Meine Mondbeobachtung vom 20.04.18 (Teil 2) – Reise am Terminator

Den 20. April nutzte ich für die Mondbeobachtung, wobei der Mond auf unserer Terrasse sinnvoll nur von ca. 20:15 (dunkel genug) bis fast 21:30 (Dachkante) sichtbar war. Die allgemeinen Mondaufnahmen, das Erdlicht und ein Mosaikfoto habe ich im 1. Teil meines Beobachtungsprotokolls gezeigt.

Da der Mond war an dem Abend recht jung, d.h. die Sichel nach dem Neumond noch klein war, habe ich mir die Gegend um die Tag-Nacht-Grenze genauer angeschaut. Diese Gelegenheit habe ich mir in den letzten Jahren so gut wie gar nicht genommen. Außerdem habe ich von diesem Mondalter noch kein eigenes Bildmaterial. Insgesamt sind es acht Einzelbilder geworden. Eigentlich wollte ich sie einzeln besprechen, doch ich schaffte es, sie zu einem fast kompletten Mondmosaik zusammen zu setzen. Hier gratuliere ich dem Programm Affinity Photo, denn Photoshop versagte hier aus irgendwelchen unverständlichen Gründen:

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Die Aufnahmen und Verarbeitung sind folgendermaßen vorgenommen worden:

  • Teleskop Celestron NexStar 8SE
  • Baader Hyperion Okular 36 mm (56-fache Vergrößerung)
  • iPhone X, Videos je Teilbild mit der App ProCamera erstellt
  • Videos: die Aufnahmen erfolgten mit 4-fach Zoom in der App. Ich hatte irgendwie keine Lust und auch nicht viel Zeit, das Okular von 36 mm (siehe 1. Teil meines Beobachtungsberichts) auf eines mit kleinerer Brennweite zu wechseln und damit auch das iPhone umzustecken. Die Mosaikbilder aus dem 1. Teil des Berichts entstanden aus 10 Bildern über die gesamte beleuchtete Mondoberfläche bei 2-fachem optischen Zoom des iPhone X.
  • Jedes Video wurde mit AutoStakkert! bearbeitet, so dass ein Ergebnisbild für das Mosaik entstand.
  • Zusammenfügen der acht Einzelbilder zu einem Mosaikbild (siehe auch oben).
  • Der Kontrast vom Mosaikbild wurde mit Astra Image verstärkt, um die Oberflächendetails zu verdeutlichen.
  • Das Schärfen und die Bearbeitung mitteln Gradationskurve geschah abschließend mit Affinity Photo.

Zum Start meiner Terminator-Tour sei das Mosaikbild gezeigt:

Mond vom 20.04.18 – Mosaik zum Terminator

Mond vom 20.04.18 – beschriftetes Mosaik zum Terminator

Die Tour starte beim Krater Posidonius. Dessen Wälle heben sich ungefähr 2,3 km über den Kraterboden. Der westliche Wall (linke Seite) wird schon von der noch tief stehenden Sonne angestrahlt. Der Rest vom Zentralberg (A) liegt auch im Sonnenlicht. Ebenso wird ein Teil des nördlichen Kraterbodens erhellt. Auf der östlichen Seite des Kraterbodens befindet sich ein Rillensystem (Rimae Posidonius), welches aber noch im Schatten liegt. Teile eines inneren Höhenzugs beim östlichen Kraterwall können ebenfalls erkannt werden.

In Richtung Norden geht es via Einschlagskrater im Wall des Posidonius zum Krater Daniell. Er hat eine ovale Form und sein Boden war an diesem Tag noch komplett in Schatten gehüllt. Weiter im Norden findet sich der Krater Grove. Auch hier wird der westliche Teil des Ringgebirges von innen angestrahlt, während der Rest des Kraters noch im Schatten liegt. Westlich von Grove verläuft eine Struktur, die sich durch einen Schatten scharf abgrenzt. Der nördlichere Teil oberhalb von Grove scheint eine Hochebene zu sein, die sich bis zum Krater Mason zieht. Der südwestlich von Grove sichtbare Schatten entsteht durch einen Höhenzug. Der eng bei Mason liegende Krater Plana liegt komplett auf der Nachtseite des Mondes. Nur ein kleiner beleuchteter Teil des westlichen Ringgebirges deutet sein Vorhandensein an.

Folgen wir der Tag-und-Nacht-Grenze weiter nach Norden, stoßen wir auf den Krater Burg. Mit Ausnahme der westlichen Seite reflektiert sein Wall das Licht der tief stehenden Sonne. Der Kraterboden bleibt aktuell aber dunkel.

Machen wir noch kurz einen Ausflug zu dem markanten Kraterpaar Herkules und Atlas. Herkules verfügt über tiefe terrassenförmige Kraterwälle. Solange die Sonne nicht zu hoch steht, erzeugen diese größere Schatten auf dem Kraterboden. In diesem Bild endet er kurz vor dem Einschlagskrater (G). Dieser hat einen Durchmesser von 13 km, was etwas weniger als 1/5 des Durchmessers vom Krater Herkules (69 km) entspricht. Der Krater Atlas ist mit 87 km noch größer als sein Nachbar. Im Bild deutet sich an, dass sein Boden nicht so eben ist wie der von Herkules. Atlas verfügt über ein ausgeprägtes Rillensystem.

Schließen wir unsere Nordwanderung mit den Kratern Gärtner und Democritus ab. Der Krater Gärtner ist schon stark erodiert und die südliche Seite wirkt zum Mare Frigoris hin weitgehend eingeebnet. Ein Schatten ist noch im Inneren des Kraters zu erkennen. Dabei handelt es sich um eine Mondrille (Rima Gärtner), die bei schräg stehendem Licht gut zu sehen ist. Nördlich ist des Ringgebirge vom Kraters Democritus im Sonnenlicht zu erkennen.

Zum Südpol des Mondes hin verzeichnen wir folgende Krater auf dem Terminator, welche den schon oben beschriebenen Schatteneffekten unterliegen. Natürlich kann man den Blick auch über die anliegenden Berg- bzw. Höhenformationen im Grenzgebiet zwischen Tag- und Nachseite schweifen lassen:

  • Krater le Monnier: in der Nähe der südlichen Kante ist übrigens der Landeplatz von Luna 21, einer russischen Mondmission. Lunochod 2, ein mitgeführtes Roboterauto, legte 38 Kilometer durch den Krater zurück.
  • Krater Littrow
  • Mons Vitruvius und Krater Vitruvius
  • Krater Fabroni: hier sieht man nur eine angeleuchtete Andeutung der Formation.
  • Krater Jansen
  • Krater Cajal
  • Krater Maskelyne
  • Krater Torricelli: sein Wall ist gegen Westen offen. Torricelli überlagert dort einen anderen kleineren Krater, so dass beide zusammen ein birnenförmiges Aussehen ergeben.
  • Krater Theophilus
  • Krater Cyrillus
  • Rupes Altai (Altai Furche), früher auch Altaigebirge genannt.
  • Krater Piccolomini
  • Krater Stiborius
  • Krater Riccius
  • Krater Nicolai
  • Krater Pitiscus
  • Krater Hommel mit zusätzlichen Kratern A, C, D, H
  • Krater Mutus
  • Krater Manzinus

Hier noch einige besondere Beobachtungen:

Auf Höhe des Kraters Cauchy ist westlich davon der Schatten von Rupes Cauchy zu sehen. Bei aufgehender Sonne wirft die Furche einen gut sichtbaren Schatten. Die parallel dazu, knapp östlich vom Krater verlaufende Rima Cauchy kann ich bei bestem Willen nicht sehen. Auch extreme Kontrasteinstellungen bringen diese Rille im Mondboden nicht hervor.

Wer beim Krater Maskelyne genau hinschaut, kann nach Westen hin über den Nebenkrater B einen langen kegelförmigen Schatten sehen. Der östlich von Theophilus gelegene Krater Stadler wirft ebenfalls einen längeren Schatten in Richtung seines westlichen Nachbarn. Er wirkt aber gedrungener als bei Maskelyne. Das deutet auf eine gleichmäßigere Höhenstruktur des Walls bei Stadler hin.

Der Krater Cyrillus ist noch komplett im Dunkeln und kann auf dem Bild nicht direkt gesehen werden. Doch er „verrät“ sich ein bisschen dadurch, dass auf der südwestlichen Seite (Position 7-8 Uhr) des Kraters Theophilus kein beleuchteter Wall zu sehen ist. Die Begründung ist, dass es einen Einschlag am nordöstlichen Rand von Cyrillus gegeben hat, der Teile von dessen Ringgebirge zerstört und den Krater Theophilus geschaffen hat. So gehen beide Krater quasi ineinander über.

Im Bild ist der südliche Teil des Ausläufers von Rupes Altai sichtbar. Hierbei handelt es sich um eine 480 km lange, gekrümmte Furche. Sie ist der westliche topologische Rand des Impaktbeckens Nectaris. Er reicht sogar weiter bis zum Krater Piccolomini.

Der Krater Hommel hat die Besonderheit, dass er entlang seiner ursprünglichen Ausdehnung von weiteren, später erfolgten Einschlägen gekennzeichnet ist. Dies sind im wesentlichen die Krater A, C, D, H.

Meine Tour stellt natürlich nur eine Auswahl der Geländestrukturen dar. Ich freue mich über Hinweise auf weitere interessante Gebiete, die ich auf diesem Bild bzw. bei diesem Mondalter nicht angebracht habe

Literatur:

  • Fotografischer Mondatlas, Oculum Verlag, 1. Auflage 2010, Alan Chu, Wolfgang Paech, Mario Weigand,
  • Mondatlas, Aventinum Verlag, Praha, Dritte deutsche Ausgabe 2012, Antonin Rükl,
  • Wikipedia zu vereinzelnen Kratern

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