

19.09.18, abends Mond nahe Mars

Am Abend des 19. September ist Mond in der Nähe des Saturn zu sehen. Diese Konstellation steht allerdings recht niedrig am Himmel. Beide Objekte werden auch schon gegen 1 Uhr nachts untergehen.

Mond in der Nähe des Saturn

Mond in der Nähe des Saturn

23.09.17, 03:54 – Astronomischer Herbstanfang

Die Tag-und-Nacht-Gleiche findet zweimal im Jahr statt. Diejenige vom März markiert den kalendarischen Frühlingsanfang und die im September läutet den Herbst ein. Die Tag-und-Nacht-Gleiche wird auch Äquinoktium genannt. In der Astronomie handelt es sich um jenen Moment, zu dem die Sonne den Himmelsäquator im Frühlings- beziehungsweise im Herbstpunkt am Himmelsäquator passiert.

In diesem Zusammenhang sollte man sich nicht von Aussagen verwirren lassen, dass der Herbst am 1. September beginnt. Dies wird kalendarischer Herbstanfang genannt. Er ist willkürlich gewählt, da er keinen Bezug zu natürlichen bzw. himmelsmechanischen Ereignissen hat. Diesen hat nur der astronomische Herbstanfang.

25.09.18, 04:52 – Vollmond

Der Vollmond tritt am 25. September um 04:52 Uhr ein:

Vollmond am 25.09.18

Vollmond am 25.09.18

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