Mondbeobachtung am 15.02.19: Mondmosaik, Krater Gassendi und von Nazis verseuchte Livestreams

Der erste wolkenlose Nachthimmel zum Start des Wochenende seit langem. Das wir uns kurz vor dem Vollmond befinden, ist eine Deep Sky Beobachtung für mich nicht so ohne weiteres möglich. Unsere Terrasse zeigt Richtung Süden und wird so vom derzeitigen Mond gut ausgeleuchtet .😀

Der Mond zeigte sich schon früh am Nachmittag:

Und auch zur Zeit des Sonnenuntergangs war er schön deutlich zu sehen. Doch es zeigten sich viele Wolken in Horizontnähe, so dass noch nicht klar war, ob eine Mondbeobachtung heute möglich wäre, trotz vieler Vorhersagen einer klaren Nacht:


OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Mondmosaik

Es blieb beim wolkenlosen, aber leicht diesigen Himmel, der einen Halo um den Mond erzeugte. So konnte ich den Mond gut beobachten. Insbesondere der Terminator, die Tag-/Nacht-Trennlinie, ist immer wieder ein Hochgenuss mit seinen Licht- und Schatteneffekten. Ich zeige nachher noch Bilder vom Krater Gassendi. Doch zuerst ist das Mondmosaik dran.

Gerätschaften und Verarbeitung:

  • Teleskop: Celestron NexStar 8SE
  • Okular: Baader Hyperion 8mm
  • Kamera: iPhone XS Max, App „Pro-Camera“
  • Mosaik: 25 Einzelbilder aus 30-Sekundenvideos erstellt
  • Erstellung Einzelbilder : die Einzelbilder wurden mit Autostakkert 3 aus den Videos erstellt; Nutzung von jeweils 250 (besten) Bildern; 3x Drizzle
  • Zusammensetzung mit zum Gesamtbild mit Affinity Photo mittels Panoramafunktion
  • Nachbearbeitung des Gesamtmosaikbildes mit Affinity Photo: Helligkeit, Kontrast, Gammawert, Gradationskurve
  • Schärfung mit Astra Image

Zum Vergleich mit der Aufnahmequalität zeige ich ein 8 Sekundenstück aus einem der 25 Videos:

Krater Gassendi

Neben der reinen Beobachtung hatte ich den Krater Gassendi beim Mare Humorum ein bisschen im Blick:

Die nächsten beiden Bilder zeigen den Krater Gassendi und sein südliches Gebiet zu 19:30 und 21:30 Uhr.

Gerätschaften für Bild zu 19:30 Uhr:

  • Okular: Baader Hyperion 36 mm
  • Kamera: iPhone XS Max, App Pro-Camera
  • Zoom: Video, 4-fach Digitalzoom
  • Video: 30-Sekunden als Eingabe für autostakkert (300 beste Bilder aus Video verwendet)
  • Stacken und Nachbearbeitung wie oben

Deutlich sind noch die langen Schatten im Krater Gassendi zu erkennen. Die Furche Rupes Liebig liegt noch im Schatten. Nur das nördliche Ende wird schon von der Sonne beleuchtet.

Gerätschaften für Bild zu 21:30 Uhr:

  • Okular: Baader Hyperion 8 mm
  • Kein Video-/Digitalzoom
  • Rest siehe Bild zu 19:30 Uhr

Am Beispiel der Furche Rupes Liebig kann man sehen, dass die Sonne schon weitergewandert ist. Beim Vergleich beider Fotos lassen sich auch weitere Unterschiede erkennen, insbesondere z.B. dass die Schatten im Krater Gassendi etwas kürzer geworden sind.

Zum Vergleich der Bildqualität folgen zwei kurze Ausschnitte aus den Originalvideos.

Krater Gassendi um 19:30 Uhr:
Krater Gassendi um 21:30 Uhr

Livestreaming im Social Media Kontext

Neben Periscope (Twitter) und Facebook bietet auch YouTube die Möglichkeit zum Livestreaming an. Da ich ein Smartphone für die Aufnahmen nutze, ist es ein leichtes, einen Livestream bei einem dieser Anbieter aufzusetzen. Periscope und Facebook hatte ich schon bei früheren Gelegenheiten genutzt. Diese nutzte ich heute auch wieder. Zusätzlich probierte ich YouTube aus, da ich dort ebenfalls einen Account besitze. YouTube Streams können später auch als Film dauerhaft gespeichert werden.

Leider sind die kameratechnischen Mittel bei allen drei Diensten sehr bescheiden. Ich kann zwar hinein- und herauszoomen, doch sowohl Fokus und Belichtung lassen sich nicht manuell einstellen bzw. fixieren. Gerade bei Mondaufnahmen sind die Helligkeitsunterschiede sehr groß. Ist z.B. zuviel von der Nachtseite des Mondes auf dem Bild, wird der Rest des Mondes plötzlich überbelichtet. Die Belichtung kann ich nicht anpassen, z.B. durch Antippen des hellsten Bereichs. Der Fokus beginnt auch des öfteren zu schwimmen, insbesondere da er vom Wabern der Luft / Atmosphäre durcheinandergebracht wird. Insofern ist aus meiner Sicht das Livestreaming bei Twitter, Facebook und YouTube für astronomische Zwecke bisher nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Ich lasse mich da aber gerne eines besseren belehren, wenn ich Features übersehen habe.

Meinen YouTube Livestream von diesem Abend habe ich bzgl. Vor- / Nachspann und Musik noch ergänzt und online bereitgestellt:

Zum Abschluss muss ich sagen, dass man selbst bei diesem Hobby vom Nazipack belästigt wird. In zwei der Streams an diesem Abend haben sich User eingeloggt und mit „Heil Hitler“ und weiteren Naziparolen um sich geworfen. Unsere Gesellschaft ist seit Pegida und den Jagdaufrufen der AfD düsterer und menschenfeindlicher geworden. Neulich brüllte auch eine Frau „Toleranz ist ein Zeichen der Dummheit“ durch die S-Bahn, weil sie einige Frauen mit Kopftuch im Waggon gesehen hatte.

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