Abschlussbericht zur partiellen Mondfinsternis am 16. Juli 2019

Etwas verspätet und nach unserer Urlaubsreise komme ich jetzt zu meinem Abschlussbericht über die partielle Mondfinsternis vom 16. Juli. Meine vorangegangenen Beiträge zur Finsternis waren:

Im Liveblog können neben der Übersicht, was am Abend passierte auch einige Eindrücke am Standort kurz vor der Finsternis nachgelesen werden, z.B. die Frage, ob ich eine Nebensonne beobachtet habe.

Wie schon im letzten Jahr machten wir Urlaub auf Zingst. Dementsprechend wählte ich den gleichen Beobachtungsstandort, wie zur Mondfinsternis im vergangenen Jahr: die Aussichtsplattform beim Beobachtungshaus am Bodden ggü. der Vogelinsel Kirr zwischen dem Zingster Hafen und der Meiningenbrücke. Der folgende Film zeigt die Anfahrt auf dem Deich vom Hafen kommend in Richtung Meiningenbrücke:

Im Gegensatz zur totalen Mondfinsternis im Juli 2018 war diese zumindest an meinem Standort so gut wie garnicht besucht. Im letzten Jahr tummelten sich (zumindest während der Totalität) 2-3 Dutzend Personen alleine auf der bzw. neben der Plattform. In dieser Nacht kamen eine Frau, eine Familie mit Tochter und zwei Fotografen. Das war alles. Die Finsternis wurde in den Medien auch nur wenig beworben, so dass wohl auch nur wenige Menschen das Ereignis zur Kenntnis nahmen. Die Frau kam nur deshalb auf die Plattform, weil sie wegen meiner Ausrüstung neugierig war. Sie war dann auch entsetzt zu hören, dass heute Vollmond ist. Sie hat ihr Leben ganz dem Mondkalender verschrieben und dieser hatte sie wohl nicht „gewarnt“. Und eine Beobachtung der Finsternis kam für sie nicht so in Frage. Sie schaut sich dann lieber „die Natur“ mit dem Fernglas an. Die Bemerkung, dass der Mond ja auch „Natur“ ist, überging sie geflissentlich mit ihren Erzählungen, wie sich sich nach dem Mondkalender richtet.

Mittlerweile wurde es auch Zeit, sich auf die Finsternis zu konzentrieren. Der Mond ging kurz nach halb Zehn auf. Natürlich befanden sich neben der Plattform in Richtung des Mondaufgangs die einzigen drei Bäume der Umgebung bei der Beobachtungsplattform. Aber das störte nicht, da der Mond zum Eintritt in den Kernschatten gut zu sehen war. Im ersten Bild sieht man übrigens sehr schön die große Schar an Schwänen, die unter dem Mond im Bodden vorbeiziehen:

Die Familie kam später in der Nacht und zeigte sich sehr neugierig, den Mond an meinem Teleskop zu sehen. Es kamen auch eine Menge gute Fragen, über die wir sprachen bzw. zu denen ich Auskunft geben konnte. Hier halfen zur Anschauung die Programme auf meinem iPad. Aber auch weitere Fragen zur Astronomie wurden angesprochen. Sie zeigten z.T. aber auch, dass dieses Themenfeld in der Schule größtenteils ignoriert wird. Das hindert aber nicht daran, dass sehr gute Fragen gestellt werden. Wie z.B. durch die Tochter, die die Frage aufwarf, was denn überhaupt ein Mond ist. In der ersten Sekunde denkt man: „Na, das ist doch klar“. Aber sobald man es erklären möchte, fängt man evtl. doch an zu schwimmen. Und es muss hier auch betont werden, dass es keine (!) Definition für die Kategorie Mond bei den Himmelskörpern gibt. Warum wird das System Erde-Mond nicht als Doppelplaneten angesehen? Diese wird sehr anschaulich in der Podcast-Folge Sternengeschichten Folge 346: Wie viele Monde hat die Erde? von Florian Freistetter (Astrodicticum Simplex) diskutiert.

Obwohl es sich „nur“ um eine partielle Mondfinsternis handelt, fand ich diese Nacht und dieses Himmelsereignis sehr beeindruckend. Gerade auch zusammen mit dem Bodden, über dem die Verfinsterung stattfand. Es wurden ca. 2/3 der Mondoberfläche vom Erdschatten bedeckt. Dies reichte für eine „anständige“ Finsternis aus. Ich musste für kleinere Einstellungsarbeiten und Aus- bzw. Einpacken von Gegenständen meine Taschenlampe benutzen. Als der Vollmond „zurückkehrte“ war die Umgebung genügend erleuchtet, so dass die Taschenlampe überflüssig wurde.

Die ISS überflog (wie in meinen Vorberichten aufgelistet) die Szenerie zweimal. Leider habe ich die zweite Aufnahme versaut, da ich mich im Winkel zum Horizont verschätzt habe. Die ISS verschwand aus dem Sichtfeld des Weitwinkelobjektivs. Und mit dem Umstellen des Fotoapparats bekam ich nur den letzten Rest der Flugbahn als Strichspur auf das Foto gebannt:

Hier noch eine Collage meiner Finsternisbilder mit dem ISS Strichspurbild (1. Überflug):

Die beiden Fotografen kamen ungefähr zum Zeitpunkt der größten Verfinsterung und blieben auch nicht lange. Einer der beiden Herren zeigte mir seine Bilder und die Schwierigkeiten, mit dem großen Helligkeitsunterschied auf dem Motiv umzugehen. Ich zeigte ihm im Gegenzug den Mond durch das Teleskop und wie ich ihn mit dem daran befestigten Smartphone fotografiere. Ansonsten war ich die zweite Hälfte der Finsternis mutterseelenallein auf der Plattform. Im Vergleich zum vergangenen Jahr waren die Temperaturen etwas unangenehmer. Ich hatte mittlerweile Pullover, Fleece Pulli und eine dünne regenfeste Jacke angezogen. Die Geräte beschlugen in der letzten dreiviertel Stunde auch heftig. Nichtsdestotrotz hatte ich Glück. Ca. 1,5 Stunden vor der Finsternis verzogen sich die Wolken. Was in der Nacht noch über mir hinwegzog, war nicht der Rede wert.

Gegen 1:45 Uhr hatte ich dann alles wieder eingepackt und ich radelte zurück zu unserer Ferienwohnung. Zum Glück war ich nur 15 Minuten unterwegs und konnte dann müde ins Bett sinken.

Ach ja, meine Ausrüstung war wie folgt:

  • Skywatcher Maksutov MC 102/1300 SkyMax-102 AZ-GTi GoTo WiFi
  • Handcontroller statt Smartphone Steuerung per WiFi
  • Baader Hyperion Okular 17 mm
  • Fotoapparat für ISS und Szenerie: Olympus M10
  • Objektiv: M.ZUIKO DIGITAL ED 7‑14mm F2.8 PRO

Objektiv und Fotostativ hatte ich mir beim Max Hünten Haus vor Ort ausgeliehen.

Nun heißt es im deutschen Sprachraum lange auf die nächste Finsternis zu warten …

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