Erfahrungsbericht Level-D Zertifizierung IPMA (Teil 4 – Prüfungserfahrung)

Dies ist der vierte (und letzte) Teil meines Erfahrungsberichts zur Zertifizierung bei der IPMA. Er richtet sich ausdrücklich an andere Einsteiger bzw. Neuanfänger. Meine Erfahrungen zum eigentlichen Lehrgang für die Zertifizierung möchte ich noch um einige allgemeine Ausführungen zum Projektmanagement und dem Zweck einer Zertifizierung ergänzen. Insgesamt teilt sich der Erfahrungsbericht in folgende Teile auf:

  1. Einleitung: Skizzierung von Sinn und Zweck einer Zertifizierung für Projektmanagement. Hier wird auch ein kurzer und unvollständiger Überblick von 2 weltweiten Organisationen gegeben, welche sich dem Thema widmen.
  2. Überblick zum Curriculum der GPM / IPMA: Mit diesem Artikel soll ein inhaltlicher Überblick über den Inhalt des PM-Standards der GPM / IPMA gegeben werden.
  3. Vorbereitung auf Prüfungen: In diesem Artikel geht es um die Prüfungsvorbereitung und das Erstellen des Transfernachweises.
  4. Prüfungserfahrung (Dieser Artikel): Wie laufen Prüfung (mündlich, schriftlich) und Bewertung des Transfernachweises ab? Was ist bei den Prüfungen zu beachten?

Transfernachweis

Der Transfernachweis wird mit einer maximalen Punktzahl bewertet. Je Kapitel werden max. 12 Punkte vergeben. Es bringt also nichts, ein Kapitel besonders ausführlich und schön zu bearbeiten und dafür ein anderes Kapitel brach liegen zu lassen. Es ist nicht möglich, Sonderpunkte für ein besonders gut ausgearbeitetes Kapitel zu erlangen, um Schwächen in einem anderen Kapitel auszugleichen.

Insbesondere Grafiken sollten exakt gezeichnet und beschriftet werden. Ein Phasenplan ohne Meilensteine bringt Punktabzüge. Kostenganglinien in Form von Balkendiagrammen zu zeichnen ebenfalls. Der Projektsteckbrief muss Termine zum Projektstart und Projektende, den Aufwand und die Kosten enthalten. Der Projektstrukturplan hat die PSP-Nummern für jedes Arbeitspaket zu enthalten. Diese Nummer ist in der Arbeitspaketbeschreibung ebenfalls darzustellen. Auch sollten Grafiken wie z.B. ein Gantt-Diagramm eine ausreichende Lesbarkeit gewährleisten. Ein extrabreites Gantt-Diagramm auf eine DIN A4 Seite zu quetschen, führt wohl auch zu Punktabzug.

Während der Ausarbeitung des Transfernachweises sollten Sie sich immer in Erinnerung rufen, dass es weniger um die Details des Projektes an sich geht, sondern um das Verständnis zum Projektmanagement. So muss z.B. der Projektstrukturplan nicht tatsächlich alle notwendigen Aufgabenpakete enthalten. Es geht um die formale Korrektheit der Darstellung der Projektstruktur sowie die Vollständigkeit der Elemente einer Aufgabenpaketbeschreibung.

Sollte Ihre Zertifizierung von einem Dienstleister begleitet werden, fragen Sie gezielt nach speziellen Tipps und Eigenheiten für den Transfernachweis. Die oben genannten Tipps wurden uns zu Beginn und im Rahmen des Intensivseminars gegeben.

Am Ende der mündlichen Prüfung besteht die Möglichkeit, sich die Bewertung des Transfernachweises von den Assessoren erläutern zu lassen. Diese Möglichkeit sollte in Anspruch genommen werden, um so wertvolle Hinweise zur Verbesserung des Gelernten zu erhalten. Dafür ist es notwendig, den Transfernachweis spätestens 14 Tage vor Prüfungstermin bei der GPM hochzuladen.

Hier noch allgemeine Informationen zum Bestehen:

Die Assessoren sehen wohl vor, dass man beim Nichterreichen der notwendigen Punktanzahl (mind. 60,5 von 120 Punkten) nicht gleich durchfällt. Die GPM gibt einem die Möglichkeit, den Transfernachweis nachzubessern und neu einzureichen. Dies wird ebenfalls nach der mündlichen Prüfung besprochen.

Sollte der Transfernachweis nicht rechtzeitig fertig sein, so hat dies auf den Prüfungstermin und die Prüfungen selber keine Auswirkung. Nur wird das Zertifikat dann solange nicht ausgestellt, wie der Transfernachweis noch nicht eingereicht und bewertet wurde. Dies gilt ebenso für den Fall, dass man den Transfernachweis nachbessern muss -> kein Transfernachweis = kein Zertifikat, egal wie gut die Prüfungen ausfielen.

Die schriftliche und mündliche Prüfung

Beide Prüfungen finden an einem Tag statt. Sie erfolgen an einem vorgegebenen Ort. Hat man sich einem Dienstleister angeschlossen, so kann es sein, dass man zu einem zentralen Prüfungsort reisen muss. Hat der eigene Arbeitgeber die Zertifizierung organisiert, kann er durchaus eine eigene Räumlichkeit bereitstellen.

Vormittags erfolgt in i.d.R. die schriftliche Prüfung. Sie geht über insgesamt 120 Minuten. Dies sollte bei der Bearbeitung der Aufgaben berücksichtigt werden. Jeder Punkt entspricht einer Minute. So sollten für Aufgaben, die mit 5 Punkten bewertet werden, nicht mehr als 5 Minuten aufgewendet werden.

Die Aufgaben umfassen wenige Multiple Choice Aufgaben, offene Fragen und Aufgaben, in denen Berechnungen und Grafiken zu zeichnen sind. Lt. der Prüfungsbeschreibung wird bei der schriftlichen Prüfung der Schwerpunkt auf die technischen Kompetenzelemente gelegt. Meine Prüfung zeigte allerdings überraschend viele Anteile auch in den Verhaltenskompetenz- und Kontextkompetenz Elementen. D.h. also, dass man sich in der Vorbereitung nicht nur auf die von der GPM empfohlenen Kapitel („Können“ und „Wissen“) verlassen sollte, sondern wirklich alle Kapitel, auch die die als „Kennen“ (eigentlich nicht prüfungsrelevant) gekennzeichnet sind zumindest einmal gelesen hat.

Die mündliche Prüfung findet im Anschluss an die schriftliche Prüfung statt. Da der Prüfungstag mit einer Gruppe stattfindet, heißt dies für viele dann erst einmal zu warten. Für jede Prüfung werden ca. 30 Minuten veranschlagt. Natürlich wird auch eine Mittagspause vorgesehen. So kann es passieren, dass der letzte Prüfling erst am späten Nachmittag zum Zuge kommt.

In der mündlichen Prüfung muss der Zertifikant zu 2 Themen etwas sagen. Hierfür liegen umgedrehte Karten auf dem Tisch. Von diesen zieht der Zertifikant 3 Karten und schaut sich die Themen / Fragen an, zu denen er referieren soll. Eine Karte kann er wieder zurückgeben. Die Assessoren protokollieren, welche Karten gezogen und welche Karte zurückgegeben wurde. Dies dient aber der Statistik und dem Prüfungsprotokoll und hat keine Auswirkung auf die Prüfung und die Note an sich.

Dann kann der Zertifikant mit einer Karte beginnen und in einem freien Vortrag sein Wissen dazu erörtern. Je nachdem wie flüssig und korrekt der Vortrag ist, lassen die Assessoren den Prüfling mit mehr oder weniger Zwischenfragen reden. Zum Schluss kommen dann noch gezielt Fragen zum Thema. Der gleiche Ablauf ist dann für die zweite Karte vorgesehen.

Nach Abschluss der mündlichen Prüfung muss der Zertifikant den Raum kurz verlassen, damit die Assessoren die Note besprechen können. Danach wird ihm die Note mitgeteilt und wenn gewünscht auf den Transfernachweis eingegangen.

Navigation innerhalb der Artikelserie meines Erfahrungsberichts:

Haben Sie selber Erfahrungen zur Zertifizierung niedergeschrieben, können wir uns gerne auf eine gegenseitige Verlinkung verständigen. Ich überlege noch, ob ich meine Webseite erweitere, um Beispielantworten zu den Fragenkatalogen aus dem PM3 Standardwerk anzubieten. Außerdem werde ich voraussichtlich im kommenden Jahr die Level-C Zertifizierung angehen. Daher wäre ich auch interessiert an Erfahrungen anderer bzw. gegenseitiger Hilfe, wenn die Zertifizierung ungefähr zum gleichen Zeitraum stattfindet.

4 Gedanken zu “Erfahrungsbericht Level-D Zertifizierung IPMA (Teil 4 – Prüfungserfahrung)

  1. Erkan Cöcü

    Vielen Dank für die freundliche Information. Nit Interesse habe ich diese Informationen gelesen.Zur Zeit nehme ich an einer Projektmanagement-Weiterbildung teil. Nächste Woche sollen wir bereits TN Themen haben und mit der Arbeit beginnen. Ich mache es mir schwer damit, da ich noch kein TN gesehen habe.
    Würde mich freuen, wenn ich Info darüber bekommen könnte, auf welcher Seite ich mir so einen kompletten
    TN ansehen, bzw. als PDF herunterladen könnte. Eine Musterarbeit würde mir sehr helfen.

    Freundliche Grüße!
    Erkan

    1. vnawrath

      Hallo!
      Herzlichen Dank für den freundlichen Kommentar.

      Was das Bereitstellen von Transfernachweisen im Internet angeht, insbesondere nach der aktuellen ICB 3.o, sieht es mau aus. Man muss dafür aber beachten, dass ein Transfernachweis meistens ein reales Projekt beschreibt. Und damit enthält es vertrauliche Daten zu Projekt und zum Unternehmen.

      Hier ein paar Links, die ich nachträglich in Diskussionsforen von XING gefunden habe. Aber Achtung!!!! es handelt sich um Transfernachweise zum alten ICB 2.0 Standard. Daher bitte nur als allgemeine Hilfestellung ansehen. Manche Kapitel haben sich nicht geändert. Ich glaube, der große Unterschied zwischen Transfernachweisen nach ICB 2.0 und ICB 3.0 sind die Kapitel ab Nr. 9 oder 10:

      http://www.nullpointer.de/learn/pm/transfer.de
      http://unlocking-potential.de/2009/02/19/ipma-level-d-zertifizierung-der-zwischenstand-und-mehr-tipps/
      http://privat.dieterbaier.eu/wp-content/uploads/2009/03/tn_08-249_baier_dieter_anonymisiert_v01_20090315.pdf

  2. Andreas

    Hallo,
    Herzlichen Dank für die ausführlichen Informationen. Da bei mir die Zertifizierung demnächst auch ansteht, konnte ich mir schon ein sehr gutes Bild von dem machen, was im nächsten halben Jahr auf mich zukommt.

    Viele Grüße
    Andreas

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