Wie trotz eines misslungenen Beobachtungsabends dennoch ein langer Blogartikel entstand

Es sah für einen wolkenfreien Beobachtungsabend eigentlich sehr gut aus. Die Vorhersage sowie die Satellitenbilder versprachen für Berlin eine wolkenfreie Nacht. Die Sonnenuntergang sah schon vielversprechend aus, so dass ich das Teleskop aufbaute:

Teleskop auf Terrasse aufgebaut
Teleskop auf Terrasse aufgebaut

Doch leider kam es dann anders. Immerhin dauerte die „Beobachtungsnacht“ dann doch bis fast halb zwei. Allerdings habe das lag weniger an der Beobachtung von Himmelsobjekten, als vielmehr daran, dass ich etliche Dinge ausprobierte. Doch der Reihe nach:

Wolken, Wolken, Wolken

Leider sah es dann bei aufziehender Dunkelheit ab 21:00 sehr bescheiden aus, Wolken wohin man auch sah:

Wolken über Friedenau statt Sternenhimmel 1
Wolken über Friedenau statt Sternenhimmel 1

Nur ab und zu zeigten sich Lücken, die aber nur von kurzer Dauer waren. So zeigte sich zwar auch der Jupiter ab und zu, aber immer zu kurz für eine vernünftige Beobachtung. Und recht schnell würde Jupiter dann auchhinter unserem Dach verschwinden:

Wolken über Friedenau statt Sternenhimmel 2 - Jupiter
Wolken über Friedenau statt Sternenhimmel 2 – Jupiter

Daher stellte ich mir die Frage, ob ich das Equipment wieder wegräumen soll oder nicht. Denn die Satellitenvorschau zeigte eigentlich zeitnah einen wolkenlosen Himmel. Die Wolken zogen sich mit der Zeit auch immer mehr zurück, aber noch nicht genug, um sich ungestört die vorgenommenen Sternhaufen und Sternbilder anzuschauen. Ab ca. 23 Uhr würde dann der helle Mond über den Dächern auftauchen, so dass dann eine Beobachtung von Himmelsobjekten dann nicht mehr richtig sinnvoll gewesen wäre.

Schlechte Sichtbedingungen für den Saturn

Eine Chance wäre noch die Beobachtung des Saturns. Mit einer halben Stunde Vorsprung vor dem Mond tauchte der Saturn  über den Dächern auf, siehe den Lichtpunkt über dem Schornstein:

Saturn über dem Schornstein
Saturn über dem Schornstein

Da im Bereich um den Saturn die Wolken verschwunden waren, richtete ich mich auf eine Saturnbeobachtung ein. Allerdings war der Anblick katastrophal:

Der verwaschene Saturn
Der verwaschene Saturn

Natürlich war dies zu erwarten. Der Saturn steht im Gegensatz zu den Planeten Jupiter und auch Venus sehr niedrig. Gerade in der Stadt sind in diesem Bereich die Sichtbedingungen schlecht. Neben den natürlichen schlechten atmosphärischen Sichtbedingungen kommt hier noch die Wärmeabstrahlung der Häuser hinzu. Also fiel der Saturn für den heutigen Beobachtungsabend auch aus.

Lichtverschmutzung – Verlust der Nacht

Da weder Saturn, noch Jupiter und wg. der Restwolken auch die gewünschten Sternhaufen und Deep Sky Objekte keine Option darstellten, kam ich auf die Idee, mich weiter mit dem Thema Lichtverschmutzung zu beschäftigen. In meinem Blogartikel „Die Hydra – besiegt von Herakles und der Luftverschmutzung“ ging ich darauf ein und habe dort auch die MS Wissenschaft 2015 – Zukunftsstadt erwähnt. Diese Ausstellung bot am nächsten Tag eine Nachtwanderung „Verlust der Nacht“ an. Dort sollte auch die App „Verlust der Nacht“ (siehe Link) zum Einsatz kommen. In Vorbereitung auf diese Veranstaltung nutzte ich die Gelegenheit, bei dem freier werdenden Himmel diese App auszuprobieren.

Vom Prinzip her fragt die App für eine kleine Anzahl Sterne ab, ob man sie sehen kann. Wenn ja muss man noch angeben, ob dieser Stern klar zu sehen ist oder kaum. In dem Fall, dass man den Stern nicht sehen kann, muss man den Grund angeben, z.B.

  • Man sieht den Stern wirklich nicht mit bloßem Auge (Himmel zu stark aufgehellt -> Lichtverschmutzung)
  • An der Position sind Wolken
  • An der Position ist ein Hindernis (Gebäude, Baum)

Damit die Abfrageergebnisse, die an eine zentrale Datenbank gesendet werden, interpretiert werden können, muss man zu sich einige Angaben machen:

  • Alter?
  • Trägt man eine Sehhilfe?
  • Hat man eine Laser-Augenbehandlung durchführen lassen?
  • Wie sieht es mit der eigenen Erfahrung mit Sternenbeobachtungen aus?
  • Wetter- und Sichtverhältnisse des Abends?

Ich habe mir insgesamt 11 Sterne anzeigen lassen. Das Ergebnis war eine Grenzgröße von 2,81 mag. mit einem Unsicherheitsfaktor von +/- 2,41 mag. Der Mond war mit seinem hellen Licht noch nicht aufgegangen bzw. über die umliegenden Dächer aufgestiegen.

Zur Erinnerung: die Sterne 1. Magnitude sind 100-mal heller als Sterne 6. Magnitude. Letzere sind die lichtschwache Sterne, die vom menschlichen Auge gerade noch erkennbar sind. Sterne mit größerer Magnitude (> 7 mag.), d.h. noch lichtschwächere Sterne, kann das menschliche Auge i.d.R. nicht mehr erkennen. Sterne der 6. Magnitude können nur unter sehr guten bis besten Sichtbedingungen sehen werden. Diese herrschen nur bei sehr dunklem Himmel und trockenem Klima wie Wüste bzw. in Gebirgen.

Bei meinen Beobachtungen in den Jahren zuvor habe ich anhand ausgewählter Sterne meist eine Grenzgröße zwischen 4 und 5 mag. ermittelt. Wenn ich am Abend des 6. Mai also eine Grenzgröße von ca. 3 mag. habe, heißt es dann ich weniger Sterne als bei vielen anderen Beobachtungen früher sehen konnte. Lt. Wikipedia sind es mehrere hundert bis ca. tausend Sterne.

Die von der App gemessene Grenzgröße sichtbarer Sterne habe ich gegen die Sichtbarkeit der Sterne des Sternbilds Haar der Berenike geprüft. Dessen 3 Sterne haben eine scheinbare Helligkeit von 4.2 bis 4.3 mag. Den Stern Diadem konnte ich mit seinen 4,31 mag. gerade noch so durch indirektes Sehen erkennen. Ebenso den darüber liegenden Stern Beta Coma Berenices mit seinen 4.26 mag. Der dritten Stern des Sternbilds, Gamma Coma Berenices mit seinen 4.36 mag. blieb mir leider verborgen.

Zum Vergleich: die Messung während der Nachtwanderung „Verlust der Nacht“ am 07.05. ergab eine Grenzgröße von >5 mag. +/- 1,11 mag. Sie fand im Monbijoupark bei der Oranienburger Str. statt. Auch hier suchte ich nach den Sternen vom Sternbild Haar der Berenike. Diadem und Beta Coma Berenices konnte ich dieses Mal schnell finden und gut sehen. Der subjektive Eindruck eines „besseren“ Himmels wurde somit auch objektiv durch App und Sternbild bestätigt wurden. Die App Messungen beider Tage hatten allerdings auch nicht kleinen Fehlerwert, der durch meinen konkreten Abgleich an den Sternen vom „Haar der Berenike“ ausgenutzt wurden.

Da oben von sehr guten Sichtbedingungen die Rede war: die Stadtmenschen bzw. die Menschen, die in der Nähe von Städten wohnen, werden einen solchen Anblick incl. Milchstraße nur in Urlauben genießen können:

Milchstraße am Sternenhimmel
Milchstraße am Sternenhimmel

Abschließend verweise ich noch auf einen Blogartikel von Stefan Gotthold in seinem Clear Sky-Blog. Hier berichtet er über unseren Treff der Berliner und Brandenburger Sternenfreude auf der MS Wissenschaft sowie die nachfolgende Nachtwanderung.

Der verschämte Mond hinter den Wolken und ein Livestream via Periscope (Twitter)

Gegen 23 Uhr kam dann auch der Mond über den Dächern zum Vorschein. Zuerst wurde er noch von Wolken verdeckt, was einen stimmungsvollen Anblick bot. Leider wird dieser von den folgenden Aufnahmen nicht richtig eingefangen:

Schließlich war der Mond doch noch (fast) ohne Wolken sichtbar. Das folgende Bild ist vom iPhone 5S aufgenommen worden. Es erfolgte keine Nachbearbeitung:

Mond mit Wolken

Beim Filmen und Fotografieren kam ich auf die Idee, die neue Broadcasting App „Periscope“ (Link in englisch) von Twitter zu testen. Mit ihr ist es möglich einen Livestream bereitzustellen, der von allen Menschen, die die App Periscope benutzen, angeschaut werden kann. Man kann dabei auch festlegen, das dieser Livestream gespeichert und für 24 Std. noch abrufbar ist. Es besteht die Möglichkeit, den Livestream als Video auf dem Smartphone zu speichern.

Da ich das iPhone sowieso schon am Teleskop für die Mondaufnahmen befestigt hatte, konnte ich den Livestream mit wenigen Handgriffen starten. Es war erstaunlich, schon nach wenigen Sekunden hatten sich zwischen 40 und 50 Personen weltweit auf diesen Livestream geschaltet. Wie sie auf den Livestream aufmerksam wurden, kann ich nicht sagen. Ich bin auf Periscope / Twitter ja ein Unbekannter. Vielleicht wurden sie auch über den Tweet aufmerksam, den man zum Start der Liveübertragung senden kann. Nach 8 Minuten waren immer noch ca. 20 Interessierte dabei.

Es wurde viele Ahhs und Ohhs und viel Lob gepostet, wahrscheinlich auch, weil die Zuschauer nicht aus der Hobbyastronomie kamen und den Mond bisher nie so sahen. Ich hatte ein Okular verwendet, mit dem der Mond in der Vollansicht zu sehen war. Da der Vollmond erst kürzlich stattfand, war noch der überwiedende Teil des Mondes zu sehen. Ich bekam auch über die eingebaute Chat-Funktion Anfragen, ob ich heranzoomen kann. Insbesondere die Tag-und-Nachtgrenze mit seinen dunklen Kraterböden und beleuchteten Kraterwällen fanden großes Gefallen.

Das Zoomen war wir in der normalen Kamera-App möglich. Allerdings verlor Periscope öfters den Fokus. Anders als in der Kamera-App konnte ich Belichtung und Fokus nicht fixieren. Außerdem ist zu beachten, dass der Textchat nur vom Zuschauer zum Sendenden funktioniert. Textfragen muss man mündlich beantworten. Es hat Spaß gemacht, insbesondere auch, weil die Zuschauer begeistert waren. Etliche gaben mit „Greetings from …“ auch an, wo sie wohnen. Ein Zuschauer aus Südamerika und einer aus der Türkei haben sich nach dem Livestream sogar per Tweet bedankt.

Gerade dieser Anfangserfolg eines „Nobodys“ wie mich auf Twitter zeigt mir, wie die Astronomieszene (in Deutschland) ihr Thema in der Öffentlichkeit präsenter machen kann. Viele Menschen kennen das Thema Astronomie und seine Faszination nicht. Die offiziellen Institutionen grenzen sich eher ab und wollen „Außenstehende“ nicht an sich heranlassen. Die Webseitenangebote von Planetarien sind oft leider nicht so aufgebaut, dass sie eine große Anzahl von Menschen erreichen bzw. begeistern. Aktuell wird dieser Missstand auch von Stefan Gotthold auf seinem Clear Sky-Blog thematisiert, siehe seinen Blogartikel „Was die Astronomie von der re:publica 15 lernen MUSS„.

Fotografieren von Sternen und Sternbildern

Mit dem Sternbild Hydra begann ich kürzlich eine Blogartikelserie über Sternbilder, ihre Geschichte (zumindest im europäischen Kontext) und einige Kontextinformationen zu ihnen. Aktuell verfasse ich einen Artikel über das Sternbild „Haar der Berenike“. Dazu wollte ich mit einer Spiegelreflexkamera das Sternbild einfangen. Als absoluter Dummy in dieser Richtung rannte ich natürlich in das erste Problem, über welches die Profis wahrscheinlich nur lachen können: wie richte ich die Kamera so aus, dass die den gewünschten Himmelsabschnitt erfasst? Der Liveview der Kamera hilft nicht, da man darauf nur die hellsten Sterne erkennen kann. Ebenso schaffte ich es nicht, den Fotoapparat auf den Sternhaufen Mel111 auszurichten. Er ist ziemlich großflächig, so dass er eigentlich gut aufgelöst fotografiert werden können müsste.

Da ich diese Form der Fotografie gerne fortführen möchte, nahm ich zwei Erkenntnisse aus dem Versuch mit, bestimmte Stern bzw. Sternbilder einzufangen:

  • Ich muss unbedingt eine Klammerbefestigung kaufen, mit der Kameras auf Teleskopen befestigt werden können.
  • Um großflächige Strukturen mit einem Blick bei der Teleksopausrichtung erfassen zu können, benötige ich Suchfernrohr, welches ich am Teleskop befestigen kann.

Immerhin gelang mir ein Foto des Sternbilds Jungfrau. Dieses Sternbild einzufangen, war etwas einfacher. Hier half der Stern Arktur vom Sternbild Bootes, den ich im Liveview des Fotoapparates erkennen konnte:

Sternbild Jungfrau fotografiert
Sternbild Jungfrau fotografiert

Fazit

An diesem Abend konnte ich keine meiner Beobachtungen durchführen. Insofern war der Abend „misslungen“. Dennoch nehme ich einige Erkenntnisse bzw. Ergebnisse mit.

Mittels Livestreaming von astronomischen Ereignissen oder Veranstaltungen wäre es möglich, das Thema Astronomie volksnäher und weiter gestreut präsent zu machen. Neben Hobbyastronomen, die sich hier aber schon sehr mit lokalen Veranstaltungen engagieren, sollten die offiziellen Verbände sich mehr öffnen und Gedanken machen, wie sie ihre Inhalte präsentieren. Gerade das Desaster bei vielen Schulen zur jüngsten Sonnenfinsternis lässt doch eher den Eindruck zurück, dass Deutschland nicht so gebildet ist, wie es sich immer darstellt. Ich möchte nicht wissen, wieviel Kinder jetzt mit der „Erkenntnis“ leben, dass Finsternisse böse und schädlich sind.

Den Saturn zur Oppostion mit schönen Bildern festzuhalten, wird sehr schwierig. Dazu steht er zu niedrig für den Beobachtungsort Berlin. Eigentlich wollte ich schon jetzt erste Aufnahmen machen, um den Helligkeitsunterschied der Saturnringe zum Zeitpunkt seiner Opposition am 24.05. und den Wochen davor bzw. danach zu dokumentieren. Schauen wir mal, ob ich noch Erfolg haben werde.

Und schließlich stellte sich heraus, dass ich noch weitere Ausrüstung für meine Beobachtungen benötige 🙂 Einen Huckepack-Kamerahalter suche ich noch. Das Suchfernrohr ist schon bestellt, zusammen mit zwei neuen Okularen (Baader Hyperion 5mm und 24mm). Einen Reducer habe ich mitbestellt, insbesondere für weitflächige Objekte, für die ich eher eine niedrige Teleskopvergrößerung benötige.

Ein Gedanke zu “Wie trotz eines misslungenen Beobachtungsabends dennoch ein langer Blogartikel entstand

  1. Eckehart Herklotz

    Ich bin sehr beeindruckt und gratuliere Dir für die Resonanz,die Dir Deine Mühe und Geduld eingebracht haben. Ein Beispiel dafür wie man auch auf Umwegen großen Erfolg haben kann!
    Eckehart

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