Astronomie ohne Teleskop: Vorschau für September 2021

In dieser Blogartikelserie gebe ich eine Vorschau auf astronomische Ereignisse und Konstellationen, die mit bloßem Auge oder maximal einem Fernglas beobachtet werden können. Bitte beachten Sie: Die Uhrzeiten für den September sind in mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) angegeben und entsprechen dem Standort Berlin.

Verlinkung innerhalb dieser Serie:

Sonnenaufgang und -untergang, Mondsichtbarkeiten

Quelle: https://www.der-mond.de (Die Faszination des Mondes)

Der Mond - Geheimnisvoller Begleiter unserer Erde

Ein Service von www.Der-Mond.de
Wissen und Beobachtung zum Mond

Der Sternenhimmel im September 2021

Sternhimmel am 15.09. um 23:00 Uhr
Sternhimmel am 15.09. um 23:00 Uhr
Sternhimmel am 15.09. um 04:00 Uhr
Sternhimmel am 15.09. um 04:00 Uhr

Die erste Abbildung zeigt den Sternenhimmel am 15. September um 23 Uhr. Die zweite Abbildung repräsentiert den Morgen um 4 Uhr. Beide Darstellungen sind auf den Standort Berlin ausgerichtet. Die nachfolgenden Erläuterungen beziehen sich auf den Nachthimmel zu 23 Uhr.

Das Sommerdreieck steht zwar noch mit seinen hellen Sternen Deneb, Vega und Altair in Richtung Süden markant am Himmel. Aber diese Konstellation verschiebt sich gegen Mitternacht immer weiter nach Westen. Und es wird jetzt vom Herbstviereck verfolgt. Dieses ist eine auffällige, quadratische Konstellation aus den vier Sternen Algenib, Scheat, Markab und Sirrah. Die ersten drei sind die Hauptsterne des Pegasus. Sirrah gehört zum Sternbild Andromeda. Es wird auch das Pegasusquadrat genannt. Diese Sternkonstellation kann schon am spätsommerlichen Nachthimmel beobachtet werden und steigt die nächsten Wochen dann bis Oktober immer höher. Beide Konstellationen sind keine offiziellen Sternbilder, sondern sogenannte Asterismen.

Der folgende Film zeigt die Sternbilder und ihren Verlauf im September:

Neu auftauchende Sternbilder

Die Sternbilder Fuhrmann(Auriga) und Stier (Taurus) zeigen sich ab September jetzt prominenter am Sternhimmel. Das Seemonster (Cetus (Wal)) taucht aus den Tiefen des Horizonts auf, siehe auch die Informationen zur Perseus Sage.

Wesentliche am Himmel stehende Sternbilder und Konstellationen

Die Protagonisten der Perseus Sage sind mit Kepheus, Kassiopeia Perseus und Andromeda fast vollständig am Nachthimmel. Das Seemonster Cetus (Wal) komplettiert im Laufe des Monats die Sage. Informationen zu dieser Geschichte habe ich in einer vierteiligen Blogartikelserie aufbereitet.

Weitere sichtbare Sternbilder, über deren mythologischen Hintergrund ich geschrieben habe, sind:

Mit Steinbock (Capricornus), Giraffe (Camelopardais), Jagdhunden (Canes Venatici), der Eidechse (Lacerta), dem Füllen (Equuleus) und dem Fuchs (Vulpecula) steht derzeit noch ein kleiner Zoo am Nachthimmel. Nicht zu vergessen sind die Sternbild Wassermann (Aquarius, Neptun) und Nördliche Krone (Corona Borealis). Die Südlichen Fische (Piscis Austrinus) und das Mikroskop (Microscopium) zeigen sich kurz über dem südlichen Horizont.

Das Sternbild Widder ist auch deswegen bekannt, weil im Zeitraum von ca. 1.800 vor Christus bis ca. 50 vor Christus der sogenannte Frühlingspunkt darin lag. Siehe dazu meinen Blogartikel zum Widder.

Der Ursprung des Namens für das Sternbild Schild (Scutum) liegt übrigens nicht in der Antike. Es wurde erstmals 1690 von Johannes Hevelius aufgeführt. Es ist dem polnischen König Jan III. Sobieski gewidmet, der 1683 bei der Schlacht am Kahlenberg gegen die türkische Armee kämpfte. Es symbolisiert den Schild, den der König in der Schlacht trug. Die ursprüngliche Bezeichnung ist Scutum Sobiescianum („Schild des Sobieski“).

Leider muss man die Lichtverschmutzung in Betracht ziehen, sodass sich einige Sternbilder in der Stadt schlecht auffinden lassen. Der Drache (Draco) gehört dazu. Es nimmt zwar einen großen Himmelsbereich ein, ist aber schon unter guten Sichtbedingungen nicht leicht zu erkennen. Er wird nämlich von seinen prominenten Nachbarn wie der Großen Bärin, dem Kleinen Bären und dem Schwan dominiert.

Sich verabschiedende Sternbilder

Am westlichen Horizont ziehen sich die Sternbilder Schütze (Sagitarius), Schlangenträger (Orphiuchus) & Schlange (Serpens) und Bärenhüter (Bootes) jetzt so langsam unter den Horizont zurück. Das Haar der Berenike (Coma Berenices) ist in der zweiten Monatshälfte nicht mehr sichtbar.

Asterismen

In der Abbildung des Sternhimmels oben habe ich neben dem Frühlingsdreieck weitere Asterismen in Gelb eingezeichnet. Als Asterismen werden diejenigen Sternkonstellationen bezeichnet, denen ein Bild oder eine Bedeutung zugeordnet wurde, welche aber nicht offiziell von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) definiert wurden. Näheres dazu ist in meinem Blogartikel „Von Sternbildern, Tierkreiszeichen und Asterismen“ beschrieben:

  • Der Große Wagen dürfte der bekannteste Asterismus sein. Er ist der Kernbestandteil vom Sternbild Der Große Bär / Die große Bärin. Ein mehr im englischen Sprachraum bekannter Asterismus ist der Schöpflöffel (Big Dipper). Dieser entspricht fast dem Großen Wagen, wenn man von der oberen Verbindungslinie des Kastens absieht. Auch in China ist diese Sternkonstellation als „Nördlicher Schöpflöffel“ bekannt.
  • Der Kleine Wagen (Little Dipper) ist die kleinere Version des Schöpflöffels bzw. Großen Wagens.
  • Das offizielle Sternbild Kassiopeia kann zu Kassiopeias Stuhl vervollständigt werden. Das passt zum mythologischen Hintergrund dieser Figur. Denn Poseidon bestrafte damit die Eitelkeit der Kassiopeia. Ursprünglich sollte die Tochter Andromeda vom Meerungeheuer gefressen werden. Aber Perseus machte ihm einen Strich durch die Richtung. Kassiopeia muss nun im Himmel kopfüber auf ihrem Stuhl / Thron sitzen.
  • Das Kreuz des Nordens: es bildet wesentliche Teile des Sternbilds Schwan ab. Und im Gegensatz zum berühmten Kreuz des Südens ist es erheblich auffälliger. Der helle Stern Deneb steht am Kopfende des Kreuzes und Sternbilds. Die Längsachse stellt den langen Hals und den Rücken des Schwans dar. Die Flügel sind der Querbalken.
  • Job’s Coffin: Obwohl weithin bekannt, ist die Namensherkunft dieses Asterismus ungeklärt. Eine Möglichkeit wäre der Bezug zum alten Testament und dem Propheten Jona bzw. Jonas. Dieser flieht vor der Berufung durch Gott, wobei er auf der Flucht per Schiff bei einem von Gott verursachten Sturm in das Meer springen muss. Dort wird er von einem großen Fisch verschluckt. Nach drei Tagen und Nächten des Betens wird Jona wieder ausgespuckt. Dieser Zusammenhang zum Asterismus ist aber nicht belegt. Der Begriff Coffein (Sarg) kommt wahrscheinlich von der rautenförmigen Anordnung der Sterne.
  • Im Sternbild Herkules findet sich der Asterismus Schmetterling (Butterfly).
  • Das Sternbild Bootes sieht aus wie ein großer Papierdrachen (Kite), den Kinder bei Wind steigen lassen.
  • Ein Ende des Sternbilds Fische bildet den Asterismus Circlet (Reif)

Die Planeten

Die Positionen der Planeten im Sonnensystem am 01.09.20:

Die inneren Planeten am 01.09.20
Die inneren Planeten am 01.09.20
Jupiter und Saturn am 01.09.20
Jupiter und Saturn am 01.09.20

Die Bewegung der Planeten im Sonnensystem und am Himmel im September 2021:

Planeten am Abend

Venus

Die Venus ist nur knapp eine Stunde am Abend beobachtbar. Ihre Auf- und Untergangszeiten für Berlin sind:

  • 01.09.21: Aufgang: 10:08, Untergang: 20:54
  • 16.09.21: Aufgang: 10:53, Untergang: 20:20
  • 30.09.21: Aufgang: 11:36, Untergang: 19:52

Jupiter

Der Riesenplanet sich immer mehr von der Morgendämmerung zurück und kann daher nicht mehr in der gesamten Nacht gesehen werden. Die Auf- und Untergangszeiten des Jupiter für Berlin sind:

  • 01.09.21: Aufgang: 19:30, Untergang: 05:05
  • 11.09.21: Aufgang: 18:44, Untergang: 04:14
  • 30.09.21: Aufgang: 17:26, Untergang: 02:50

Saturn

Der Ringplanet geht etwas früher als der Jupiter unter. Seine Untergangszeiten gehen daher in Richtung Mitternacht. Die Auf- und Untergangszeiten des Saturn für Berlin sind:

  • 01.09.21: Aufgang: 18:45, Untergang: 03:20
  • 11.09.21: Aufgang: 18:05, Untergang: 02:38
  • 30.09.21: Aufgang: 16:49, Untergang: 01:20

Nicht beobachtbar in diesem Monat

Merkur

Der Merkur steht anfangs zum Sonnenuntergang zu tief, um betrachtet werden zu können. Im weiteren Verlauf des Monats steht er dann am nur am Tageshimmel. Die Auf- und Untergangszeiten des Merkur für Berlin sind:

  • 01.09.21: Aufgang: 08:38, Untergang: 20:24
  • 16.09.21: Aufgang: 09:25, Untergang: 19:39
  • 30.09.21: Aufgang: 09:00, Untergang: 18:47

Mars

Der Mars steht hinter der Sonne und kann daher nicht gesehen werden. Die Auf- und Untergangszeiten des Mars für Berlin sind:

  • 01.09.21: Aufgang: 07:24, Untergang: 20:17
  • 11.09.21: Aufgang: 07:22, Untergang: 19:47
  • 30.09.21: Aufgang: 07:18, Untergang: 18:51

Spezielle Ereignisse

04.09.21, 04:30 (MESZ) – Schmale Mondsichel beim Sternhaufen M44 (Krippe)

Wir haben bald Neumond. Die schon schmale Mondsichel steht nördlich des Sternhaufens M44. Dieser wird auch (Futter-) Krippe oder im englischen Sprachraum Beehive (Bienenstock) Cluster genannt und kann unter guten Bedingungen schon mit bloßem Auge als Nebelfleckchen erkannt werden. Mondsichel und Sternhaufen gehen kurz vor der Sonne auf. Sie können daher nur für eine kurze Zeit tief über dem Horizont stehend betrachtet werden. Dafür sollte ein Fernglas benutzt werden. Die zweite Abbildung unten gibt das ungefähre Sichtfeld eines Fernglases mit 9-facher Vergrößerung an.

Mond bei M44
Mond bei M44
Mond und M44 im Fernglas
Mond und M44 im Fernglas

05.09.21, 06:00 Uhr – Letzte Morgensichtbarkeit der abnehmenden Mondsichel

An diesem Morgen ist die schmale Mondsichel das letzte Mal vor dem Neumond knapp über dem östlichen Horizont zu sehen. Zusammen den beiden Planeten Mars und Venus ergibt sich ein reizvoller, wenn auch im Morgengrauen schwierig zu beobachtender Anblick.

Schmale Mondsichel
Schmale Mondsichel

07.09.21, 02:52 Uhr (MESZ) – Neumond

Am 07. September um 02:52 Uhr in der zweiten Nachthälfte tritt der Neumond ein. Die Sonnen- und Mondstellung sind wie folgt:

Neumond

09.09.21, 20:30 Uhr – Erste Abendsichtbarkeit der zunehmenden Mondsichel

Am späten Abend des 9. September besteht die Möglichkeit, zum ersten Mal nach dem Neumond die Mondsichel zu erblicken. Die Sichel ist noch sehr schmal, sollte aber zu dieser Zeit kurz nach dem Sonnenuntergang zu sehen sein. Die tiefstehende Venus gesellt sich zu unserem Begleiter hinzu.

Schmale Mondsichel
Schmale Mondsichel

16.09.20, 22:00 Uhr (MESZ) – Sonne tritt in das Sternbild Jungfrau ein

Am 16. September tritt die Sonne in den Himmelsbereich ein, der von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) als zum Sternbild Jungfrau zugehörig definiert wurde.

Sonne betritt Sternbild Jungfrau
Sonne betritt Sternbild Jungfrau

16.09.21, 22:00 Uhr (MESZ) – Mond nahe Saturn

Heute, morgen und übermorgen zieht der Mond an den Planeten Saturn und Jupiter. Heute kann der Mond beim Saturn betrachtet werden. Eine gemeinsame Beobachtung im Fernglas ist vielleicht möglich, wenn dieses nur wenig vergrößert.

Mond nahe Saturn
Mond nahe Saturn

17.09.21, 22:00 Uhr (MESZ) – Mond zwischen Jupiter und Saturn

Nachdem der Mond gestern dem Ringplaneten Saturn einen Besuch abgestattet hatte, steht er nun zwischen ihm und dem Riesenplaneten Jupiter.

Mond zwischen Jupiter und Saturn
Mond zwischen Jupiter und Saturn

18.09.21, 22:00 Uhr (MESZ) – Mond beim Jupiter

Der Fast-Vollmond beendet heute seinen dreitägigen Vorbeizug an Saturn und Jupiter. Er steht allerdings etwas weiter vom Jupiter weg. Daher wäre es nur bei gering vergrößernden Ferngläsern möglich, beide Himmelsobjekte gemeinsam zu erfassen.

Mond beim Jupiter
Mond beim Jupiter

21.09.21, 01:55 Uhr (MESZ) – Vollmond

Der Vollmond findet am 21. September um 01:55 Uhr statt.

Vollmond

22.09.19, 21:21 Uhr (MESZ) – Astronomischer Herbstanfang

Die Tag-und-Nacht-Gleiche findet zweimal im Jahr statt. Diejenige vom März markiert den kalendarischen Frühlingsanfang und die im September läutet den Herbst ein. Die Tag-und-Nacht-Gleiche wird auch Äquinoktium genannt. In der Astronomie handelt es sich um jenen Moment, zu dem die Sonne den Himmelsäquator im Frühlingspunkt bzw. Herbstpunkt am Himmelsäquator passiert.

In diesem Zusammenhang sollte man sich nicht von Aussagen verwirren lassen, dass der Herbst am 1. September beginnt. Dies wird kalendarischer Herbstanfang genannt. Er ist willkürlich gewählt, da er keinen Bezug zu natürlichen bzw. himmelsmechanischen Ereignissen hat. Diesen hat nur der astronomische Herbstanfang.

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