Kurzberichte aus dem Spätsommer und Herbst (3/3): Goldener Henkel, vom Winde verweht, Flugverkehr und implodierender Mond

Der Grund für die heutige Beobachtung war der Lichtstrahleffekt „Goldener Henkel“ auf dem Mond. Leider hatte ich mit drei Dingen zu kämpfen:

  • miesen Sichtbedingungen mit sehr unruhiger Luft,
  • starkem Wind,
  • reichlichem Flugverkehr und
  • dem frühen Zeitpunkt, an dem der Goldene Henkel am besten zu beobachten war.

Mein Ziel war es, heute Abend ein Mosaikbild des Mondes mit dem Goldenen Henkel zu erstellen. Ich verwende dafür mein 5mm Okular, womit ich eine 406-fache Vergrößerung erreiche. Dies entspricht auch der max. sinnvollen Vergrößerung an meinem Teleskop. Höhere Vergrößerungsraten bringen keinen zusätzlichen Informationsgewinn mehr. Mit dieser Vergrößerung benötigt es rund 45 Einzelbilder, um ein Mosaikbild des gesamten Mondes in dieser Phase (76%) zu erstellen. Ich schieße allerdings keine Fotos, sondern erstelle von jedem der 45 Gebiete ein Video. Dieses bearbeitet ich mit Autostakkert 3, um daraus ein Ergebnisbild berechnen zu lassen – Stichwort „Lucky Imaging“.

Leider herrschte auffrischender Wind. Dadurch ruhte das Teleskop nicht so ruhig, wie es sollte. Dies führte letztlich bei der hohen Vergrößerung zu stark verwackelten Videos. Für das Zusammenfügen der EinzeKurzberichte aus dem Spätsommer und Herbst (3/3): Goldener Henkel, vom Winde verweht, Flugverkehr und implodierender MondKurzberichte aus dem Spätsommer und Herbst (3/3): Goldener Henkel, vom Winde verweht, Flugverkehr und implodierender Mondlbilder zum Mosaik benötigt man überlappende Bereiche. Diese habe ich auch bei den Aufnahmen berücksichtigt. Beim Überführen der Videoaufnahmen in die Einzelbilder per Stacking schrumpften die überlappenden Bereiche durch das Verwackeln extrem stark zusammen. Die betreffenden Bereiche sahen verwischt aus, so als ob man Tinte verschmiert. Diese musste ich herausschneiden, so dass dem Programm kaum noch überlappende Bereiche für das Zusammenfügen zu einem Mosaikbild blieben.

Zusätzlich zum Wind waren die Luft- bzw. Atmosphärenbedingungen suboptimal. Es zeigte sich eine auch für Stadtverhältnisse extrem hohe Luftunruhe, die gerade bei der Vergrößerung, ca. 400-fach, voll zuschlägt. Das Stacken der Videos kann diesen Makel nicht beseitigen, wie noch gezeigt wird.

Gegen 19:30 Uhr fing ich mit einer ersten Serie von Einzelaufnahmen für ein Mosaikbild an. Der Himmel war ca. 1,5 Stunden nach dem Sonnenuntergang noch etwas von der Abenddämmerung erhellt. Leider benötigte ich für die Aufnahmen sehr viel länger als sonst. Der Abnahme der Helligkeit während dieser Zeit wurde dann zu groß für die fix eingestellte Belichtungszeit der Kamera. Ich brach die Fotoserie daher ab. Herausgekommen ist folgendes Teilmosaik vom Goldenen Henkel:

  • Startzeit: 19:30 Uhr
  • Okular: Baader Hyperion 5 mm (= 406-fache Vergrößerung)
  • Anzahl Bilder: 6
  • Länge der Ursprungsvideos: 30 Sekunden
  • Gestackt mit Autostakkert 3
  • Geschärft mit Astra Image
  • Zusammenfügen der Bilder, Kontrastanpassungen & Anwendung Gradationskurven mit Affinity Photo

Die Bildqualität ist selbst mit Nachbearbeitung aufgrund der hohen Luftunruhe recht schlecht. Außerdem fehlen etliche Bilder, die weder Affinity Photo noch Photoshop zusammensetzen konnten. Ich hatte den Mond bis knapp unter dem Äquator aufgenommen. Grund dafür sind wahrscheinlich die stark geschnittenen Bilder aufgrund der oben beschriebenen Videowackler.

Der Grund, warum ich für diese erste Bildserie so lange benötigte und dann abbrach, lang im tierischen Flugverkehr an diesem Abend. Es war echt nicht zu glauben, aber gefühlt ein bis zwei Dutzend Mal sind mir Vögel und Vogelschwärme durch das Bild geflogen. Wenn man bedenkt, wie klein der Bildausschnitt eigentlich ist, sollte dies nicht so oft vorkommen.

Das nachfolgende Bild zeigt den Mond gegen 22:31 Uhr in der Totalen. Auch hier trübt die hohe Luftunruhe die Qualität des Bildes erheblich. Das wurde auch mit Stacking und Schärfung nicht besser:

  • Ort: Berlin, Friedenau
  • Zeit: 22:31 Uhr
  • Teleskop: Celestron NexStar 8SE
  • Okular: Baader Hyperion 36 mm
  • Kamera: iPhone XS Max
  • Länge des Ursprungsvideos: 50 Sekunden
  • Gestackt mit Autostakkert 3
  • Geschärft mit Astra Image
  • Kontrast & Gradationskurven mit Affinity Photo

Die Berggipfel des Jura-Gebirges sind noch gut auffällig beleuchtet. Der Grund der Regenbogenbucht (Sinus Iridum) liegt aber wegen der schon fortgeschrittenen Stunde weitestgehend im Hellen.

Mitten in der zweiten Aufnahmeserie für ein Mosaik sah ich ein Flugzeug, welches in Richtung des Mondes flog. Ich hielt den Atem an: war dies die Gelegenheit nach 10 Jahren Teleskopbeobachtung einen Vorbeiflug vor dem Mond videotechnisch festzuhalten? Immerhin hatte ich immer noch das 5mm Okular mit 406-facher Vergrößerung montiert. Damit sind rund 45 Fotos notwendig, um den gesamten Mond als Mosaikbild zusammensetzen zu können. D.h. ich müsste schon sehr genau zielen, damit ich das Flugzeug mit diesem kleinen Bildausschnitt erfasse. Die Spannung stieg … Sekunden vor dem Kontakt war klar, dass das Flugzeug wirklich den Mond treffen würde. Ich schätze die Flugfläche ein und korrigierte die Teleskopausrichtung etwas …

Geschafft! Endlich kann ich ein Flugzeug vor dem Mond vorweisen! Danach hoffte ich, das Teleskop wieder so auszurichten, so dass lückenfrei ein Mosaikbild zusammengesetzt werden kann. Tja, leider kam nur ein Bild heraus, welches aussieht, als ob ein schwarzes Loch im Inneren des Mondes beginnt, diesen einzusaugen. Wenn man genau hinschaut, sieht man sogar die Ränder benachbarter Bildsegmente. Mit Schuld daran dürfte auch das oben beschriebene Windproblem sein und die damit verbundenen Probleme, die das Programm beim Zusammenfügen hatte. Die Bildqualität selbst ist wiederum recht schlecht:

  • Startzeit: 21:30
  • Okular: Baader Hyperion 5 mm (= 406-fache Vergrößerung)
  • Anzahl Bilder: 44
  • Länge der Ursprungsvideos: 45 Sekunden
  • Zusammenfügen der Bilder, Kontrastanpassungen & Anwendung Gradationskurven mit Affinity Photo
  • Bildgröße auf 25% reduziert

Und hier noch ein Ausschnitt mit der Regenbogenbucht.

2 Gedanken zu “Kurzberichte aus dem Spätsommer und Herbst (3/3): Goldener Henkel, vom Winde verweht, Flugverkehr und implodierender Mond

  1. Lieber Volker,

    Dein Mond-Artikel hat mich sehr fasziniert. Es verblüfft mich immer wieder, welche widrigen Umstände man haben kann, wenn man ein schönes Mond-Foto schießen möchte.

    Mir wurde auch richtig klar, weshalb man eher Vidos macht. Damit kann man dann eventuelle Störungen ausfiltern, was bei einem statischen Foto so nicht ginge.

    Um so mehr freut es mich, dass Dir dann doch noch ein Schätzchen gelungen ist, das Flugzeug vor dem Mond. Herzlichen Glückwunsch dazu.

    Dein Artikel hat mich zu meinem Mondartikel inspiriert. Ich verweise und verlinke darin auch darauf.

    Schau mal auf https://blindnerd.de.

    Beste Grüße

    Gerhard.

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