Jupiter am 01.02.15 mit Teleskop und iPhone

Am 01.02.15 geschah das Wunder, es gab wieder einen Himmel ohne geschlossener Wolkendecke in Berlin, zumindest zeitweilig. Also habe schnell zum Sonnenuntergang mein Teleskop zum Auskühlen auf die Terrasse gestellt. Nach der Betrachtung des (fast Voll-) Mondes ging es dann zum Jupiter, der in mein freies Sichtfeld kam. Leider war das Seeing recht schlecht und während der Beobachtung zogen dann doch verstärkt Wolken auf. Um kurz nach 23:oo Uhr musste ich dann wegen einer geschlossenen Wolkendecke abbrechen.

Die nachfolgenden Aufnahmen entstanden mit dem iPhone 5s (Ausrüstung, siehe Ende des Artikels) und der Kamera App ProCamera.

Das 1. Bild zeigt den Jupiter nach erstem Schwenk des Teleskops auf ihn ohne Zoom und überbelichtet aufgrund der Automatik von ProCamera:

Jupiter überbelichtet
Jupiter überbelichtet

 

 

Einstellungen:

  • Verschlusszeit = 1/15
  • Belichtungskorrektur = 0
  • ISO = 2000

 

 

 

 

Die folgende Aufnahme wurde dann mit 6-fachem Zoom und manuellen Einstellungen vorgenommen. Das war bei den Beobachtungsverhältnissen das beste Bild, was möglich war:

Jupiter 2015-02-01_original

 

Einstellungen:

  • Verschlusszeit = 1/90
  • Belichtungskorrektur = -8
  • ISO = 40

Das Bild ist übrigens beschnitten, damit der Eindruck nicht vom Jupiter ablenkt.

 

 

Wie man sieht, sieht man leider nicht so viel. Das dürfte für viele interessierte Anfänger meist für Frust sorgen. Ist man doch viel detailliertere Bilder aus den Medien gewohnt. Ein Beispiel ist die Ansicht zur betreffenden Uhrzeit lt. einem meiner Astronomieprogramme, Starry Night Pro Plus:

Jupiter 2015-02-01 Simulation Starry Night

Solche Bilder bekommt man aber meist nur von Raumsonden, großen Teleskopen in sehr guten Beobachtungsgegenden oder vom Weltraumteleskop Hubble. In lichtverschmutzten Städten muss man leider mit Abstrichen leben. In guten Nächten sind mehr Details möglich. Aber dafür benötigt man viel Geduld und Zeit. So gewöhnt sich das Auge bei längerer Betrachtung dann auch an Details, die beim Blick in den ersten Sekunden / Minuten nicht auffallen.

Allerdings gibt es noch einen „Trick“. So kann man vom Planeten einen Videofilm erstellen, der 30, 60 Sekunden oder sogar viele Minuten lang ist. Mittels spezieller „Stacking“ Software besteht dann die Möglichkeit der Bearbeitung mit Einzelbildern aus dem Video. Die Software liest den Film ein und gibt dem Benutzer die Möglichkeit, sich die besten bzw. guten Bilder herauszusuchen. Diese werden dann zueinander ausgerichtet, so dass das Objekt in jedem Einzelbild auf der selben Position liegt. Im Stacking Verfahren werden dann die Bilder überlagert, was gleichbedeutend mit einer längeren Belichtung beim Fotografieren ist. Dadurch werden dann Details sichtbar, sie so im Film oder einzelnen Fotos vom Auge nicht erfasst werden.

Das Resultat meines Stackings incl. Nachbearbeitung sieht wie folgt aus:

Jupiter 2015-02-01_gestackt_B

 

Hier sieht man schon differenziertere Strukturen und Wolkenbänder. Diese sind auch nicht mehr mit glatten Rändern. Vielmehr deuten sich im resultierenden Bild Verwirbelungen an. Übrigens: der große Rote Fleck ist zu dieser Zeit nicht mehr sichtbar, weil er auf der Rückseite verschwunden ist.

Die folgend Abbildung zeigt schematisch die Wolkenbänder und Klimazonen vom Jupiter (Quelle: Astropraxis Online). Der geneigte Leser kann ja versuchen, etliche dieser Bänder auf meinem Bild wiederzufinden 🙂


Jupiter Wolkenbänder

 

Mein Equipment:

  • Teleskop Celestron NexStar SE8
  • iPhone 5S, Kamera App „ProCamera 8 (v6.1), am Adapter Magnifi
  • Plössl 25mm
  • iPhone ist direkt vor Plössl Okular angebracht. Keine Verwendung einer Barlowlinse
  • iPad zur Steuerung des Teleskops. War an diesem Abend nicht unbedingt erforderlich. Ich dachte, dass ich noch Zeit habe einige Deep Sky Objekte anzusteuern, was mit dem iPad unkomplizierter und schneller geht.

Aufbau Beobachtung

Als Stacking Software zur Verbesserung des Jupiter Bilds habe ich Registax 6 verwendet. Eigentlich hatte ich vor, Autostakkert zu verwenden. Nur leider konnte Autostakker meine AVI-Dateien (Dekoder: Divx) nicht einlesen. Registax war dazu in der Lage. Wer mir einen Tipp dazu geben kann, ob man bei AVI-Filmen in Autostakkert etwas Spezielles beachten muss, kann dies gerne mit der Kommentarfunktion machen. Vielen Dank dafür im Voraus.

Ich möchte mich bei meinen Twitter Followern bedanken, die mich an dem Abend begleitet und in ihrer Timeline erwähnt haben:

Bedanken möchte ich mich auch bei Astronomie Halle für die Erwähnung und inhaltliche Bestätigung meiner Mondbeobachtung, die vor dem Jupiter an diesem Abend stattfand (siehe separaten Blogartikel):

Abschließend ein Dankeschön an Stefan Gotthold (@gottie29) für Erwähnung meiner Beobachtung (Mondkrater Pythagoras) an diesem Abend in seiner Twitter Timeline:

Ein Gedanke zu “Jupiter am 01.02.15 mit Teleskop und iPhone

  1. Gerald Junge

    Das Problem mit Autostakkert 2 hatte ich auch.
    Ich habe mir dann das Programm ffmpeg heruntergeladen und einfach die dort befindliche Datei ffmpeg.exe in das AS2 Verzeichnis kopiert und seitdem kommt das Programm auch mit meinen Avi-Dateien klar.

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