[Update: 13.11.14, 18:00] Philae auf Komet 67P gelandet – zweimal gelandet – wieder abgehoben?

Getreu dem Motto „Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem“ möchte ich auch noch ein paar Gedanken und eine Zusammenfassung zum Status der Kometenlandung der Rosetta Mission äußern.

Heute um ca 17:00 wurde das Signal von der Landungseinheit Philae erwartet, dass sie auf dem Kometen Komet 67P/Tschurjumow-Gerasimenko gelandet ist. Nachdem die hereinkommenden Daten geprüft wurden, kam die Erfolgsmeldung (kompletter Wegcast: hier). Was ich in diesem Zusammenhang merkwürdig fand ist, dass nicht die Crewmitglieder im Fokus standen, sondern sich etliche Politiker gleich am Anfang im Licht des Erfolges sonnten. Statt nun Bilder und ggf. Kurzinterviews von den Wissenschaftlern und Technikern zu liefern, durfte man sich inhaltsleere Reden von den Politikern anhören (auch im Webcast). Immerhin haben die Teams viele Jahre auf diesen Zeitpunkt hingearbeitet.

Recht schnell kursierten allerdings Tweets im Netz, die besagten, dass die Landung doch nicht so erfolgreich oder zumindest mit Problemen behaftet war. Konkret wurde gesagt, dass die Landung zwar weich erfolgte, die Halteharpunen aber nicht auslösten. Diese sind dafür gedacht, die Landeeinheit Philae am Boden zu fixieren. Die Schwerkraft auf dem Kometen ist so gering, dass selbst Fußgänger sich ohne Probleme ins All katapultieren könnten.

Um 20:10 Uhr gab es dann eine weitere Pressekonferenz der ESA, die kursierenden Gerüchte bestätigten. Insgesamt gab sie folgende Informationen Preis:

  • Philae ist auf dem korrekten Kometen gelandet (kleiner Scherz zur Auflockerung am Anfang der Pressekonferenz).
  • Philae sendet unablässig Daten, die Wissenschaftler sind glücklich und werten sie aus.
  • Es gab Funkaussetzer, der Datenstrom kam aber immer wieder. Durch die Aussetzer dauerte es aber wohl länger als geplant, erste Informationen zu erlangen.
  • Nach der mutmaßlichen Landung, die weich erfolgte, stellte man aber eine Drehung der Raumsonde in den Daten fest. Mit der Landung stellte sich die Lagekontrolle ab. Daraus interpretiert man nun, dass sich Philae nach dem Landekontakt bewegt hat. Ggf. prallte die Sonde wohl ab und schwebte drehend über dem Boden. Evtl. ist dadurch auch der unregelmäßige Funkkontakt zu erklären.
  • Nach 2 Stunden hörte wohl die Bewegung wieder auf. Daraus interpretiert man, dass die Sonde wieder aufsetzte.

Wie in den letzten zwei Stichpunkten gesagt, interpretiert man die empfangenen Daten derart, das Philae aufsetzte, danach wieder leicht abprallte und nach zwei Stunden wieder aufsetzte. Derzeit besteht aber kein Funkkontakt für weitere Analysen mehr. Die Raumsonde Rosetta ist für die nächsten Stunden hinter dem Horizont für Philae verschwunden. Morgen hofft man, neue Informationen zu empfangen, um sich ein besseren Bild von der Situation zu machen.

Was mich verwirrt ist der unklare Zustand der Sonde. Zuerst kam die klare Erfolgsmeldung zur Landung. Es wurde auch gesagt, das die Harpunen ausgelöst wurden. Danach wurde dies allerdings als Mißverständnis wieder zurückgenommen. Kurz vor der Landung wurden Fotos von Philae aus geschossen (siehe hier). Warum werden keine Fotos vom Zeitpunkt ab der Landung gezeigt? Warum lassen sich daraus von den Wissenschaftlern keine visuellen Rückschlüsse über den Verlauf der Landung ziehen? Nirgends wurde gesagt, dass Kameras und Geräte ausgefallen sind. Fehlen evtl. noch die erwarteten Fotos, weil der Funkverkehr immer wieder unterbrochen war?

(Ironie an) Wenn man jetzt ein böser Verschwörungstheoretiker wäre, könnte man fast annehmen, dass die Kameras eine Coladose auf dem Kometen aufgenommen haben. Die Offiziellen wollen dies natürlich nicht zeigen und überlegen jetzt, wie sie dies vertuschen können (Ironie aus) 🙂

Es heißt jetzt, dass die Sonde auf dem Boden steht. Es ist sogar die Rede davon, dass die Einsschrauben unter den Landefüßen fest im Untergrund sind. Ob dies allerdings ausreicht, die Sonde auf dem Kometen zu halten, ist offen. Hintergrund der ganzen Harpunen- und Eischraubenthematik ist die geringe Schwerkraft, die auf dem Kometen herrscht. Kommt der Komet näher an die Sonne, beginnen auch seine Gas und Staubaktivitäten. Die Befürchtung ist, das die Raumsonde wieder von der Oberfläche abgestoßen wird, wenn diese Aktivitäten zu stark werden. Allerdings muss beachtet werden, dass die Gas- und Staub“fontänen“ sich nicht gleichmäßig über den Kometen verteilen und diesen Druck überall verursachen. Bisherigen Beobachtungen von anderen Sonden zufolge, treten diese Aktivitäten an einigen, eng umrissenen Stellen eines Kometenkerns auf.

Insgesamt lässt sich aber sagen, dass mit der Mission schon sehr viel erreicht wurde. Philae ist (derzeit) auf dem Kometen und erfasst schon Daten – und hoffentlich auch Bilder. Somit hat die Landeeinheit schon Aufgaben erfüllt. Selbst wenn sie auf wackligen Füßen stehen sollte, es ist eine Meisterleistung, dass die ESA es geschafft hat, Philae so punktgenau und weich auf dem Kometen landen zu lassen.

Und man sollte sich in Erinnerung rufen, dass die  Gesamtmission nicht nur aus den Auswertungen von Philae besteht. Die Kometensonde Rosetta umkreist den Kometen auch weiterhin und erfasst Daten und Bilder.

[Update 13.11.14, 7:50 Uhr]:
So wie es ausschaut, ist die Landeeinheit Philae sogar zweimal gehopst. Wir reden hier also von 3 Landungen 🙂 Diese Info wurde im Twitter Account @Philae_ROMAP bekannt gegeben. Bei ROMAP handelt es sich um Rosetta Lander Magnetometer and Plasma Monitor. Die wesentlichen Instrumente an Bord von Philae haben ihren eigenen Twitter Account.

Da die Fixierungsmechanismen bis auf evtl. die Eisschrauben nicht geklappt haben, ist es umso bewundernswerter, dass die Berechnung der Flugbahn so exakt war, dass die Sonde nicht nur fast punktgenau gelandet ist, sondern auch noch mit einer Geschindigkeit, mit der die Sonde nach bisherigen Erkenntnissen nicht abgeprallt, sondern mehr oder weniger auf dem Kometen geblieben ist.

Jetzt warten wir erst einmal auf weitere Informationen der ESA. Steht die Sonde wirklich aufrecht, steht sie einigermaßen fest, wohin hat sich sich nach dem ersten Rückprall hinbewegt (hoffentlich nicht direkt vor eine Steilwand) usw. usw.

[Update 13.11.14, 9:30 Uhr]:
Der Funkkontakt zur Landeeinheit Philae steht wohl wieder. Auch soll die Sonde auf der Oberfläche stehen. Bilder und Daten werden übertragen. Bis auf das Bild der Oberfläche von Philae Sekunden vor der Landung habe ich allerdings noch keine weiteren gesehen.

Die Infos kommen von Twitter und Online News. Auf der ESA Webseite kann ich nicht erkennen, dass dort eine kontinuierliche Information erfolgt.

[Update 13.11.14, 13:15 Uhr]:
Ein erstes Bild von Philae nach der Landung wurde veröffentlicht, siehe Artikel von Spaceflightnow.com. Allerdings sagt der betreffende Artikel auch, dass die Landesonde wohl nicht auf allen drei Beinen steht. Außerdem erzeugen die Solapanel angeblich nur für 90 Minuten Strom alle 12 Stunden.

Eine Zusammenfassung von kursierenden Informationen gibt auch Spektrum.de (siehe Artikel). Sie verweisen auf noch nicht offiziell veröffentlichte Bilder vom Landeanflug, die auf den Landeplatz verweisen.

Die ESA Webseite verweist in einem kurzen Statement Welcome to a Comet auf die Pressekonferenz um 14 Uhr MEZ. Dort soll ein Panoramabild gezeigt werden.

[Update 13.11.14, 18:00 Uhr]:
So, die Pressekonferenz ist jetzt vorbei. Nach Junior-Abholen und vor Abendessen-Machen schreibe ich noch ein paar Zeilen zu den aktuellen Erkenntnissen.

Philae steht scheinbar gekippt vor einem Klippenhang in dessem Schatten. Daher und evtl. auch aufgrund der Kipplage wird die Sonde wohl nur ca. 1,5 Std. Sonne alle 12 Stunden abbekommen. Geplant waren 5-6 Std. Derzeit zehrt die Sonde von einer nichtaufladbaren Batterie, die auf ca. 60 Std. Betrieb ausgelegt ist. Inwieweit danach die 1,5 Std. Sonneneinstrahlung ausreichen, um wenigstens einen Minimalbetrieb an weiteren Experimenten zu erlauben, ist unklar. Welche Experimente während der Batterielaufzeit ausgeführt werden können, ist noch unklar. Wegen der gekippten Position muss noch geprüft werden, inwieweit Bodenproben entnommen werden können. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass die Sonde nicht fixiert ist. D.h. durch Bohrungen kann die Lage der Sonde instabil werden. Geprüft werden Optionen, durch bestimmte ausfahrbare Gerätschaften, die Sonde aufzurichten. Dadurch erhofft man sich eine günstigere Position für mehr Sonneneinstrahlung auf die Sonnenzellen.

Die Sonde scheint beim ersten Auftreffen genau das gewünschte Zielgebiet erreicht zu haben. Allerdings hob sie durch einen unerwartet hohen Rückstoß wieder ab. Dies lag nicht an einer ungeplanten höheren Geschwindigkeit, sondern wahrscheinlich an einem unerwartet felsigen und damit harten Untergrund. Da weder Harpunen noch die Rückstoßdüse funktioniert haben, hielt nichts die Landeeinheit auf. Die Sonde schwebte dann wohl für fast 2 Std. viele hundert Meter (1km?) über der Oberfläche, bevor sie mit zwei weiteren Aufsetzern dann zur Ruhe kam.

Da die Sonde aber bisher schon eine Unmenge an Daten lieferte und sogar zusammen mit der Raumsonde Rosetta den Kometen durchleutete, wird die Landung als ein großer Erfolg gewertet. Selbst wenn etliche Experimente in den kommenden 60 Tagen nicht ausgeführt werden können, scheint es mir, dass die Landeeinheit doch viel Informationen liefern wird. Außerdem besteht ein weiterer wesentlicher Teil der Gesamtmission aus den Aktivitäten und Untersuchungen der Raumsonde Rosetta. Diese umkreist den Kometen ja auch weiterhin.

Die folgenden Links stellen eine Auswahl für die Zusammenfassung des aktuellen Status der Philae Mission dar:

 

Weitere Quellen und Informationen (vom Originalposting am 12.11.14, 22:38 Uhr):

 

Ein Gedanke zu “[Update: 13.11.14, 18:00] Philae auf Komet 67P gelandet – zweimal gelandet – wieder abgehoben?

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